Vaihingen (aa). Die Ziele klingen ganz einfach: „Die Marke Vaihingen an der Enz stärken und profilieren und die Attraktivität der Stadt fördern.“ Wie soll das gehen? Im Vaihinger Gemeinderat ist am Mittwoch die Konzeption eines integrierten Stadtmarketings vorgestellt worden. Seit Monaten wird in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in einem Lenkungsteam gebrütet. Es sind Stärken und Schwächen des Standortes (auch beim Wohnen und bei der Wirtschaft) herausgearbeitet und analysiert, zentrale Handlungsfelder definiert worden. Dr. Stefan Leuninger von der GMA sprach von „ersten Leitplanken“, die man diskutieren müsse und warnte gleich: „Es wird was kosten.“ 17 Einzelmaßnahmen, die auf drei Jahre gestreckt werden können, sind erarbeitet worden (siehe Info). Innenstadt als urbaner Treff für Gäste Stoßrichtung in einem ersten Schritt soll das Thema Tourismus und Kultur sein, denn das wird als absolutes Chancenthema eingestuft (Erhöhung der Übernachtungs- und Besucherzahlen). Die Innenstadt müsse zu einem urbanen Treff für Gäste werden. Dazu müsse der Gemeinderat den Maßstab vorgeben, denn es könne nicht sein, dass man dieses Feld an eine Werbegemeinschaft delegiere, wird gesagt. Politik und Verwaltungsspitze müssten den Prozess aktiv begleiten. Der GMA-Experte: „Stadtmarketing ist Chefsache.“ Eine Tourist- und Kulturinformation (TKI) an zentraler Stelle, am besten am Marktplatz, mit Öffnungszeiten auch am Wochenende, hält Leuninger als Impulsprojekt dringend für erforderlich, „denn Vaihingen verfügt hier über besondere Entwicklungspotenziale“. Speziell aus dem Bereich Tourismus/Kultur könne man Honig saugen, Wertschöpfung generieren. Doch dringend aufgewertet werden müsse die Innenstadt, ist die nüchterne Einschätzung von außen. Der Einzelhandel sei im Moment noch nicht so aufgestellt, wie es für eine Stadt dieser Größe wichtig wäre. „Gas geben! Angebote und Vielfalt entwickeln, eine Service-Offensive starten“, ist die Aufforderung des GMA-Mannes. Es gebe Qualitätsdefizite bei der Warenpräsentation und bei den Öffnungszeiten, ein geringes Angebot im höherwertigen Segment. Die Aufenthaltsqualität müsse verbessert werden. Leuninger am Mittwochabend vor dem Vaihinger Gemeinderat: „Die Innenstadt ist im Moment noch nicht das Aushängeschild; es ist kein Flair zu erkennen.“ Die Flusslage müsse erlebbar gestaltet und mit der Innenstadt vernetzt werden, ist ein wichtiger Punkt. Die historischen Keller könnten besser genutzt werden, die standardisierte Werbung zum Beispiel an den Stadteingängen sei absolut verbesserungswürdig. Und den Leuten müsse der Zahn gezogen werden, „dass es in Vaihingen keine Parkplätze gibt“. Stefan Leuninger: „Es gibt genug.“ Vaihingen sei eine Stadt der kurzen Wege. Nächster Schritt soll die Überführung des Stadtmarketing-Teams in eine Steuerungsgruppe sein, in der auch die Gemeinderatsfraktionen vertreten sind. Die Koordination soll nach den Vorstellungen der GMA durch die Stabsstelle Wirtschaft, Kultur, Tourismus (WKT) erfolgen, denn einfach so nebenbei gehe das Ganze nicht, wenn man in der Metropolregion Stuttgart mitspielen wolle (Leuninger). In einer zweiten Phase wäre ein übergeordneter Dachverein denkbar. Nach den Vorstellungen von Leuninger könnten noch vor der Sommerpause in der Sitzung am 28. Juli Entscheidungen getroffen werden. Stadträte zeigten sich angetan „Wir wollen Ihnen heute keinen Beschluss abverlangen. Aber nur wenn wir bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen, hat das Konzept Erfolg“, meinte Oberbürgermeister Gerd Maisch, „wir wollen heute jedoch Signale, ob wir auf dem richtigen Weg sind.“ Diese Signale kamen dann auch. Werner Rohloff (SPD, Ensingen) war zwar wegen des engen Zeitplanes etwas skeptisch, doch andere Stadträte zeigten sich begeistert, zum Beispiel Susanne Schneider (CDU, Vaihingen) oder Dr. Heike Tapken-Brust (Grüne, Enzweihingen). Die Grünen-Stadträtin: „Wenn das Konzept greift, gibt es auch einen Rückfluss.“ Sie sah es nach dem Motto „Tu was, dann tut sich was.“ Man müsse ein, zwei Punkte kanalisieren, meinte Friedrich Wahl (FPD, Vaihingen) und 2011 einen Betrag im Etat aufnehmen. Erich Hangstörfer (CDU, Gündelbach) wollte wissen, ob das Konzept nur auf die Kernstadt fokussiert sei. Im Prinzip ja, aber man sei völlig offen, etwas aus den Orten einzuspielen. „Wir müssen bereit sein, Einzelteile umzusetzen“, war die Mahnung von Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach), denn man brauche kein weiteres Schubladenkonzept. „Mit den seitherigen Konzepten können wir das Rathaus tapezieren.“ Impulsprogramm Stadtmarketing Vaihingen Sofortprogramm 2010/2011 Aufbau Stadtmarketingverein Perspektive Vaihingen an der Enz e.V. Aufbau Tourismus- und Kulturinfo am Marktplatz (Konzepterstellung, Standortwahl) Qualitative Aufwertung des Marktwesens Flächen- und Angebotsmanagement im Innenstadtbereich Wirtschafts-Forum Vaihingen Abgestimmte Veranstaltungsplanung und -umsetzung; Weiterentwicklung Verwaltungsseitige Integration von Kultur, Tourismus, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung (Personalsuche/-auswahl) Kostenansatz: 5000 Euro Erste Priorität 2011/2012 Konzeption und Umsetzung eines einheitlichen Beschilderungssystems Entwicklung des städtebaulichen Filetbereichs Enzufer/Innenstadt Weinprinzessin Vaihingen Konzeption und Umsetzung einer Image- und PR-Kampagne „Vaihingen – Perspektive am Fluss“ mit Wohnortmarketing „Junge Familien in Vaihingen“ Gezielte Ansiedlung von Kunst & Kulturbetrieben Kostenansatz: 106000 bis 122000 Euro (davon 40000 bis 45000 Euro Personalkosten) Perspektivprogramm 2012/2013 Erarbeitung Gestaltungshandbuch Altstadt – Leitfaden für Immobilieneigentümer und Geschäftsinhaber Qualitätsinitiative (Service) Entwicklung eigener touristischer Angebote und verstärkte Vermarktung von stadt-/regionaltypischen Produkten Kostenansatz: 60000 bis 62000 Euro (davon 40000 bis 45000 Euro Personalkosten)
