Vaihingen (sr) – Sommerferien! Verheißung liegt in diesem Wort: Freude, Sonne, Strand und Spaß. Dass sechs Wochen Ferien auch mit gähnender Langeweile einhergehen können, kann nur hinter vorgehaltener Hand geäußert werden. Rettung verspricht die Stadtranderholung. 120 sechs bis 14 Jahre alte Vaihinger machen sich in dieser Woche für einen Auftritt in der Manege fit, denn das Zirkuscamp Zappzarap ist in der Stadt.
Laura Steiner aus Vaihingen kann sich viel vorstellen – bei manchen Dingen ist aber einfach Sense für die Siebenjährige. „Ich will nicht auf Nägeln rumliegen“, verkündet sie und die Mimik im Gesicht des Blondschopfes spricht Bände. Probiert hat Laura beim Mitmach-Zirkus Zappzarap gestern allerlei: Beim Hochseillaufen spürte sie ein „Kribbeln im Bauch“ und die Akrobatik konnte ebenfalls bei der Kleinen punkten.
Aus 15 Trainingsstationen suchten sich die 120 Teilnehmer der ersten Vaihinger Stadtranderholung gestern zwei Lieblingsdisziplinen aus. Bei diesem Orientierungstag konnten die sechs bis 14 Jahre alten Schüler beispielsweise beim Seillaufen, Einradfahren, bei der Akrobatik oder dem Kugellaufen Grenzen testen und Vorlieben finden. Nun wird fleißig an der Show fürs Publikum gefeilt. „Ganz Vaihingen ist dazu herzlich eingeladen“, betont Diplom-Sozialpädagoge Rolf Gundelach. Er ist einer der vier ständigen Mitglieder des Zappzarap.
2005 wurde der pädagogisch wertvolle Zirkus aus Leverkusen ins Leben gerufen. Mittlerweile wird Zappzarap so oft gebucht, dass mit insgesamt vier Zirkuszelten im ganzen Bundesgebiet gastiert wird. „Es ist einfach toll, aus sozialpädagogischer und künstlerischer Sicht“, bewertet der Berliner das Treiben in und an der Sporthalle am Alten Postweg. Der 32-Jährige, dessen Passion seit 15 Jahren die Clownerie ist, arbeitet als Selbstständiger beim Zirkus mit. Zusammen mit Zirkus-Mann Ben Thiel hat er die Vaihinger Helfer-Truppe schon am vergangenen Freitag in die Tricks und Kunststücke unter der Zirkuskuppel eingeweiht.
Auszubildende der Stadt Vaihingen, Mütter, Ehrenamtliche und Jugendliche von der Jugendarbeit stehen den Kindern und Jugendlichen des Zirkuscamps nun als Trainer mit Rat und Tat in den Gruppen zur Seite, zählt Ingeborg Welz, Leiterin der Jugendarbeit Vaihingen, auf. Beim Aufbau des Zirkuszelts schwitzten Mitarbeiter des Vaihinger Bauhofs und Jugendliche der Jugendarbeit um die Wette. Die Idee mit dem Mitmach-Zirkus entpuppt sich als Erfolgsgeschichte. „Unsere Stars sind die Kinder“, sagt Clown Gundelach, der sich – echt Berliner Schnauze – mit dem Schwäbischen etwas schwer tut. Das Erlebnis, in der Manege etwas geleistet zu haben, klinge in den kleinen Stars noch lange nach. Gundelach aus der Berliner Metropole, der durch ganz Deutschland tingelt, findet Vaihingen auf Nachfrage „niedlich“, was durchaus im Sinne von idyllisch gemeint ist: „Der Hahn kräht und die Grillen zirpen und ich habe hier schon sehr gut gegessen“, verrät der im Vaihinger Schülercafé untergebrachte Clown.
Die Idee, das Zirkuscamp zu buchen, verdankt Ingeborg Welz einer Neubürgerin, die ihr beim entsprechenden Empfang einen Flyer der Zirkusleute in die Hand drückte. Die Leiterin der Jugendarbeit war gleich begeistert. So könne die Lücke zwischen der im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Aktion „Mini-Vaihingen“ gefüllt werden.
9160 Euro kostet das Spektakel, alles inklusive. Für die Teilnahme samt Mittagessen im Schloss Kaltenstein zahlen die Kinder je 70 Euro. Stefan Heffner und Norbert Fischer überreichten als Delegation des Lions-Clubs Vaihingen einen Scheck über 500 Euro, mit dem sieben bedürftigen Kindern eine kostenfreie Teilnahme ermöglicht wurde. Einen Teil der Kosten schießt die Stadt Vaihingen zu „und“, so Ingeborg Welz, der Rest finanziert sich „aus den Einnahmen der Aufführungen“. „Wir hoffen auf viele Besucher“, schiebt sie nach. Immerhin 350 Zuschauer passen in das bis dahin mit einer Sitztribüne ausgestattete Zelt.
Dann werden die kleinen Stars zeigen, was in ihnen steckt. Einige Tränen wurden gestern beim Aufteilen der Gruppen vergossen. Zu viele Kinder hatten sich zum Beispiel in die Akrobatik verliebt, doch letztendlich fand jeder der Jungartisten seinen Platz. Schon im Vorfeld hatten sich 30 Kinder zu viel angemeldet. Sie können dieses Mal leider nicht mitjonglieren und -balancieren. Doch in zwei Jahren gibt es bestimmt wieder ein Zirkuscamp, stellt Welz in Aussicht. Für Laura Steiner, den sieben Jahre alten Blondschopf, steht momentan zumindest eines fest: Keine Nägel und nix mit Feuer im Mund!
Aufführungen im Zirkuszelt am Musikvereinspavillon in der Köszeger Straße: Am Freitag (15. August), zirka 16 Uhr, läuft eine Vorstellung der Übungsleiter für die Kinder und weitere Zuschauer. Danach, um 18 Uhr, sind die jungen Stars in der Manege zu sehen, ebenso am Samstag (16. August) um 14.30 Uhr.
