Eberdingen (aa). Die „heiße Phase“ für die Lange Kulturnacht in Eberdingen hat begonnen. Wenn in der Vaihinger Stadthalle Ten Years After rockt, gibt es in der Dreiergemeinde eine bunte Palette von sage und schreibe 25 Angeboten, die mit Hilfe eines Bustransfers genossen werden können.
Den Flyer ziert eine Weltkugel. Da, wo Eberdingen vermutet wird, ist ein rotes K aufgedruckt: „Kultur ist überall…“ Eben auch in Eberdingen, Hochdorf und Nussdorf. Das soll mit der Aktion in der Nacht vom 24. auf den 25. April dokumentiert werden. Zwischen 18 und 2 Uhr präsentieren sich die Museen, Künstler, Kirchen und Vereine mit vielfältigen Aktionen. Im Halbstundentakt wird ein Busrundverkehr angeboten. „Wir freuen uns über die große Resonanz und die Bereitwilligkeit zur Mitgestaltung“, sagt Wolfgang Bossert, der den Kulturverein Eberdingen als Vorsitzender führt. Geboten werden soll eine Darstellung des vielfältigen Kulturlebens in der Gemeinde. Bossert: „Und wir wollen natürlich über die Grenzen Eberdingens hinausstrahlen.“
Orientieren wir uns einfach mal am Busfahrplan. Unter Nummer 1 ist das „Kunstwerk“ in Nussdorf aufgeführt. Es geht weiter zur neuapostolischen Kirche in die Mühlstraße, wo Chorgesang zu erleben ist. An der Haltestelle Martinsturm gibt es unter anderem Kunst von Artrac, Balalaikamusik im Gemeindehaus, Weinproben und schwäbische Lesungen im Ratsstüble und die Ausstellung über die Zerstörung und den Wiederaufbau Nussdorfs. Im Rathaus liest Sibylle Krause-Burger aus ihrem Buch „Herr Wolle lässt noch einmal grüßen“. In der Gemeindehalle Hochdorf (Haltestelle Schlossstraße/Grundschule) gastiert die CJD Jugendmusikschule Vaihingen. Vom TSV Hochdorf ist unter anderem „Tanz der Vampire“ zu erleben. D’Hochdorfer Fleckafetzer werden fetzige Guggenmusik bieten (später auch in Eberdingen und Hochdorf). Im Jugendhaus P-West ist ein Karaokeabend angesagt.
Weiterfahrt nach Eberdingen. Der Bus hält hier in der Stuttgarter Straße/Ecke Bachstraße und an der Hochdorfer Straße. Schmuck ist im Gasthaus „Quelle“ zu bewundern, ebenso Figuren aus Holz. Im Rathaus-Gewölbekeller sind Lesungen vorgesehen, der Liederkranz wird auftreten und ab 22.30 Uhr die Kapelle Smart. Im Sitzungssaal des Rathauses gibt es unter anderem eine Fledermausausstellung. Kurzfilme zur Bibel führt Pfarrerin Dorothee Lächler im Gemeindehaus vor. Martin Truckses präsentiert im Waschhäusle die Bilderausstellung „AugenBlicke“. Auch die Gaststätte „Kranz“ ist von Künstlern belegt. Die Gemeindehalle ist das Revier des Musikvereins Eberdingen. Zudem gibt es hier Magie, Ausschnitte aus dem Sommertheater von Ina Wernstedt und eine literarisch-musikalische Reise nach Kurt Tucholsky. In der neuapostolischen Kirche spielt ein Flötenensemble, man hört Gospelsongs und Choräle.
Vier Haltestellen sind in Hochdorf eingerichtet (Hauptstraße/Rathaus, Keltenstraße, Am Pfaffenwald, Schillerstraße). Abstecher können hier unter anderem in die evangelische Kirche führen, wo ein Orgelkonzert angeboten wird. In der Galerie Kunsthof und im Kunsthof Atelier werden die laufenden Ausstellungen durch brasilianische Live-Musik untermalt. Im Keltenmuseum gibt es Führungen in die Grabkammer und eine Metverkostung im Außenbereich am „Großen Haus“. Die Keldagoischdr präsentieren eine Häs-Ausstellung. Wolfgang und Christa Schwerdtle laden in ihrer Besenwirtschaft zu Weinproben ein. Und schließlich ist in der Schillerschule eine Lesung zum Thema Schiller angesagt. Aufmerksam gemacht wird auch auf die Beziehungen zu einer türkischen Schule.
