Donnerstag, 17. Mai 2012

Mit Adleraugen




Dieses Messfahrzeug mit den Kameras auf dem Dach erfasst derzeit die Straßendaten in Vaihingen. Gestern wurde das Projekt auf dem Marktplatz vorgestellt. Foto: Bögel
Dieses Messfahrzeug mit den Kameras auf dem Dach erfasst derzeit die Straßendaten in Vaihingen. Gestern wurde das Projekt auf dem Marktplatz vorgestellt. Foto: Bögel

Vaihingen (ub). Jeden Meter gibt es eine Aufnahme. Jedes Schlagloch wird dokumentiert, jede Straßenlaterne fotografiert, jedes Verkehrsschild registriert. Den Adleraugen entgeht nichts. In Vaihingen werden derzeit die Straßendaten erfasst.
 Das leuchtend orange Messfahrzeug mit den Kameras auf dem Dach, das seit Montag mit gelben Blinklichtern durch Vaihingen fährt, fällt auf. Der Sprinter der Firma eagle eye technologies GmbH ist im Auftrag der Stadtverwaltung unterwegs und richtet seinen Blick auf die Straßen und das Straßeninventar. „Wir haben allerdings nichts mit Google zu tun“, sagt Vertriebsleiter Kim Gebauer.
Der Technologieanbieter aus Berlin wurde beauftragt, die Verkehrsinfrastruktur der Stadt zu vermessen und optisch zu erfassen. Diese Daten dienen der Kommune ausschließlich internen Zwecken: Sie werden genutzt, um den Wert der öffentlichen Straßen zu ermitteln. Die exakte Dokumentation der Verkehrsflächen und Straßenschäden bildet überdies die Grundlage für ein Erhaltungsmanagement-System, mit dessen Hilfe das Tiefbauamt den Unterhalt der Vaihinger Straßen künftig gezielt planen kann.
Alle Kommunen in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, ihre Buchhaltung bis 2016 auf die sogenannte Doppik umzustellen. So sind beispielsweise die Straßen und das Straßeninventar ein wichtiger Vermögenswert, der in diesem Zusammenhang möglichst genau erfasst und bewertet werden muss. Daher nimmt das eagle eye-Fahrzeug nicht nur die Daten der rund 136 Kilometer kommunaler Straßen mit Geh- und Radwegen im gesamten Stadtgebiet auf, sondern erfasst auch Ampeln, Straßenbeleuchtung, Verkehrszeichen und Parkbuchten. Zusätzlich werden etwa 140 Kilometer befestigte Wirtschaftswege (Feldwege) befahren.
85000 Euro muss die Stadt für den Einsatz des Berliner Adlerauges bezahlen – pro Kilometer werden Kosten zwischen 300 und 500 Euro addiert, je nach dem Aufwand der Auswertung. Seit Montag sind die mobilen Vermesser unterwegs, Ende nächster Woche soll das Projekt abgeschlossen sein. Bei der Präsentation gestern auf dem Vaihinger Marktplatz informierten sich auch Vertreter aus Illingen und Sachsenheim über die moderne Erfassung der Straßendaten.
„Durch die Umstellung auf ein neues Software-System müssen wir mit der Bewertung der Straßen bis Ende 2011 fertig sein“, erklärt Werner Oswald, stellvertretender Tiefbauamtsleiter, die Eile der Stadt. Mit der Berliner Technologie kann die Stadt nicht nur den Vermögenswert der Straßen beziffern, sondern auch die Zustandsklasse der Straßen definieren. Oswald: „Wir haben dann eine klare Einteilung, ob und wann eine Straße saniert werden muss.“ Durch den strengen Winter sei es jetzt der optimale Zeitpunkt, den Bestand zu erfassen.
Und das geschieht, wie der Firmenname andeutet, buchstäblich mit Adleraugen: Das Fahrzeug ist mit speziellen Sensoren ausgestattet, mit deren Hilfe die Straßenflächen während der Befahrung vermessen werden. Zwölf Kameras erfassen gleichzeitig den Straßenzustand und nehmen die Verkehrsanlagen auf.
Die eagle-eye-Daten sollen dann später in das kommunale Geoinformationssystem einfließen und dort für alle Fachbereiche der Verwaltung nutzbar gemacht werden. So bilden sie zum Beispiel die Grundlage für ein Beschilderungs- und Beleuchtungskataster, in dem alle Verkehrszeichen mit Bedeutung und Straßenlampen mit Standort abgebildet sind. Darüber hinaus ist ein Erhaltungsmanagement-System geplant, das den Unterhalt der städtischen Straßen vereinfachen soll. „Künftig werden wir jeden Straßenabschnitt, jedes Schlagloch und das dokumentierte Straßeninventar vom Arbeitsplatz aus in Augenschein nehmen können. Damit sparen wir viel Zeit und Geld für Begutachtungen“, so die Einschätzung von Oswald.




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