Enzweihingen (rkü). „Man muss mal – aber muss man eine Toilette wirklich einweihen?“ Heinz Albrecht, der Rektor der Grund- und Hauptschule Enzweihingen, zeigte sich gestern etwas unschlüssig, als er zur feierlichen Eröffnung der neu gestalteten Schultoiletten begrüßte. . „Wenn man eine neue Mensa hat, dann isst man miteinander. Was macht man mit einem neuen WC, wenn man es einweiht?“ Das Besondere an dem Projekt war, dass es von Schülern ausging und sich die achte Klasse von Klassenlehrer Jürgen Sinn vollzählig an den Arbeiten beteiligte. In einem kurzen Anspiel verdeutlichten zwei Schüler gestern noch einmal die prekäre Situation, wenn jemand bislang ein dringendes Bedürfnis verspürte. Keine Seife, kein Toilettenpapier, dafür frisch verschmierte Trennwände – das sollte sich ändern. Im vergangenen Herbst begannen die Achtklässler darum ihr Projekt zur Neugestaltung der Schultoiletten. Oberbürgermeister Gerd Maisch sagte mit kaum versteckter Kritik, dass der Zustand der 40 Jahre alten Toiletten bei der Stadtverwaltung als Schulträger wohl bekannt gewesen sei: „Wir mussten uns gut überlegen, ob es sich lohnt, hierfür Geld auszugeben, wenn ein paar Monate später vielleicht wieder alles kaputt ist.“ Dann ergriffen die Schüler die Initiative. Maisch: „Als ihr auf uns zugekommen seid, war klar: Dann lohnt sich’s – weil ihr euch jetzt darüber bewusst seid, was für ein Aufwand dahinter steckt.“ Schulleitung, Klassenlehrer, Schulsozialarbeiter, Stadtverwaltung, Schulförderverein und Künstler – die Zahl der an dem Projekt Beteiligten war groß. Die Einrichtung Jugend engagiert sich (jes) wurde mit ins Boot geholt und unterstützte mit etwas mehr als 1000 Euro die Verpflegung der Schüler während der Arbeiten und einige andere Posten. Die Stadt bezahlte 12000 Euro für das Material und einige Handwerker. Der Schulförderverein steuerte weitere 400 Euro bei. Doch das Wichtigste kam von den Achtklässlern: Der Anstoß und die praktische Umsetzung. Dabei soll es nicht bleiben: Auch künftig wollen die 18 Schüler dafür sorgen, dass der wesentlich verbesserte Zustand der Schultoiletten Bestand hat. Verschmutzungen sollen unterbunden, neue Schüler für einen sorgfältigen Umgang sensibilisiert werden. Bei der Gestaltung der beiden Räume, die vom Pausenhof der Hauptschule aus zugänglich sind, haben die Schüler einiges bedacht. Die Mädchen haben rosafarbene Wände um ihre Toilettenkabinen, die Jungs blaue Wände. In beiden Räumen gibt es selbst gestaltete Airbrush-Kunstwerke, die in Wechselrahmen präsentiert und hin und wieder ausgetauscht werden sollen. Bei den Mädchen sind zudem zwei Spiegel von hausgemachten Mosaikrahmen eingefasst. Als Anerkennung für ihr Engagement überreichten gestern Oberbürgermeister Maisch und Gerda Zitzmann seitens jes Urkunden an alle beteiligten Schüler. Darin wird das ungewöhnliche Engagement beschrieben und die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden (meist etwa 70) aufgezählt. Diese Urkunde soll sich bei Bewerbungen als Beilage zum Zeugnis ganz gut machen.
