Vaihingen (rkü). Der Grüne Pfeil als zusätzliches Verkehrszeichen an Ampeln stellt Autofahrer immer wieder vor Herausforderungen. In Vaihingen soll der Grüne Pfeil jetzt endgültig aus dem Stadtbild verschwinden. Bürgermeister Wilfried Nestle nennt Sicherheits- und Umweltaspekte als Begründung.
Die Abschaffung des Grünen Pfeils, der ohnehin nur noch an der Einmündung der Steinbeisstraße in die Franckstraße hing, war längst beschlossene Sache. Doch weil das Verkehrszeichen bislang nicht abmontiert wurde, kam die Frage auf, ob die Entscheidung vielleicht revidiert oder zumindest auf Eis gelegt worden sei. Nestle und der Leiter des Vaihinger Ordnungs- und Sozialamts, Gerhard Bahmer, verneinen dies.
„Im Grunde ist der Grüne Pfeil keine schlechte Sache“, sagt Nestle. „Aber an der Einmündung der Steinbeis- in die Franckstraße haben wir mehrere Probleme festgestellt.“ Zum einen werden Fußgänger beim Überqueren der Steinbeisstraße gefährdet, wenn ihre Ampel Grün zeigt, Rechtsabbieger aber relativ forsch bis zur Sichtlinie vorfahren. Außerdem wird immer wieder der Verkehrsfluss auf der Franckstraße gebremst. „Verkehrspolitisches Ziel ist, die Ortsdurchfahrt flüssig zu gestalten“, unterstreicht Nestle. „Und was das angeht, hat die Franckstraße eindeutig Vorrang vor der Steinbeisstraße.“ Die grüne Welle, die Autofahrer stadteinwärts genießen können, wird unterbrochen, wenn sich immer wieder zusätzliche Autos aus der Steinbeisstraße einfädeln. Dies wiederum hat zwei Ursachen: Die Behinderung durch Autofahrer, die „noch schnell“ rausfahren, obwohl der Querverkehr schon fast da ist. Außerdem sorgt allein schon das zusätzliche Verkehrsaufkommen dafür, dass sich vor der nächsten Ampel an der Tankstelle ein kleiner Stau bildet, ehe die Ampel auf Grün umschaltet – was wiederum die Kolonne stocken lässt, die stadteinwärts rollt und eigentlich eine grüne Welle hätte.
Als weniger bedeutsam, aber doch nicht von der Hand zu weisen, bewertet Nestle ein drittes Argument: Manche Verkehrsteilnehmer haben es sich angewöhnt, den Weg vom Vaihinger Bahnhof in die Innenstadt durchs Industrie- und Wohngebiet zu nehmen, um mehrere Ampelkreuzungen auszusparen. „Da hat sich eine gewisse Schleichfunktion ergeben“, sagt der Bürgermeister. „Das ist sicher nicht im Sinn der Anwohner.“
Der Grüne Pfeil ist ein Relikt aus der DDR, wo er weit verbreitet war. Seit dem Jahr 1994 ist er im gesamten Bundesgebiet zulässig und hat sich mehr und mehr durchgesetzt. Allerdings ist das Verkehrszeichen, das direkt neben dem Rotlicht von Ampeln angebracht wird, nicht ganz unumstritten. Die Verkehrsbehörden müssen genau abwägen, ob die Installation eines Grünen Pfeils an einer Kreuzung den Verkehrsfluss entscheidend verbessert oder ob der Verkehr (einschließlich querender Fußgänger) zu sehr gefährdet wird.
Für Unsicherheiten bei Autofahrern sorgt der Grüne Pfeil sehr oft, gerade weil sie nur an sehr wenigen Kreuzungen mit diesem Verkehrszeichen konfrontiert werden. Trotz aller Schwierigkeiten kann der Grüne Pfeil für eine kräftige Entlastung sorgen und den Stau vor der Kreuzung deutlich verkürzen. Effektiv ist er nur, wenn es eine eigene Rechtsabbiegerspur gibt. Andernfalls kann es passieren, dass Rechtsabbieger eigentlich fahren dürften, aber hinter einem Auto stehen, das geradeaus fahren will und darum stehen bleiben muss.
Der Leiter des Verkehrsamts in Mühlacker, Ulrich Saur, unterstreicht die Bedeutung von Kontrollen an Ampeln mit Grünem Pfeil. Die Polizei hat allein an der Kreuzung Ötisheimer Straße/Pforzheimer Straße (B10) 28 Verkehrsverstöße festgestellt. Die Abschaffung des Grünen Pfeils kommt in Mühlacker aber für die Verwaltung nicht in Frage. In Pforzheim haben die Verkehrsplaner vor Jahren mit einer pfiffigen Aktion auf das richtige Verhalten an Kreuzungen mit Grünem Pfeil hingewiesen. An den jeweiligen Ampeln, aber auch an den Stadteingängen, gab es Hinweisschilder mit dem einprägsamen Slogan „stoppe – gugge – fahre“. Damit war alles gesagt. Denn wer die besonderen Regelungen für den Grünen Pfeil nicht beachtet hat, ist einfach bei Rot über die Kreuzung gefahren – das wird teuer: Drei Punkte und ein saftiges Bußgeld können fällig werden.
