Donnerstag, 17. Mai 2012

Lange Kulturnacht




Sibylle Krause-Burger erzählte von ihrer Kindheit im Vereinsraum des Nussdorfer Rathauses. Foto: Bögel
Sibylle Krause-Burger erzählte von ihrer Kindheit im Vereinsraum des Nussdorfer Rathauses. Foto: Bögel

Eberdingen (ub). Brasilianische Live-Musik in der Galerie, die Lesung im Rathaus, Kunst im Waschhäusle, Trommelwirbel in der Gemeindehalle, Guggenmusik auf der Gasse, Kunsthandwerk im Museum, Zauberschau und Choräle – 50 Veranstaltungen gab es bei der Langen Kulturnacht am Samstag in Eberdingen.
 Während vor der Nussdorfer Gemeindehalle die Helfer des TSV noch auf die ersten Gäste warteten, gab es im Erdgeschoss des Rathauses keinen freien Platz mehr. Sibylle Krause-Burger erzählte hier aus ihrer Jugendzeit in Nussdorf und las aus ihrem Buch „Herr Wolle lässt noch einmal grüßen“. In einer unglaublichen Vielfalt bot der Kulturverein Eberdingen-Hochdorf-Nussdorf am Samstagabend ein Netzwerk an Veranstaltungen – da konnten sich die Besucher nur bestimmte Termine herauspicken.
Und ein besonderer Service wurde auch geboten: Busse pendelten im Halbstundentakt zwischen den Veranstaltungen. Mit dem einmaligen Eintrittsgeld von zehn Euro konnten alle Angebote genutzt werden. Auf dem Weg zum Hochdorfer Kunsthof mussten die Veranstalter noch eine sicherheitstechnische Hürde überspringen: Der Fußweg wurde mit Absperrungen und einer Ampel besonders gesichert. „Durch diese Auflagen wurde die Veranstaltung in Hochdorf fast gekippt. Es wird Zeit, dass das Land endlich die Mittel für den Ausbau der Straße freigibt. Solange bleibt die Hemminger Straße ein Politikum“, zog Wolfgang Bossert, Vorsitzender des Kulturvereins und Gemeinderat, ein Fazit.
„Wir hatten eine tolle Resonanz auf unser Angebot“, sagte in einem Resümee Brigitte Osburg vom Kulturverein. Zu 90 Prozent seien die Veranstaltungen hervorragend vom Publikum angenommen worden. „Bei den anderen zehn Prozent tut es mir leid, weil es vor allem auch Kinder und Jugendliche traf.“
„Man hatte die einzigartige Chance, die ganze Bandbreite der Eberdinger Kulturszene zu erleben“, freute sich auch Bürgermeister Peter Schäfer, Schirmherr der Veranstaltung. Durch den Kulturverein sei hier etwas Großartiges entstanden. Schäfer bezeichnete das Programm als „gigantisch“, ein „Potpourri der Kultur“ mit einer „wahnsinnigen Vielfalt“.
Das Keltenmuseum in Hochdorf, der Kunsthof oder das Kunstwerk in Nussdorf sind für Kulturliebhaber feste Adressen. Bei der Kulturnacht kamen aber auch Besucher, die sonst nicht den Weg in eine Galerie gefunden hätten. Stark engagiert bei der Kulturnacht waren die Kirchen, die verschiedene Veranstaltungen in ihren Räumlichkeiten boten. Bossert: „Die Kirchen decken die Hälfte des kulturellen Lebens ab. Deshalb sind sie auch schnell auf den Zug aufgesprungen."
Knapp vier Monate lang bereitete der Kulturverein die Premierenveranstaltung in der Dreiergemeinde vor. Während der Schraubenfabrikant Reinhold Würth sagte, dass er die Kultur auf das Land hole, sagten sich die Macher des Kulturvereins, dass die Kultur bereits auf dem Land ist. Und das bewies die Kulturnacht eindrucksvoll.
Im Kunstwerk in Nussdorf zeigten Alison und Peter Klein – ihre Stiftung unterstützte auch die Kulturnacht – Gegenwartskunst, im evangelischen Gemeindehaus waren Balalaikas zu hören, im Ratsstüble war der Mundartpoet Hans Fleischle zu Gast, ein Saxophonist hatte seinen Auftritt im Gasthaus Quelle, Karlheinz Gabor las im Gewölbekeller des Rathauses Eberdingen, Martina Truckses zeigte ihre „Augenblicke“ im Waschhäusle, Mister Magic zauberte in der Eberdinger Festhalle, in der Hochdorfer Kirche spielte Edith Ulrich auf der Orgel, Jazz-Standards gab es im Kunsthof Hochdorf, eine Diaschau im Foyer. „Man kann sich heute nicht zerreißen“, gab Kulturvereins-Chef Bossert den Besuchern den guten Rat.




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