Donnerstag, 17. Mai 2012

Überfüllt: Aufnahmestopp im Tierheim


Herrchen und Frauchen sind im Urlaub – Hund und Katz auf der Suche nach einem neuen Zuhause
Dusty und Stelli suchen ein neuen Zuhause. Fotos: Wirth

Vaihingen (ev) – 14 Nager, zwei Vögel, sechs Schildkröten, sechs Hunde und 45 Katzen – also insgesamt 73 Tiere – leben momentan im Vaihinger Tierheim. Während die Tiere in der Urlaubszeit immer mehr werden, bröckelt die Zahl der Helfer auf der anderen Seite immer weiter.
Dusty, ein kleiner weißer West Highland Terrier, liegt im seinen Käfig. Als Isabell Kasten, die Leiterin des Vaihinger Tierheims, näher kommt, springt er aufgeregt zum Gatter und wedelt mit seinem Schwanz. Er scheint sich über den Besuch zu freuen.
Dustys Schicksal ist eine klassisches im Tierheim: Er wurde ausgesetzt. An einer Straßenlaterne auf dem Lidl-Parkplatz angebunden wartete er auf Frauchen oder Herrchen – vergebens. Irgendwann wurde die Polizei eingeschaltet. Jetzt ist Dusty, der ungefähr zwei Jahre alt ist, im Tierheim untergebracht.
73 Tiere werden dort gerade beherbergt. Platz ist kaum noch. Die Sommerferien sind ein Grund. Doch eigentlich ist das Heim seit Pfingsten überfüllt. „In der Sommerzeit können wir kaum Tiere vermitteln“, erklärt Kasten. Die Leute würden zwar am Anfang des Jahres immer nach Jungtieren fragen, wenn diese aber im Frühjahr abgegeben werden können, hieße es plötzlich: „Erst nach dem Urlaub.“ Und so bleiben Kasten und ihr Team auf den Tieren sitzen.
Und es werden immer mehr. Zu Beginn der Ferien standen zum Beispiel einfach zwei Kisten vor der Tür. In einer saß ein Kater, in der anderen ein Weibchen mit vier Jungtieren. Junge Kätzchen gibt es im Vaihinger Tierheim gerade genügend. Insgesamt sind es 45 Katzen, die sich die Käfige teilen.
„Wir sind definitiv voll“, ächzt Kasten. Weitere Pflegetiere werden deshalb nicht mehr aufgenommen auch herrenlosen Katzen und Hunde finden nur noch im äußersten Notfall einen Platz. „Das Tierheim ist nämlich nicht – wie viele immer denken – verpflichtet, alle Tiere aufzunehmen. Eigentlich sind wir nur für herrenlose Tiere da“, stellt Kasten klar. Alles andere sei ein Service.
Pflegeplätze bietet das Tierheim sowieso nicht viele an und die sind von den Stammkunden bereits frühzeitig vergriffen. Bleiben also Tierpensionen oder nette Nachbarn, beziehungsweise Freunde, was Kasten sowieso grundsätzlich für die bessere Lösung hält. „Für Tiere, vor allem für Katzen, ist es ein großer Stress, wenn sie aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden und sie plötzlich mit vielen anderen Tieren zusammen untergebracht sind.“
Die vielen Gäste sind das eine Problem, das andere sind die Helfer. Isabell Kasten ist die einzige festangestellte Arbeitskraft im Tierheim und übernimmt vor allem organisatorische Aufgaben. Füttern, putzen, misten und Gassi gehen – das machen Ehrenamtliche, die momentan aber auch in den Ferien sind. „Außerdem haben wir in diesem Bereich eine große Fluktuation“, berichtet Kasten, die dringend neue Helfer sucht.
„Es ist gerade ganz schwierig, auch weil sich immer weniger Menschen ehrenamtlich engagieren“, so Kasten und denkt mit keinem guten Gefühl an die Zukunft. „Finanziell können wir uns keine zweite hauptamtliche Kraft leisten, aber ob wir das Tierheim weiter so betreiben können wir jetzt, ist fraglich“, so Kasten weiter.
Zurück zu Dusty. Er hat sich mittlerweile wieder zurückgezogen. Nur Stelli, der zweite Hund im Käfig, steht noch am Zaun und guckt Isabell Kasten mit seinen großen Teddybäraugen hinterher. Die beiden Hunde müssen im Tierheim warten, bis Interessenten kommen. Im Herbst vielleicht. Da sei die Vermittlungsquote immer am besten – und vielleicht finden dann auch Dusty und Stelli ein neues Zuhause.


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