Selbst das VfB-Fritzle ist zu Gast im Füllmi
Diefenbach (ev) – 40 Jahre Füllmenbacher Hof – dieses Jahr feiert das Zeltlager Geburtstag. Den über 200 Kindern, die diesen Sommer einen Teil ihre Ferien auf dem Füllmi verbringen, ist das egal. Es gibt Wichtigeres: Schwimmen, Tischtennis, Stationsspiele und Völkerball zum Beispiel.
„Wegen Überfüllung geschlossen“ – ein Schild mit dieser Aufschrift könnten die Füllmi-Betreuer an den Eingang des kleinen Schwimmbads hängen. Im Becken tummeln sich Kinder, Schwimmbretter und lange Schaumstoff-Stangen in rot, gelb und blau. Platz zum Schwimmen gibt es nicht, aber den will auch keiner: Hauptsache Abkühlung bei Temperaturen über 30 Grad.
130 Kinder waren in der vergangenen Woche im Ferienlager auf dem Füllmenbacher Hof – eine Woche lang. Heute rückt der zweite Abschnitt an. Noch einmal werden über 100 Kinder sieben Tage im Zeltlager der Sportkreisjugend Ludwigsburg verbringen.
Zurück zum Schwimmbecken. Nun ist das Becken wirklich wegen Überfüllung geschlossen. Während die einen tauchen, paddeln und kreischen, müssen die anderen am Eingang warten, bis sie an der Reihe sind. Manchen ist der Aufwand zu groß, anderen die Temperaturen noch nicht warm genug. „Das Wasser ist zu kalt“, meint zum Beispiel die elfjährige Lea aus Enzweihingen. Sie und ein paar Freunde haben sich an der Tischtennisplatte versammelt und spielen „Mäxle“.
Florian, Bernd, Cedrik und die anderen Jungs aus dem Zelt „Star Wars“ haben Badehose und Tischtennisschläger gegen einen Besen eingetauscht und bringen ihr Zelt auf Vordermann. Liegen die Matratzen auch in einer Reihe? Ist irgendwo unter der Zeltplane Papier, ist der Mülleimer geleert, Schuhe und Klamotten aufgeräumt, beziehungsweise ordentlich in den Taschen verstaut? Jede Mutter würde bei so viel Ordnungsliebe wahrscheinlich vor Freude jauchzen. Allerdings geben die Jungs zu, dass sie nicht ganz freiwillig putzen. „Bei uns sieht sonst so aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen“, gibt Bernd freimütig zu. Normalerweise gab’s bisher immer so acht von zehn möglichen Ordnungspunkten, die jeden Tag von der Lagerleitung verteilt werden, doch an einem Tag gab’s gar nur zwei – da herrschte Chaos pur. „Jetzt haben wir unserem Betreuer versprochen, wenigstens einmal auf zehn Punkte kommen zu wollen“, erklären die Jungs. „Und wenn wir das schaffen, bekommen wir ein Eis.“
Es ist die Zeit zwischen Stationsspiel und Mittagessen – auch wenn es in dieser Stunde kein straffes Programm gibt, haben alle Kinder zu tun. Die 13 Zelte, die den Platz begrenzen, sind fast alle leer.
In der Küche ist Christel Schaller, die Organisatorin der Freizeiten mit ihrem Team dabei, das Essen vorzubereiten. Suppe und Nachtisch gibt es jeden Tag. Als Hauptgang standen bisher unter anderem Spaghetti, geröstete Maultaschen, Spätzle und Schnitzel auf dem Speiseplan. Mittlerweile wird das Essen im großen Essenszelt am Eingang als Büfett serviert.
Von dem ganzen Aufwand, den Schaller und ihre 28-köpfiges Team betreiben, bekommen die Kinder recht wenig mit, auch Vaihingens Oberbürgermeister Gerd Maisch, der am Donnerstag zum ersten Mal den Füllmi besuchte und sich alles genau zeigen ließ, schenkten sie wenig Beachtung. Anders war das als am Donnerstagmittag Peter Reichert, Fan-Beauftragter des VfB Stuttgart, mit dem VfB-Maskottchen Fritzle anrückte. Seine Tochter feierte ihren zehnten Geburtstag auf dem Hof und der Papa war die Überraschung – nicht nur für sie.
Und was ist sonst noch so im Zeltlager geboten? Ein olympisches Spiel zum Beispiel oder eine Wanderung nach Sternenfels auf die Burg. „Auch eine Nachtwanderung hat es gegeben“, erzählt die elfjährige Rebecca aus Roßwag. „Als alle anderen in ihre Schlafsäcke zum Schlafen mussten, sind wir in den Wald. Dort haben wir sogar Frösche gesehen“, erzählt sie begeistert. Jeden Abend absolviert eine andere Gruppe nach dem Lagerfeuer die etwas andere Wanderung.
„In diesem Jahr gab es erstmals auch einen Gottesdienst mit Pfarrer Oliver Langer aus Roßwag. Mit seiner Predigt hat er die Kinder begeistert“, berichtet Jörg Mannhardt von der Lagerleitung. Besondere Highlights während der Freizeit waren zudem ein Sing- und ein Modelwettbewerb, mit Vorentscheid und Finale.
Und was war im Jubiläumsjahr am besten? „Eigentlich ist hier alles schön“, sagt der siebenjährige Lukas aus dem Schwarzwald. Das habe er auch seiner besten Freundin und dem Kindergarten geschrieben und zieht einen Zettel hervor, auf dem er die Adressen fein säuberlich notiert hat. Ob er wohl Heimweh hat? Kurz überlegt er, dann guckt er als hätte man ihm ein Heuschreckenmenü versprochen, setzt aber schnell ein breites Zahnlückengrinsen auf und sagt: „Heimweh? Nein, so etwas hab ich nicht.“
