Donnerstag, 17. Mai 2012

Am 1. Mai öffnet das Freibad






Vaihingen (aa). Das Wasser rauscht seit drei Tagen ins Nichtschwimmerbecken, denn der Termin steht: Am 1. Mai öffnet das Vaihinger Freibad seine Pforten. „Auch bei Schnee“, meint dazu Oberbürgermeister Gerd Maisch. Da muss sich Bäderbetriebsleiter Helmut Schulz schütteln. Er hofft endlich mal wieder auf eine Saison wie im Jahr 2003. Nahezu 123000 Gäste wurden in diesem legendären Supersommer im Enztalbad gezählt. Diese Marke ist im Vergleich der letzten zehn Jahre nicht mal im Ansatz gestreift worden. Auch der vergleichsweise schöne Sommer 2009 mit seinen 77788 Gästen (43546 Erwachsene, 28569 Jugendliche, 5673 Gäste mit Sondertarif) lag unter dem Zehn-Jahres-Durchschnitt, der bei 82831 Besuchern liegt, rangiert jedoch deutlich vor der miesen Saison 2008 (67565 Besucher) und der noch schlechteren von 2007 (60715). Das Freibad war zwischen dem 1. Mai und dem 20. September an 143 Tagen geöffnet. Der durchschnittliche Besuch lag bei 544 Personen. Über den Saisonkarteverkauf wurden 38 Prozent der Einnahmen erzielt, was deutlich unter den Werten der Vorjahre lag. Die kalten und nassen Sommer 2007 und 2008 hatten sich da ausgewirkt. „Lieber keine Saisonkarten kaufen, wenn ich sie nicht richtig nutzen kann“, hatten sich viele gesagt. Was gab es Besonderes im letzen Jahr? Hervorgehoben wird die Pool-Party in Zusammenarbeit mit dem Jugendgemeinderat am 1. August. Rund 1200 Besucher kamen nach 19 Uhr. „Bei einem solchen Event muss das Wetter mitspielen, eine Verschiebung ist nicht möglich“, meinte Helmut Schulz in der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses. „Wir sind für die Saison gerüstet“, gab er sich optimistisch. Auch die personelle Besetzung sei gut. Und wie lief’s im Hallenbad? Hier wurden im vergangenen Jahr 38973 Gäste registriert (2008: 41807), was einen Durchschnitt von 226,2 ausmacht. Interessant ist die Zahl der öffentlichen Besucher; das sind nämlich nur 17293 oder 97,15 am Tag (der Rest kommt von Schulen und Vereinen). Und die Zahl der jugendlichen Schwimmer nimmt von Jahr zu Jahr ab. „Nur unsere Kurse laufen stabil“, musste Helmut Schulz eingestehen, „sie sind ständig ausgebucht.“ Man könne sie leider aber aus Kapazitätsgrenzen nicht ausweiten. Der Betriebsleiter, inzwischen 26 Jahre im Bad tätig, hat als Vision immer noch ein kleines zusätzliches Becken. Größere Reparaturen und bauliche Maßnahmen waren im vergangenen Jahr in beiden Bädern nicht erforderlich, sieht man mal von sich absenkenden Platten, Gestaltungsarbeiten der Gärtnerei oder der Sanierung des Massagepilzes ab. Im Freibad wird derzeit das Planschbecken des Eltern-Kind-Bereichs saniert, die Fliesenleger schaffen mit Hochdruck im Schwimmerbecken, um die nach dem harten Winter gesprungenen Platten auszuwechseln. Ob sie alle nötigen Fliesen rechtzeitig geliefert bekommen, ist noch eine offene Frage. In der kommenden Woche muss auch hier geflutet werden: 1,75 Millionen Kubikmeter Wasser werden aus dem „hauseigenen“ Brunnen ins Becken gepumpt. Dass an Themen wie Energie- und Wasserverbrauch ständig gearbeitet wird, ist für die Mannschaft im Enztalbad eine Selbstverständlichkeit. „Wir konnten zwischen 1999 und 2009 durch verschiedene Maßnahmen 23 Prozent an Energie und 35 Prozent an Wasser ohne Qualitätsverlust einsparen“, hat Helmut Schulz im Ausschuss vorgerechnet, doch leider würden die Einsparungen größtenteils durch die Teuerungsraten aufgezehrt. „Wir sehen, dass Sie versuchen, das Beste aus unseren Bädern herauszuholen", lobte Oberbürgermeister Gerd Maisch den Betriebsleiter. Die