Freitag, 18. Mai 2012

Trecker-Treck-Spektakel


Trecker-Treck in Sersheim. Foto: Arning
Trecker-Treck in Sersheim. Foto: Arning

Sersheim (aa) – Der Sersheimer Trecker-Treck ist in jedem Jahr ein riesiges Sommer-Spektakel. Ferien hin oder her. Die Schau auf dem Stoppelfeld ist eine Publikumsattraktion der ersten Güte. Über 100 Fahrer waren am Samstag und am Sonntag wieder am Start, versuchten sich am „Full Pull“.
Rainer Hengstberger aus Hohenhaslach ist in seinem Element. Seit 17 Jahren moderiert er die Schau auf den Feldern bei Sersheim. „Der Geländewagen hat sogar ein Navi. Da kann ja gar nichts schiefgehen“, lästert er am Samstagnachmittag. Ob der Fahrer allerdings am Ende der 75 Meter langen Strecke ankommen wird, steht auf einem anderen Blatt. Dafür wird kein Navigationsgerät gebraucht. Motorkraft und fahrerisches Können sind gefordert. Irgendwann wird sich der Schlitten, der an der Anhängerkupplung hängt, in den Boden eingraben. Die Räder des Zugfahrzeugs werden durchdrehen. Dann geht nichts mehr.
Beim Start der Gespanne befindet sich das Gewicht noch über den Rädern des Bremswagens; die Bremskufe ist entlastet. Je weiter das Gespann aber kommt, um so weiter wandert das Gewicht nach vorne und verstärkt die Bremswirkung der Kufe.
Das Geländewagen-Angebot vom Samstag ist nicht der große Renner. Dafür begeistert am Abend die Band „Cherry Red“ im Festzelt. Und am Sonntagmorgen stehen die Schlepperfahrer Schlange. Zehn Euro Startgebühr, wiegen, entspricht der Traktor den Tüv-Vorschriften? Es kann losgehen. Eingeteilt in verschiedene Gewichtsklassen (da steht die PS-Zahl an zweiter Stelle) heizen die Trecker-Besitzer über den Acker der Gemeinde, der von Daniel Setzer, dem langjährigen Vorsitzenden des Vereins Trecker Team Sersheim (TTS), bewirtschaftet wird. „Das Gelände beim Sportzentrum hat sich bewährt“, erzählt Jens Wilhelm (früher Vaihingen, jetzt Freudental), der seit zwei Jahren an der Spitze steht. Auch Wilhelm ist am Start und schafft fast den „Full Pull“.
In der Arena herrscht Hochbetrieb. Auf zwei Bahnen röhren die Schlepper dem Ziel entgegen. Power-Start oder softes Anfahren? Stimmt der Reifendruck? Die Bedingungen sind geradezu ideal. Oft schon war der Treck eine Dreck-Schlacht. Doch jetzt staubt es kaum und die Erde ist griffig. Zwei Durchgänge darf jeder Starter fahren, der beste wird gewertet. Die gezogene Weite wird übrigens zentimetergenau mit einem Laser-Messgerät festgehalten. Da will man sich nichts nachsagen lassen. Die Zuschauer haben sich zum Teil ihre eigenen Tribünen auf Schlepper-Anhängern aufgebaut. Es herrscht Volksfeststimmung. Der Bremswagen wird jeweils von einem riesigen Traktor zurücktransportiert. Rund 300000 Euro kostet der Claas Xerion mit seinen 380 PS. Das Besondere: Die Kabine lässt sich ja nach Fahrtrichtung drehen.
Die Standardschlepper sind in neun Gewichtsklassen bis 12500 Kilogramm eingeteilt. Ein ausführliches Reglement regelt den Ablauf. Aufgemotzte Schlepper sind nicht erlaubt. Nicht Chrom und Schnickschnack zählen, sondern das, was unter der Motorhaube steckt, die richtige Gewichtsverteilung und das fahrerische Können. Da kommt es auch vor, dass ein 14-PS-Schlepperle einen 35-PS-Kollegen abhängt.
Und Regeln sind in diesem Jahr auch für das Fest drumherum aufgestellt worden. „2007 haben einige Gäste über die Stränge geschlagen“, berichtet Wilhelm, „da mussten wir gegensteuern, denn hier noch Parallelfeste aufzuziehen, kann nicht sein.“ 3000 Würste und eine halbe Tonne Fleisch wollen ja auch verkauft sein.


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