Sersheim (elf) – Die Betreiber des Geflügelhofs Grau am Glattbacher Weg in Sersheim wollen ihre Hähnchenmastanlage von derzeit 40000 auf 80000 Tiere aufstocken. Im Gemeinderat wurde das Thema jetzt vertagt. Räte und Anwohner befürchten zunehmende Geruchsbelästigungen.
Das Gefieder des Hähnchenmastbetriebs ist derzeit in zwei Stallungen untergebracht. Jetzt soll die Kapazität verdoppelt werden. Laut Bauantrag sollen in Richtung Horrheim zwei weitere Ställe in gleicher Größe (je elf mal 107 Meter) entstehen. Während die bestehenden Stallanlagen über seitliche Öffnungen be- und entlüftet werden, sieht die Planung in allen vier Ställen eine moderne, im Unterdruck betriebene Zwangslüftung vor. Die Emissionen werden durch zehn Meter hohe Kamine und einer Abluftgeschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde abgeführt. Pro Stall sorgen sechs Kamine für frische Luft. Eigentlich, so der Sersheimer Hauptamtsleiter Matthias Gruber, hätten laut Gesetzgeber acht Meter hohe Kamine gereicht. Doch der Antragsteller hat sich freiwillig dazu bereit erklärt, jeweils noch zwei Meter drauf zu packen.
„Wir tun uns schwer, nein zu sagen, wenn alle Werte eingehalten werden“, sagt Bürgermeister Jürgen Scholz. Die werden laut Gutachter sogar deutlich unterschritten. Auch wenn es einigen Sersheimern stinkt und deren subjektive Empfindung laut Bürgermeister eventuell eine andere ist, „müssen wir die Erweiterung der Anlage wohl hinnehmen“. Dennoch hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen, das Thema auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Der Grund: Die Ratsmitglieder wollen Einblick in das Gutachten haben. „Unüblich, aber so gewünscht“, sagt Scholz. Da das Regierungspräsidium Stuttgart Herr des Verfahrens ist und im Moment die Träger öffentlicher Belange anhört, musste die Sersheimer Verwaltung in der Landeshauptstadt um eine Fristverlängerung über die Entscheidung bitten.
Gleichzeitig soll Jürgen Scholz im Regierungspräsidium darauf aufmerksam machen, dass die Gemeinderäte lediglich eine zeitlich befristete Betriebsgenehmigung für den erweiterten Geflügelhof befürworten. Auf diese Weise soll eine Kontrolle darüber erreicht werden, ob die Geruchsbelästigungen mit der neuen Anlage tatsächlich abnehmen. Am 7. Mai soll der Bauantrag erneut im Sersheimer Gemeinderat behandelt werden.
Neben der Erweiterung der Hähnchenmastanlage sieht der Bauantrag auch eine Erweiterung der Futterzentrale vor. Diese soll von derzeit sechs auf später zwölf Silos mit unterschiedlichem Fassungsvermögen erweitert werden. Auch eine neue Heizungsanlage sieht die Planung vor. Während die beiden vorhandenen Stallungen zurzeit noch mit Gasstrahlern beheizt werden, soll künftig eine Holzhackschnitzel-Feuerungsanlage für Wärme beim Gefieder sorgen. In einem weiteren Verfahrensschritt darf übrigens im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung auch noch die Sersheimer Bevölkerung ihre Meinung zum Thema sagen.
