Donnerstag, 17. Mai 2012

Rittersaal saniert






Ehrengäste im Rittersaal von Schloss Kaltenstein. Foto: Arning
Ehrengäste im Rittersaal des Kaltensteins. Foto: Arning

Vaihingen (aa). Ernst Schreibbauer hatte die Idee, die ihn nicht mehr losließ. „Mit seinem Engagement und seinem Lästig-sein hat er uns alle überzeugt“, lobte Jugenddorfleiter Klaus-Dieter Drensek den Schreinermeister, der 32 Jahre lang in den Diensten des Christlichen Jugenddorfwerkes (CJD) stand und inzwischen als Rentner wieder in seiner Heimat in Strass (Österreich) wohnt. Nachdem Schreibbauer letztlich alle Bedenkenträger davon überzeugt hatte, dass der bei der letzten Renovierung vor fast 40 Jahren „vermurkste“ Rittersaal – so seine Beurteilung – dringend richtig saniert werden müsste, konnte der Schreiner seine Ideen umsetzen. Die Holzvertäfelung an den Wänden hatte man einst durch Rauputz ersetzt, die Stuckdecke war unter einer Isolierung verschwunden, die braunen Deckenbalken und Neonlampen waren vielleicht praktisch, trugen aber ebenfalls nicht zur Verschönerung bei. In Abstimmung zwischen dem CJD, der Abteilung Denkmalpflege beim Regierungspräsidium, dem Amt Ludwigsburg des Landesbetriebes Vermögen und Bau Baden-Württemberg und der Stadt Vaihingen als Unterer Denkmalschutzbehörde wurde ein Konzept zur Umgestaltung des 10 x 19 Meter großen Raumes entwickelt und Schritt für Schritt realisiert. Schreibbauers Nachfolger als Tischlereileiter, Michael Friedrich, setzte die Pläne um. Bei der Finanzierung war es ein Vorteil, dass der große Teil der Arbeiten als Eigenleistung durch Auszubildende des Jugenddorfs ausgeführt werden konnte. Insgesamt stellte das Land, das ja Besitzer der Schlossanlage ist, 60000 Euro zur Verfügung. Maler, Elektriker und Tischler arbeiten über ein Jahr. Als letzten Schliff bauten die Schreiner noch einen Rittertisch mit zwölf mächtigen Stühlen aus Douglasienholz. Die Stühle sind mit Wappen versehen – von Eberdingen bis Europa. Klaus-Dieter Drensek stellte da einen Bezug zu den zwölf Aposteln her, doch Schreinermeister Schreibbauer (66) dachte wohl eher an die Tafelrunde der Ritter von Avalon. Das Lob des obersten CJD-Sprechers Hartmut Hühnerbein nahm der ehemalige CJD-Ausbilder gelassen hin. Den treibt auch im Ruhestand eine Idee um: Das Eingangstor der Schlossanlage an der Seite zur Stadt hin müsste aus seiner Sicht gerichtet werden. Da warb er gleich mal um Unterstützung bei den Gästen im Rittersaal. Rittersaal-Restaurierung als Erlebnis Vaihingen (aa). Für viele Besucher war er schlicht eine Enttäuschung, der Rittersaal auf dem Vaihinger Kaltenstein. Durch das Engagement eines Ausbilders ist der „Blutsaal“, wie er auch genannt wird, zu einem echten Schmuckstück geworden. Die Ehrengäste der Einweihungsfeier finden sich an einem besonderen Platz wieder. Im Rittersaal steht jetzt ein mächtiger Tisch mit zwölf massiven Stühlen. Hier sollte eigentlich auch die baden-württembergische Sozialministerin Dr. Monika Stolz sitzen, doch die war von Ministerpräsident Mappus nach Berlin abberufen worden. Vertreter ist Thomas Halder, Amtschef im Ministerium, der den Kaltenstein bisher nur von der Vorbeifahrt auf der Bundesstraße 10 kennt. Da lässt es sich Jugenddorfleiter Klaus-Dieter Drensek natürlich nicht nehmen, das Angebot auf und rund um den Kaltenstein vorzustellen. Selbst bei den Friseuren schaut man vorbei. Das CJD sei eine Werbung für Vaihingen, findet der Ministerialdirektor anerkennend. Die Einrichtung setze mit gezielten Lernhilfen dort an, wo es ganz konkret Nachholbedarf gebe: „Wer jungen Menschen eine Ausbildung bietet, investiert in die Zukunft. Die Zukunftsfähigkeit unseres Landes hängt davon ab, wie wir die Begabungen und Fähigkeiten unserer Jugend nutzen und letztlich auch daran, wie effizient wir das tun. In unserer Gesellschaft brauchen wir nicht nur Forscher von Weltrang, sondern auch Facharbeiter und Helfer. Das CJD Schloss Kaltenstein in Vaihingen macht die Menschen fit für die aktuellen und nicht immer ganz einfachen Anforderungen des Arbeitsmarktes.“ Auf die beim CJD erworbenen Fähigkeiten hätten die Auszubildenden bereits bei der Renovierung des Rittersaals zurückgreifen können. Halder: „Die Restaurierungsarbeiten werden den Auszubildenden sicherlich ein unvergessliches Erlebnis bleiben.“ Es sei auch schön, wenn das Ergebnis des eigenen Tuns in einer solchen Weise sichtbar werde, das könne nicht jeder von seinem Schaffen behaupten. Jugenddorfleiter Drensek erinnert natürlich an die Entstehungsgeschichte des Vaihinger Jugenddorfs; wie Pastor Arnold Dannenmann einst junge Leute am Bahnhof in Stuttgart eingesammelt hat und mit ihren nach Vaihingen gelaufen ist: „Wir haben dort ein Schloss.“ Der Rittersaal sei bis 1981 (Einweihung der Neubauten) der Mittelpunkt des Jugenddorfs gewesen. Unter der Leitung von Werner Pöthe habe es zum Beispiel jeden Samstagmorgen Gesamtunterricht für alle gegeben. Drensek hatte das selbst noch mitgemacht: „Es wurden immer die gleichen Lieder am Anfang und am Schluss gesungen.“ Gesungen wird am Montagabend im Rittersaal nicht. Doch ganz ohne Musik geht es natürlich nicht. Schüler der CJD Jugendmusikschule geben der Feier einen ansprechenden Rahmen. Und im Anschluss gibt es ein mittelalterliches Menü. Im Jugenddorf kann man sich auf alles einstellen. Die Angebotspalette im Vaihinger Jugenddorf umfasst berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, eine staatlich anerkannte Sonderberufsschule, Qualifizierungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, sozialpädagogische Begleitung oder Maßnahmen der Jugendhilfe. Es wird derzeit in 24 Berufen ausgebildet. Rund 300 Ausbildungsplätze stehen zur Verfügung.


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