Sachsenheim (sr). Als umweltschonende Jeans galten bisher vorrangig Beinkleider aus Bio-Baumwolle. Ein Gemeinschaftsprojekt setzt nun zwar auf konventionelle produzierte Fasern, dafür aber auf ein neues, ökologisches Veredlungsverfahren. Konrad Buck bietet die Einzelstücke in Sachsenheim an.
Der Chef schlüpft selbst gerne in die Öko-Jeans mit Pep. „Super zum Tragen“, lautet sein Urteil über das Teil, das durch eine Nummer als Unikat ausgezeichnet ist. Konrad Buck, Inhaber von „Buck – House of Jeans“ in Sachsenheim, ist der erste Händler, der die Neuigkeit auf dem deutschen Bekleidungsmarkt anbietet.
Begonnen hatte die Geschichte mit den kreativ gestalteten Jeans im Sommer 2010 mit einer E-Mail aus Vietnam. Die geht bei Buck aber zunächst unter: „Wir bekommen öfter mal Anfragen aus China oder Bangladesch.“ Erst als Hans-Jörg Hamann aus dem fernen Land sich telefonisch meldet, erwacht bei Buck die Neugier.
Hamann gibt sich als alter Hase in Sachen Textilien zu erkennen. Seit Jahrzehnten habe er sich mit umweltschonenden Färbe- und Veredlungsverfahren für Jeans befasst. Im Jahr 1993 schreibt die Zeitschrift „Textilwirtschaft “ schon davon, dass Hans-Jörg Hamann auf einer von ihm entwickelten Färbe- und Ausrüstungsanlage umweltschonend Stoffe, unter anderem für Britta Steilmanns Öko-Kollektion, produziert.
Hamann bietet dem Sachsenheimer im vergangenen Jahr eine Jeans an, die „total ohne Abwasserverschmutzung, ohne chemische Hilfsmittel, dafür ausschließlich mit essbaren Hilfsmitteln und nur noch mit ganz wenig Energie“ gestaltet und gefärbt wird. Buck ist interessiert. Denn zum einen weiß er, dass ein Teil seiner Kunden ein Auge auf umweltschonende Produktion wirft. Zum anderen ist der 46-Jährige neuen Dingen aufgeschlossen. Vor 50 Jahren hatten die Eltern mit „Textil Buck“ den Laden gegründet. 1991 hat der Junior das Geschäft übernommen und ist 2001 in den Verkauf übers Internet eingestiegen.
Erfinder der Hose, die allen Widrigkeiten trotzt, ist Levi Strauss. Der gebürtige Franke lässt im 19. Jahrhundert in seiner neuen Heimat Amerika den Goldgräbern strapazierfähige Arbeitskleidung angedeihen. Inzwischen hat sich die Jeans zur wahrscheinlich beliebtesten Hose der Welt gemausert. Doch es gibt auch Schattenseiten im Licht des Erfolgs. „Blue Jeans - eine Katastrophe für Chinas Umwelt“, titelt beispielsweise das Internet-Magazin von Greenpeace. „Beim Färben, Bleichen, Waschen und Bedrucken von Textilien werden Unmengen gesundheitsschädigender Chemikalien eingesetzt“, mahnen die Naturschützer. In Verruf kam auch das Sandstrahlen der Hosen, durch das die Kleidung einen gebrauchten Eindruck verpasst bekommt. Viele der Arbeiter entwickelten eine Lungenkrankheit namens Silikose.
Hans-Jörg Hamann dagegen behandelt seine Textilien „ausschließlich mit essbaren Bio-Hilfsmitteln“. Vielleicht hat er sie sogar zum Fressen gern. Zu Jeans aus Bio-Baumwolle sagt Hamann, auch diese könnten „nach der Veredlung bis zu 15 Prozent Gewichtsanteile Chemikalien aufweisen.“ Außerdem sei beispielsweise der Wasserverbrauch ebenfalls immens. Sein Verfahren funktioniere dagegen zu 100 Prozent abwasserfrei. 80 Prozent Kohlendioxid-Ausstoß können vermieden werden, sagt der Mann aus Vietnam. „Unser Öko-Projekt beweist, dass es vom Rohgewebe bis zur fertigen Designer-Jeans total ohne Abwasser geht“, schreiben die Projekt-Partner.
Peter Parwan, Betreiber des deutschen Internet-Portals Lohas, ist bei den Designer-Jeans mit ökologischer Färbung mit im Boot. Lohas stehe für eine weltweite, soziale Bewegung, die sich gesundem Lebensstil und nachhaltigem Wirtschaften verpflichtet fühlt, sagt Parwan. Er sieht diese Komponenten, wie auch die ethisch sozialen Aspekte, bei den Hamann’schen Textilien aus Vietnam erfüllt.
Eines haben Buck und Parwan bis jetzt gemeinsam: Beide haben Tüftler Hamann noch nicht persönlich kennengelernt. Das soll sich ändern. Denn zur Beweisführung will Hamann im Herbst anreisen und auf einer Messe unter notarieller Aufsicht sein Verfahren unter Beweis stellen. Auch aus Vietnam sollen bald Fernsehberichte die Produktion beleuchten. Noch stehe man am Anfang, doch es soll Großes entstehen, sagt Parwan.
Buck hat mittlerweile seine dritte Lieferung à 150 Kleidungsstücke erhalten. Der Verkauf laufe an, sagt der Sachsenheimer. Ein älterer Herr hätte sich schon nach einer klassischen Variante der Jeans erkundigt. Dem gehe man nach, sagt Buck, denn das Design werde schließlich auch auf der Straße gemacht. Inzwischen habe schon ein „richtig großes deutsches Textilunternehme“ Interesse an der Produktion bekundet.
160 bis 200 Euro kostet die Jeans für den Kunden, jede ein nummeriertes Einzelstück. Konrad Buck hat zwar von Klein auf eine gewisse Zuneigung zur Öko-Bewegung. „Bei uns zu Hause wurde vegetarisch gegessen und die Eltern kauften schon früh im Reformhaus ein.“ Aber Öko-Kleidung? „Die muss Stil haben“, sagt Buck – und sieht in seiner Jeans ganz glücklich aus.

