Vaihingen (my/kh) – Gestern hob sich für 129 Schüler des Friedrich-Abel-Gymnasiums sowie für 56 Abiturienten des Stromberg-Gymnasiums in Vaihingen mit dem Fach Deutsch der Vorhang für den letzten Akt ihrer Schullaufbahn.
Die Abiturprüfung wurde für die FAGler auch in diesem Jahr wieder in der Stadthalle durchgeführt, wo der Abi-Jahrgang 2010 zwar nicht auf der Bühne, dafür aber im gesamten Zuschauerraum sein großes Prüfungsfinale erlebte. Den Weg zur Stadthalle hatten Freunde, Eltern und Verwandte mit unzähligen Transparenten geschmückt. Zuspruch wie „Viel Glück! Du schaffst das!“ und flotte Sprüche: „Homer ist gut – Tobi ist besser“ oder „Heute Abi – morgen die Welt“ sollten das Selbstvertrauen stärken, denn schließlich begleiteten viele gute Gedanken und Wünsche die Abiturienten in die erste große Prüfung ihres Lebens.
Doch nicht nur die Freunde fiebern mit, wenn das Abitur eröffnet wird und die Aufgaben endlich auf dem Tisch liegen. Diese Anspannung ist auch den erfahrensten Pädagogen nicht fremd, die jedes Jahr wieder neu für ihre Schüler auf gute Themenstellungen hoffen. Aber wer gut gelernt hatte, brauchte eigentlich nichts zu fürchten. „Die kriegen das hin“, war der einstimmige Tenor unter den verantwortlichen Lehrern, die um 8 Uhr ihre Schützlinge in der großen Stadthalle zurückließen.
„Das hat schon was, wenn alle gemeinsam in einem Raum sitzen“, analysierte Schulleiter Hans-Joachim Sinnl die besondere Atmosphäre. Denn für alle seien die Bedingungen gleich. Alle atmen die gleiche Luft, spüren die Konzentration ringsum und fühlen sich hineingenommen in eine große Gemeinschaft.
Umsorgt wurden die Abiturienten zusätzlich von den Schülern der Klassenstufe 12, die mit Getränken, Schokoriegeln, Brezeln und vielen Vitaminen auf ihre Weise einen Beitrag zu den geistigen Höhenflügen der Absolventen leisteten. Und sie mussten ziemlich viel „Futter“ bereitstellen, denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Hunger in Deutsch oder den Sprachen größer ist als in Mathematik.
Während alle Abiturienten in Deutsch und Mathe antreten müssen, wird die Zahl am kommenden Montag ein bisschen kleiner sein, wenn die Prüfung im Fach Englisch anstehen wird. Am Dienstag schließlich werden nur 16 Schüler vom FAG über den Fragestellungen in Französisch brüten, bis sich dann am Mittwoch die Stadthalle wieder enorm füllen wird, wenn das Abitur in den Natur- und Gesellschaftswissenschaften wie Biologie, Chemie, Physik, Geschichte, Geographie oder Gemeinschaftskunde abgelegt werden soll.
Wie jedes Jahr werden die Lateiner am Donnerstag die schriftliche Prüfung beenden. Danach geht's nach einer kurzen Verschnaufpause zurück in die Klassen, bis dann im Juni nach der mündlichen Prüfung der Vorhang am Ende einer langen Schulzeit endgültig fällt.
Insgesamt 56 Schüler des Stromberg-Gymnasiums haben den Aufsatz hinter sich gebracht. Für das erste Thema sollte eine Stelle aus Kafkas „Proceß“ interpretiert und anschließend geprüft werden, „inwieweit die Auseinandersetzung mit der Justiz Josef K. und Michael verändert [haben]“. Beim kreativen Thema musste zunächst ein Entscheidungsmonolog Karl Moors aus Schillers „Räubern“ bearbeitet werden und anschließend ein fiktiver Dialog zwischen Ankläger und Verteidigung dieser Dramenfigur geschrieben werden. Die literarische Erörterung hatte die Frage der bleibenden Gültigkeit guter Literatur für die heutige Zeit zum Thema. Für den Gedichtvergleich wurden Texte von Rilke und Volker Braun angeboten. Eine Erörterung oder eine Rede schließlich konnte man über einen Text aus der Süddeutschen Zeitung schreiben, in dem es über den Begriff des Vertrauens ging.
Die drei Deutschlehrer waren mit den Themen für ihren vorletzten 13. Jahrgang weitgehend zufrieden. Etwas kritisch erschien ihnen allerdings die Bearbeitung des kreativen Themas. Egal, welche Aufgabe gewählt wurde, die Schüler arbeiteten konzentriert und die Köpfe rauchten gewaltig.
Die rauchten auch im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport. In der Nacht zum 13. April wurde in ein Gymnasium in Weikersheim eingebrochen. Dort wurde der Tresor aufgebrochen und die Umschläge mit den schriftlichen Abituraufgaben für die Fächer Geschichte und Gemeinschaftskunde geöffnet. Gymnasien, die eine schriftliche Abiturprüfung in diesen Fächern durchführen, erhalten jetzt bis kommenden Dienstag per Kurierdienst Ersatzaufgaben.
