B-10-Diskussion: Tunnel oder Umfahrung?
Was gibt es noch für Gründe, die es nicht ratsam erscheinen lassen, eine Umgehungsstraße um Enzweihingen herum zu bauen? Dies fragt sich der Vaihinger Thomas Hitschler. Die erste Folge seiner Gedanken hat die VKZ am Freitag veröffentlicht.
Betrachten wir hier nun das Thema Landschaftsverbrauch und das Thema Lärmbelastung. Die Landesregierung betont in regelmäßigen Abständen, den Flächenverbrauch in Baden-Württemberg auf Null bringen zu wollen, scheut sich aber vor wirkungsvolleren Maßnahmen. Eine Umgehungsstraße um Enzweihingen bedeutet viel Landschaftsverbrauch! Ich spreche bewusst nicht von Flächenverbrauch, da die geplante Trasse zu einem nicht unerheblichen Teil auf schon genutzten Flächen geplant ist. Der Landschaftsverbrauch liegt in der Tatsache begründet, dass die Enzauen bei Enzweihingen durch dieses Projekt vollkommen unbrauchbar für die Naherholung werden. Es ist zum Beispiel vollkommen unverständlich, dass es die meiner Meinung nach „schweigende Mehrheit“ der Enzweihinger Bürger hinnimmt, dass man ihren schönsten Naherholungsraum den Interessen des Straßenbaus opfert. Eine B 10 durch die Enzauen bei Enzweihingen bedeutet eben nicht nur Flächenverlust, sondern auch einen weiteren Schritt in Richtung Zerstückelung unserer Restlandschaftsfläche durch weitgehende Verlärmung der Landschaft.
In Sachen Lärmbelastung entsteht zudem durch eine Umgehungsstraße für den Großteil der Enzweihinger Bewohner eine vollkommen neue Situation. Während die jetzige B-10-Führung für einige Enzweihinger eine große (aber in Zukunft abnehmende) Belastung darstellt, wird nach Umsetzung der Wünsche der Tunnelgegner auf die Mehrheit der Bewohner eine größere Lärmbelastung zukommen (natürlich unterhalb der Grenzwerte). Selbst wenn die gesamte B-10-Umgehungsstraße mit einem hohen Lärmschutz versehen wird (man kann den Enzweihingern schon heute für ihre schöne Aussichten auf den Kornberg und ihre Enzauen gratulieren), wird es zu einer flächenmäßig größeren Lärmbelastung kommen. Während die höher gelegenen Wohngebiete von Enzweihingen von der bisherigen Trasse kaum belastet sind, wird sich dies durch die Spiegelung der Lärms am Kornberg wesentlich ändern. Außerdem wird der nach wie vor fließende Ziel- und Quellverkehr die Anwohner weiterhin mit Lärm belasten.
Die zentrale Frage lautet also: Wird sich die Reduzierung der Lärmbelastung auf der bestehenden B10 gegenüber der Mehrbelastung durch eine Umgehungsstraße rechnen? Dies müssen Lärmschutzfachleute klären, bevor es zu einer teuren und für lange Zeiträume fixierten Lösung kommt.
Größe Lärmentlastung
durch einen Tunnel
Die größte Lärmentlastung wird durch ein Tunnel erzielt. Eine Tunnellösung ist jedoch auch die aufwendigste aller Möglichkeiten, nicht nur was den baulichen und damit auch finanziellen Aufwand betrifft. Für ein Tunnel werden unter anderem auch aufwendige Beleuchtungs- und Belüftungsmaßnahmen erforderlich, die wir aus Gründen der Energieeffizienz vermeiden sollten.
Eine Idee wäre die Umsetzung einer Lösung auf der bestehenden Trasse. Ausgehend von den Tatsachen, dass sich der Verkehr langfristig vermindern wird, der Staat (also wir alle) mit Steuergeldern sparsam umgehen sollten, wir einen weiteren Flächenverbrauch minimieren und dass wir möglichst viele Ruhezonen für Mensch und Natur erhalten sollten, wäre es ein Ansatz für eine moderne Lösung, die B10 auf der bestehenden Trasse abzusenken. Die B10 könnte, ausgehend von den beiden Planungsendpunkten Brücke über die Enz Richtung Vaihingen und Brücke über den Strudelbach, waagrecht weitergeführt bzw. in leichtem Gefälle bis zur Ortsmitte hin abgesenkt werden. Die seitlichen Lärmschutzeinrichtungen könnten als eiförmige Halbschalen in einer architektonisch leicht wirkenden Glaskonstruktion zunächst nach oben offen, in Richtung Ortsmitte hin sich kontinuierlich bis hin zu einem Glasvolltunnel schließend ausgeführt werden.
Ortsverbindungsdeckel
über der B10
In der Ortsmitte selbst wäre ein etwa 100 bis 150 Meter langer Grün- bzw. Ortsverbindungsdeckel über die B10 auszubilden, der die bisher durch die B10 getrennten Ortsteile verbindet. Die Anbindungen an die bestehenden Landesstraßen könnte wie bei den Volltunnelvarianten geplant durchgeführt werden. Allerdings wäre im Osten von Enzweihingen eine große Kreisellösung zur Anbindung der Landstraßen und der innerörtlichen Straßen von großem Vorteil. Dadurch würde der Verkehr auf der B10 sinnvoll abgebremst und man käme dem Ziel, den Schwerlastverkehr zum großen Teil auf die Autobahn zu bringen, wieder näher.
Die Skizzen einiger örtlicher Situationen zeigen, wie eine solche Lösung der Verkehrsprobleme in Enzweihingen ungefähr aussehen könnte. Für Glastunnellösungen ist Prof. Dr. Werner Sobek von der Universität Stuttgart ein Ansprechpartner.
Fazit: Sicherlich wird Enzweihingen aus finanziellen Gründen keine große Tunnellösung im ursprünglichen Sinn mehr bekommen. Dazu sind die Bau- und Betriebskosten einfach zu hoch – zumal man davon ausgehen muss, dass der Verkehr langfristig abnehmen wird. Eine Umgehungsstraße wäre für Enzweihingen das wohl die denkbar schlechteste Ergebnis. Bleibt also eine Lösung auf der bestehenden Trasse – eine Teilglastunnellösung wäre technisch anspruchs- und architektonisch reizvoll.
