Freitag, 18. Mai 2012

Neue Trends bei Pflegeheimen


Eine demenziell erkrankte Bewohnerin wird zum Tisch geführt. Foto: Elsässer
Eine demenziell erkrankte Bewohnerin wird zum Tisch geführt. Foto: Elsässer

Vaihingen/Sersheim (elf) – Welche Wohnformen gibt es für pflegebedürftige Menschen und wie sehen die neuen Formen der Versorgung von Patienten mit speziellen Pflegebedürftigkeiten wie Demenz aus? Diesen Themen widmete sich die Evangelische Heimstiftung in den letzten beiden Tagen und stellte im Rahmen einer Pressereise verschiedene Beispiele neuer Trends in der Pflege vor. Stationen waren unter anderem das Haus am Schlösslesbrunnen in Sersheim sowie das Karl-Gerok-Stift in Vaihingen.
Mit dem Besuch von acht ausgewählten und für ihren Bereich repräsentativen Heimen stellte die Evangelische Heimstiftung die neuen und modernen Formen des Wohnens und der Pflege vor. Wahlheim, Besigheim, Bietigheim, Sersheim, Vaihingen, Engelsbrand, Freudenstadt und Böblingen waren die Stationen, an denen das Spektrum von der Betreuung von Wachkoma-Patienten bis zu Spezialversorgung für MS-Kranke reichte. Themen in Sersheim und Vaihingen waren die Einbindung eines Kleinpflegeheims in ein örtliches Umfeld (Sersheim) sowie der beschützende Wohnbereich für Demenzkranke (Vaihingen).
In Sersheim informierten Bürgermeister Jürgen Scholz und Hausdirektor Martin Walter über das Haus am Schlösslesbrunnen. „Dieses Heim rundet für uns die Ortskernsanierung ab“, sagte der Sersheimer Schultes und verriet, dass an gleicher Stelle früher eine Tankstelle samt Werkstatt waren. Inzwischen sei das Haus voll in den Ort integriert und runde das Ortsbild ab. Allerdings sei zu spüren, dass das Heim eine Veränderung und Anpassung der Infrastruktur erfordere. So sei es nötig, im Bereich der Naherholung die Wege für gehbehinderte Menschen zu erschließen. Damit erfahre die Gemeinde eine positive Entwicklung.
50 Plätze bietet das Haus am Schlösslesbrunnen: 34 Einzelzimmer und 16 Plätze in Doppelzimmern. 43 Bewohner leben derzeit im Haus – zwei ohne Pflegestufe, 28 in Pflegstufe eins, elf in Stufe zwei und zwei in Stufe drei. 35 Mitarbeiter kümmern sich um die Bewohner, das Essen wird aus dem Karl-Gerok-Stift in Vaihingen angeliefert, die Buchhaltung wird vom Pflegezentrum an der Metter in Bietigheim erledigt. „Viele unserer Bewohner sind relativ fit. Da zeigt sich, dass die Hemmschwelle, in ein Heim zu gehen, bei kleineren Einrichtungen mitten im Ort niedriger ist“, sagte Hausdirektor Martin Walter. Es gebe sogar einen Mann, der nur den Winter über im Heim wohnt und den Sommer zu Hause verbringt. Ergotherapeutische Maßnahmen würden außerdem immer wieder dazu führen, dass zunächst bettlägerige Bewohner nach einer gewissen Zeit wieder nach Hause gehen können. Mittlerweile, so war zu erfahren, habe sich ein Kreis von Ehrenamtlichen gebildet, die sich in vielfältiger Weise für die Bewohner einsetzen. „Als nächstes wollen wir Ehrenamtliche für die Sitzwache gewinnen“, so Walter.
Der beschützende Wohnbereich für demenziell erkrankte Bewohner lautete das Thema im Karl-Gerok-Stift in Vaihingen. „Das Haus zählt zu den traditionsreichsten der Evangelischen Heimstiftung“, sagte Regionaldirektor Walter Kohler. Das 1960 errichtete Pflegeheim sei 2006 durch ein komplett neues Gebäude ersetzt worden und verfüge über 131 Plätze in der stationären Pflege, dazu kämen zwei Kurzzeit- und vier Tagespflegeplätze.
Im Wohnbereich für demenziell Erkrankte leben derzeit 21 pflegebedürftige Menschen. Sie alle haben ausgeprägte Verhaltensauffälligkeiten, leiden an einer mittelschweren bis schweren Demenz und sind gehfähig. Da sie körperlich nur gering pflegebedürftig sind, herrschen in diesem Wohnbereich die niedrigen Pflegestufen vor: 15 von ihnen sind in der Pflegestufe eins, fünf in der Stufe zwei und lediglich einer in der Stufe drei. Der Wohnbereich in der Station A1 verstehe sich als Freiraum für die darin lebenden Bewohner, sagte Walter Kohler. Das Wohlbefinden der an Demenz erkrankten Personen stehe im Vordergrund. Ein Weglaufen der Bewohner werde durch ein Code-System an der Tür verhindert.
Über die tägliche Arbeit mit den A1-Bewohnern berichteten Siegfried Winkelmann, gerontopsychiatrische Fachkraft, und Wohnbereichsleiterin Monika Palmer. Demenz sei eine sich einschleichende Krankheit, die nicht sofort wahrgenommen werde und radikal verlaufe, so Winkelmann. Sie sei zunächst gekennzeichnet vom Verlust der Alltagskompetenz und der Geschäftsfähigkeit. Nach und nach würden auch Inhalte des Langzeitgedächtnisses verloren gehen. Durch Therapie- und Behandlungsformen könne man die Krankheit lediglich stoppen aber nicht heilen.
Monika Palmer machte deutlich, dass den Bewohnern Tätigkeiten angeboten werden, die mit ihren früheren Lebensgewohnheiten zu tun haben. Hierfür sei eine ausführliche Biographiearbeit mit den Angehörigen unerlässlich. Die Bewohner dürfen am Tagesgeschehen mitwirken und werden beim Kochen ebenso eingespannt wie beim Tisch decken und anderen Tätigkeiten. Die Tagesstruktur greife feste Rituale wie gemeinsames Singen auf, was den Bewohnern eine Sicherheit und Geborgenheit biete. Das Mitwirken sei aber nicht verbindlich. Jeder Bewohner habe seine Rückzugsmöglichkeit.


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