Donnerstag, 17. Mai 2012

Rennstimmung auf Verkehrsübungsplatz


Studenten aus Karlsruhe trainieren in Vaihingen für ein Duell auf dem Hockenheimring.
Für viel Lärm und Aufsehen auf dem Vaihinger Verkehrsübungsplatz sorgte gestern dieses Gefährt. Foto: Wirth

Vaihingen (ev) – Mit viel Herzblut haben rund 30 Studenten aus Karlsruhe ein Formelauto gebaut. Ab heute müssen sie auf dem Hockenheimring zeigen, was ihr Fahrzeug kann. Gestern testeten sie zum letzten Mal auf dem Vaihinger Verkehrsübungsplatz, nicht gerade zur Freude der Anwohner.
Der Papa, der mit einem Kinderwagen am Vaihinger Verkehrsübungsplatz vorbei spaziert, bleibt interessiert stehen: „Was ist denn da los? Auf dem Trainingsareal ist ein kleines Formelauto unterwegs – mit ordentlich Lärm. Auch andere sind schon aufmerksam geworden. Ein Auto hat an der Straße gehalten, der Fahrer starrt gebannt auf das Geschehen. Die Zaungäste scheinen über den Besuch der Karlsruher Studenten erfreut zu sein.
Rund 30 junge Männer und eine Frau haben sich zusammengeschlossen, um an dem internationalen Konstrukteurswettbewerb „Formula Student Germany“ teilzunehmen. Dabei geht es darum, ein fiktives Unternehmen zu gründen, das Formel-fahrzeuge vertreibt. Nicht nur der Bau eines Prototyps gehört zu den Aufgaben der Studenten, auch um Marketing, Sponsoring und Finanzierung müssen sie sich kümmern. Das Projekt ist vom Verband Deutscher Ingenieure (VDI) iniziiert. Insgesamt nehmen 78 Teams von Indien bis Amerika an dem Wettbewerb teil.
Ab heute wird es auf dem Hockenheimring ernst. Haben die Karlsruher Studenten der Fächer Fahrzeugtechnologie und Maschinenbau die geforderten Richtlinien eingehalten, stimmen die Sicherheitsvorkehrungen usw.? Wenn all das überprüft wurde, dürfen die Studenten auf der Strecke testen, denn am Wochenende steht ein Rennen auf dem Plan. „Das Rennen, der Prototyp und die Bewertung der fiktiven Firma ergeben dann das Endresultat“, erklärt Jens Wunsch, einer der drei Projektleiter des Teams von der Fachhochschule Karlsruhe.
Chancen für den Sieg rechnen sich die Studenten nicht aus, aber eine gute Platzierung sei durchaus drin. In den vergangenen Tagen haben sie Tag und Nacht für ihr Ziel gearbeitet und geschraubt. Tiefe Augenringe zieren das Gesicht des einen oder anderen. Doch der letzte Test sei wichtig.
Das sehen die Anwohner anders. Gegen 13.30 Uhr haben die Studenten mit dem Training begonnen, nur wenige Minuten später waren nicht nur die ersten Schaulustigen auf dem Verkehrsübungsplatz, sondern auch die ersten, die sich über den Lärm beschweren wollten.
Bis in die Stadt waren die Geräusche zu hören, wenn der Motor aufjaulte. Wer die Augen schloss, wähnte sich in der Nähe einer Rennstrecke. So dauerte es auch nur ungefähr 45 Minuten, bis die Polizei vorbeifuhr.
Allerdings guckte sie sich das Gefährt nur an, wünschte den Studenten viel Glück und weg waren die Beamten. Der Verkehrsübungsplatz ist Privatgelände.
Die Betreiber des Verkehrsübungsplatzes haben mit so viel Lärm selbst nicht gerechnet. Einen Gefallen habe man den Studenten tun wollen, dass es so laut werden würde, habe man nicht gewusst.
110 Dezibel – so viel schafft der „F 102“. „Lauter darf er nicht sein“, erklären die Studenten. Auf die Lautstärke komme es nicht an. Das Fahrzeug solle schön, schnell und gut sein – damit hinterher die Platzierung stimmt. „Wir wissen, dass wir durch den Lärm nicht immer nett empfangen werden. Dafür haben wir Verständnis, aber es ist schwer, geeignete Plätze zu finden“, erklärt Wunsch.
Aber nicht alle fühlten sich gestört. Selbst Personen, die eigentlich gekommen waren, um sich zu beschweren, blieben, um das Treiben aus der Nähe zu verfolgen und sich technische Details von den Studenten erklären zu lassen. Um 16 Uhr war dann Schluss. Ab heute macht das Formelauto auf dem Hockenheimring Lärm.


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