notwendigen Sanierungen seien durchgeführt. Bei allen Forderungen nach einer Steigerung der Attraktivität müsse man sich aber über die Kosten im Klaren sein. „Ein schöner Sommer wäre das Beste“, ist deshalb die einfache Rechnung des OB. Fragen der Stadträte? Susanne Schwarz-Zeeb (Grüne, Vaihingen) vermisste den Frühbadetag, fand den Kassenschluss zu früh und hätte sich gerne über Temperaturen und Öffnungszeiten anderer Bäder kundig gemacht. Antworten: Vaihingen sei das Bad mit den längsten Öffnungszeiten und (auch durch die Beckenabdeckung) eines der wärmsten. Der Frühbadetag stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand. Sieglinde Kühnle (FW, Kleinglattbach) lobte Schulz „als einen der wenigen, der nicht jammert, wenn es ums Personal geht“. Er betreibe das Bad mit Herzblut. Dagmar Holzberg (FDP, Vaihingen) verließ sich auf die Einschätzung ihres Mannes: „Die Schwimmer kommen gerne hierher.“ Werner Rohloff (SPD, Ensingen) machte vor dem Hintergrund des riesigen Abmangels auf die Möglichkeiten von Fördervereinen aufmerksam. Doch jetzt hoffen alle zunächst auf einen schönen Sommer. Schließung des Bades ist für den OB undenkbar Vaihingen (aa). Gibt es im Vaihinger Enztalbad noch Ansätze, mit denen Kosten gespart werden können? Diese Frage musste natürlich bei der Vorstellung des Bäderberichts im Sozial- und Kulturausschuss des Gemeinderates gestellt werden. Der Betrieb von Hallen- und Freibad muss jährlich mit rund einer halben Million Euro finanziert werden (siehe VKZ-Bericht zum Jahresabschluss 2008 am 3. April), was derzeit noch aus den Erlösen vom Verkauf der EnBW-Aktien geschieht. Doch 2012 ist der Topf leer. Die Stadträte treibt die Frage um: Was passiert dann? „Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, fand zum Beispiel Eberhard Zucker (FW, Vaihingen), man müsse inhaltlich etwas ändern. Na ja, wenn man in den Monaten Mai bis Juli die Schulen ins Freibad umleite, könne man das Hallenbad ganz abschalten, spare vielleicht 15000 Euro, meinte dazu Betriebsleiter Helmut Schulz. Schon jetzt ist vorgesehen, die Temperatur in diesen Monaten für die Schulen zu senken. Schulz: „Zum Schwimmunterricht reichen 26 Grad.“ Über ein paar Grad Wassertemperatur weniger brauche man sich nicht zu unterhalten, das löse das Problem nicht, machte Oberbürgermeister Gerd Maisch deutlich. Er hält es bei allen finanziellen Nöten für undenkbar, „dass man in einer Stadt mit 5000 Schülern sagt: Wir schließen das Bad“. Das Modell Sachsenheim – dort wird das Bad von einem Trägerverein betrieben – dürfe man nicht ganz wegschieben, war die Anregung von Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach). Dort gebe es jährlich ein Einsparpotenzial von rund 100000 Euro, „des isch doch net nix“. Und man müsse sich auf die Suche nach anderen Modellen im Land machen. Die am 9. Juni erstmals tagende Haushaltsstrukturkommission hat mit dem Bäder-„Problem“ eine große Aufgabe vor sich. Und eines ist auch klar: Mehr Attraktionen im Freibad, wie sie immer wieder gefordert werden, würden hohe Investitionen nach sich ziehen, die sich durch Besucherzahlen nicht ausgleichen ließen. Vorläufig muss sich der Bäderbetriebsleiter erst einmal mit einem Entwurf für eine neue Entgeltordnung befassen, sprich, Vorschläge für höhere Eintrittspreise vorlegen, die dann ab 2011 beziehungsweise 2012 in Kraft treten sollen. Die derzeitigen Tarife gelten seit 2004.

Saisonvorbereitungen im Vaihinger Freibad. Foto: Arning
Vorbereitungen auf die Saison 2010 im Vaihinger Freibad. Fotos: Arning

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