Ensingen (sr) – Ein komischer Kauz ist der Steinkauz nur bedingt. Denn die Bestände der kleinen Eulenart schrumpfen, wenn keine geeigneten Hilfsprojekte starten. In Landkreis Ludwigsburg steigt die Eulenzahl seit geraumer Zeit. Eine prima Grundlage für ein internationales Forschungsprojekt.
Gerade mal so groß wie ein Amselweibchen ist der Vogel, der aktuell im Mittelpunkt eines internationalen Forschungsprojekts steht. Der Steinkauz sorgt in der Welt der Vogelexperten für zwiespältige Gefühle. Die Bestandsentwicklung der kleinen Eule im Landkreis Ludwigsburg gilt als überaus erfreulich. Soweit die gute Nachricht. Das ist bei Weitem nicht überall so. Beispielsweise sind die Bestände der Steinkäuze in der Schweiz kritisch klein.
Nun soll ein internationales Forschungsteam mehr Licht in die Lebensweise des kleinen Jägers bringen. Die Forschungsgemeinschaft zur Erhaltung einheimischer Eulen e.V. (Foge), die Vogelwarte Radolfzell vom Max-Planck-Institut für Ornithologie und die Schweizerische Vogelwarte ziehen für den Schutz des kompakten Vögelchens an einem Strang. Das Forschungsprojekt mit dem Arbeitstitel „Wohin des Weges? Überlebensrate, Raumnutzung und Wanderungen von Steinkäuzen“ wurde gestern bei Ensinger Mineral-Heilquellen in Ensingen vorgestellt.
Provokativ könnte man fragen, weshalb der Verlust dieser Tierart schmerzen würde. Ein Totschlagargument aller, denen Naturschutz überflüssig erscheint. Durchaus philosophisch angehaucht ist die Antwort von Dr. Beat Naef-Daenzer von der Schweizerischen Vogelwarte: „Der Steinkauz ist der Schöpfung vom lieben Gott mitgegeben worden.“ Insofern habe er, wie alle Geschöpfe, seine Lebensberechtigung, wofür der Mensch eine große Verantwortung trage.
Natürlich ist der kleine Kauz für die Biologen auch ein Gradmesser für den Zustand einer Landschaft. Er ist ein typischer Vogel der Streuobstwiesen, das Flaggschiff für die vielfältige Flora und Fauna extensiv bewirtschafteter Grundstücke. „Und außerdem“, stellt der Wissenschaftler mit Herzblut fest, „ist er ein außerordentlich sympathischer Vogel.“
Aus heutiger Sicht bestimmt. Zwischen ulkig und streng schwankt der Blick der Eule. Verhaltensweisen wie ein tiefes Knicksen und heftiges Kopfnicken lassen sie wie einen Kobold erscheinen. Früher galt sie dagegen vielerorts als Todesbote.
Die erfreuliche Bestandsentwicklung im Landkreis Ludwigsburg von wenigen Brutpaaren in den 90er Jahren auf über 200 Brutpaare die aktuell gezählt wurden, ist vor allem der Tätigkeit der Foge zu verdanken.
Foge-Projektleiter Herbert Keil aus Oberriexingen und seine Mitstreiter haben dem Brutgeschäft der Tierart mit über 700 Steinkauzröhren nachgeholfen. Für die Anbringung der Nisthilfen sei „viel Überredungskunst, Aufklärungsarbeit und Einfühlungsvermögen gegenüber den Eigentümern von Obstbäumen und Gebäuden nötig gewesen“, sagt Herbert Keil. Die Jungtiere werden von ausgebildeten Helfern beringt.
Während auf der einen Seite eine Menge über das Leben der Steinkäuze bekannt ist, birgt die kleine Eule doch noch Überraschungen für die Vogelkundler. So wurde durch Ergebnisse der Pilotforschung vom letzten Jahr deutlich, dass die gefährliche Zeit für Jungkäuze nicht die während der Abwanderung in neue Gefilde, sondern die unmittelbar nach dem Verlassen des Nests ist. Mit modernster Technik der Radio-Telemetrie haben die Wissenschaftler nun die Chance, bisher Geheimes aus dem Leben der Steinkäuze zu erfahren.
Ein nur sieben Gramm schwerer Sender wird hierfür an den Jungvögeln befestigt. Ortungen und Verhaltensbeobachtungen erfolgen dann durch ein Team von Biologen. Diese wiederum fallen vermutlich mehr auf als ihre Forschungsobjekte, da sie durch tragbare Antennen und entsprechenden Aufbauten an Fahrzeugen ins Auge stechen. Auch zwei stationäre Empfangsantennen auf Masten sind für das Forschungsprojekt vorgesehen. Besonders im Mai/Juni und zur Abwanderungszeit im Herbst werden die Wissenschaftler unterwegs sein und die Tiere orten.
Wo ziehen die Jungvögel hin, was sind Todesursachen bei jungen Käuzen, wie funktionieren die Nahrungsnetze?, sind dabei nur einige der zu klärenden Fragen. Ohne die Unterstützung der Gemeindeverwaltungen und des Landratsamts sei die Sache nicht zu stemmen, lobt der Schweizer Forscher.
Durch die Untersuchungen sollen fehlende Grundlagen für den Schutz und die Förderung des Steinkauzes in der Schweiz erarbeitet werden. Hierzu biete die große und wachsende Population im Ludwigsburger Raum ideale Voraussetzungen.
In diesem Jahr besteht für Herbert Keil von der Foge schon mal Grund zur Freude. Viele der Nisthilfen seien belegt, darunter in Nussdorf, Aurich, Vaihingen und Roßwag. Außerdem habe er überraschend große Gelege ausgemacht und die Maikäfer, Kraftfutter für die Jungvögel, fliegen ebenfalls.
Viel schöne Arbeit, die auf die Ehrenamtlichen und Wissenschaftler wartet.