Die Idee entstand mit den großen Philosophinnen
Fragen zur Langen Kulturnacht in Eberdingen an Wolfgang Bossert, Vorsitzender des Kulturvereins Eberdingen
Von Albert Arning
Wie ist die Idee der Langen Kulturnacht entstanden?
Wir hatten uns in der Vorstandschaft des Kulturvereins Eberdingen - Hochdorf – Nussdorf Gedanken über die Veranstaltung der „großen Philosophinnen“ im November 2009 gemacht. Die Schauspielerinnen vom „Wartesaal Besigheim“ stellten sich zu einem „Lesespaziergang“ an verschiedenen Stellen im „Kunstwerk“ von Nussdorf auf. Mit Peter Klein diskutierte ich darüber, ob man sie nicht auch an verschiedenen Stellen in der Gemeinde lesen lassen und sie eventuell sogar mit Bussen dorthin bringen könnte. Der Regisseur des „Wartesaals“, Rüdiger Erk, brachte ins Spiel, dass man die Lesungen auch in die Busse verlagern könnte. Die Frage war dann: Wie lassen sich die drei Ortsteile in eine „Performance“ einbinden? Wir haben doch Museen, wir haben Hallen, Rathäuser, Vereinsheime. Diese Kunstform reizte auch den Vorstand des Kulturvereins. Da kam die spontane Idee von Schriftführerin Brigitte Osburg: „Warum machen wir keine Lange Kunst- und Museumsnacht?“ gerade zum richtigen Zeitpunkt. Sofort waren alle Feuer und Flamme für dieses Projekt. Angeregt durch die außerordentliche Akzeptanz der Veranstaltungen im Jahr 2009 wurde ich bei der Vereinsvorstandsbesprechung im November 2009 mutig und bot die Lange Kulturnacht an, zumal das Straßenfest ausgesetzt wurde.
Wie war die Resonanz auf Ihren Vorstoß?
Natürlich gab es ein paar Kritiker, die die Lange Kulturnacht nicht als Ersatz für das Straßenfest haben wollten. Doch die enorme Resonanz bei den Vereinen, vor allem der Kirchen, war schon bemerkenswert. Wenn man in den Veranstaltungsplan der Gemeinde Eberdingen reinguckt, sieht man, dass etwa 50 Prozent der Veranstaltungen kirchlichen Hintergrund haben. Und diese Gruppen waren seither bei den Straßenfesten nur schwach vertreten. Die Straßenfest-Kultur beschränkte sich – grob gesagt – auf das Grillen von Schnitzeln und Bratwürsten. Mit der Langen Kulturnacht gehen wir den direkten Weg und bieten authentische Aktivitäten an. Und zwar am Ort der Vereine, der Künstler, Kulturtreibenden.
Wie werden die Aktionen finanziert?
Wir haben mit der Peter und Alison Klein Stiftung den ersten Sponsor gewonnen. Peter Klein und sein Stiftungsrat, in dem auch Pfarrer Hartmut Nitsche ist, stand von Anfang an hinter der Idee, die im „Kunstwerk“ ihren Anfang nahm. Die Gemeinde Eberdingen hat mit der Schirmherrschaft von Peter Schäfer Flagge gezeigt und unterstützt die Lange Kulturnacht auch finanziell. Es gibt weitere Sponsoren, die sich an den Werbekosten beteiligen.
Es ist jedoch sehr wichtig für uns, dass wir einen Überschuss erwirtschaften, der den teilnehmenden Vereinen eine Geld-Ausschüttung bringt. Auch die Gemeinde soll bekannt gemacht werden.
Soll die Lange Kulturnacht eine Dauereinrichtung werden?
Es ist noch offen, ob wir daraus eine Dauereinrichtung machen. Wenn wir es aber schaffen, mit anderen Mitteln die Ortsteile zu verbinden, hohe Qualität bei Veranstaltungen zu bieten, die lokale Kultur zu fördern, dann können auch neue Formen gefunden werden.
Hat der Ticketverkauf schon begonnen?
Ja. Gehen Sie auf die Vereinswebseite: www.kulturverein-eberdingen.de. Dort können Sie bequem buchen. Auch hier beschreiten wir neue Wege. Im Zeitalter der Online-Buchungen von Bahnkarten oder Flugkarten ist dieses Medium die organisatorisch beste Form. Natürlich kann man auch in die Vorverkaufsstellen gehen:
Merbeth und Bossert in Nussdorf, Bäckerei Eitel in Eberdingen, Post in Hochdorf, Volksbank in Hochdorf, Strohgäubank in Eberdingen. Eine Karte kostet zehn Euro und berechtigt zum Eintritt zu allen Veranstaltungen inklusive Bustransfer.