Donnerstag, 17. Mai 2012

Gute Ernte


Erntebilanz auf dem Stoppelfeld. Foto: Arning
Erntebilanz auf dem Stoppelfeld. Foto: Arning

Serres (aa) – Sie können sich ganz entspannt zurücklehnen. Die Getreideernte 2008 ist mehr oder weniger in den bekannten trockenen Tüchern. Die Menge hat gestimmt, die Qualität auch. Wenn jetzt auch noch der Doppelzentner-Preis eine Zwei vorne stehen hat, dann ist für die Enzkreis-Landwirte die Welt in Ordnung.
Ernte-Pressegespräch auf dem Betrieb von Armin Roux. Der Landwirt mit den Waldenser-Wurzeln hat die sonnigen Tage genutzt und zwischen dem 10. Juli und 1. August seine Ernte eingefahren. Er war auf keinen Lohnmähdrescher angewiesen. „Da bin ich heilfroh“, sagt der Vollblutlandwirt, der sich einst vom Konfirmandengeld ein eigenes Kälble gekauft hat. Andere haben für ein Mofa gespart. Roux, der auf dem Aussiedlerhof im Gewann „Kirschbaum“ neben der Straße nach Iptingen rund 90 Hektar bewirtschaftet und unter anderem 25 Milchkühe sowie 80 Rinder im Stall stehen hat, will nicht klagen. Er treibt seinen Hof zusammen mit seiner Frau Bettina um, die „nebenher“ zu 70 Prozent noch als Kindergärtnerin arbeitet. Und der dreifache Vater hofft, dass es auch nach ihm mit der Landwirtschaft weiter geht.
Zufrieden können auch die meisten von Roux Kollegen, von denen es im Enzkreis noch rund 170 im Vollerwerb (750 gelten als „Bewirtschafter“) gibt, sein. Bei guten Bedingungen sind Ende Juli im Heckengäu rund 95 Prozent der Getreidefelder abgeerntet worden. Am Schwarzwaldrand steht jedoch noch gut die Hälfte der Frucht Probleme wie häufig in den Vorjahren, als die Ernte wegen Schlechtwetterphasen unterbrochen werden musste, sind nicht aufgetreten. Auch von Hagel oder Starkregen sind die Bauern weitgehend verschont geblieben.
Die Herren vom Enzkreis-Landratsamt haben Zahlen dabei. Karl-Heinz Zeller, Dezernent für Umwelt, Landwirtschaft und öffentliche Ordnung, sowie Jürgen Krepp vom Landwirtschaftsamt wissen von einer „durchschnittlichen bis leicht überdurchschnittlichen Ernte“ zu berichten. Die durchschnittlichen Erträge bei Winterweizen liegen bei 70 Doppelzentner (dt)/Hektar (ha), mit Schwankungsbereichen von 50 bis 80 dt. Bei Wintergerste bewegt sich der Schnitt um 68 dt, mit Schwankungsbreiten zwischen 60 und 75 dt und bei Sommergerste im Schnitt von 58 dt mit Unterschieden zwischen 45 und 70 dt. Bei Roggen wird mit Erträgen von 60 dt und bei Hafer von 50 dt gerechnet. Erstmals wurde in diesem Jahr im Enzkreis übrigens auf rund 90 Hektar auch Winterbraugerste angebaut. Der Hilferuf der Mälzer hat die Bauern zu dem Versuch bewogen. Etwas anders sind die Erträge bei Raps ausgefallen. Zeller: „Hier rechnen wir im Schnitt mit knapp unter 38 Doppelzentnern mit Schwankungsgraden von 32 bis 45 Doppelzentnern. Dies entspricht eher leicht unterdurchschnittlichen Erträgen.“
 Zur Qualität wird gesagt: Bei Winterweizen schwankt sie je nach Ertrag, wobei bei hohen Erträgen häufig Proteinwerte auch unter 13,5 Prozent zu verzeichnen sind, während bei durchschnittlichen Erträgen auch gute Proteinwerte von 13,5 Prozent und darüber vorliegen. Bei Sommergerste ist der Vollgerstenanteil in der Regel gut, überhöhte Proteinwerte (Grenze 11,5 Prozent Protein) kommen selten vor. Auch bei Wintergerste sind in der Regel die Hektolitergewichte zufriedenstellend. „Wir sind recht zufrieden“, macht der Iptinger Müllermeister Martin Häußermann deutlich, „Backqualität wurde erreicht, es hat keinen Auswuchs gegeben und auch sonst nichts Auffallendes.“
Ab 20 Euro/dt geht es
in die Gewinnzone
Und wie sehen die Preise aus? Da hofft man noch auf eine Bewegung nach oben. „Wir wären glücklich, wenn eine Zwei vorne stehen würde“, sagt Ulrich Hauser, der Vorsitzende der Enzkreis-Landwirte aus Eisingen. Müllermeister Ulrich Häußermann hat vorgerechnet, dass der Doppelzentner Weizen derzeit mit 17 Euro gehandelt wird. Es komme jetzt auch die Vermarktungsmöglichkeiten an. Zum Vergleich: 2007 wurden im Durchschnitt 22 Euro bezahlt – mit Ausreißern bis 27, 28 Euro.
Das wünschen sich die Bauern in diesem Jahr auch, denn, so Jürgen Krepp, „erst ab 20 Euro kommen die Erzeuger in die Gewinnzone“. Angeführt werden stark angestiegene Düngerkosten und natürlich der teure Kraftstoff. Dass die Preise keine Utopie sind, macht man auch deutlich: In den 80er Jahren seien für den Doppelzentner Weizen schon bis zu 50 Mark erlöst worden. Da geben die Bauern die Hoffnung nicht auf…


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