Donnerstag, 17. Mai 2012

Rücklagen schwimmen davon






Vaihingen (aa). Das Vahinger Enztalbad ist schuldenfrei. Diese Feststellung im Jahresabschluss 2008 ist nur ein schwacher Trost. Jedes Jahr läuft ein Verlust von rund 500000 Euro auf, der die Rücklagen aus den Erlösen der einst verkauften EnBW-Aktien davonschwimmen lässt. Ab 2012 muss das Bad aus dem städtischen Haushalt finanziert werden. Stadtkämmerin Melanie Lerche spricht vor dem Gemeinderat von einer „unauffälligen Bilanz“. So kann man es auch sehen, denn Hallen- und Freibad sind traditionell ein Minusgeschäft. Der Jahresverlust des Eigenbetriebs Enztalbad liegt im Jahre 2008 bei exakt 514306,45 Euro. „Das überrascht uns jetzt nicht weiter“, meint dazu Oberbürgermeister Gerd Maisch. Auch 2009 wird ein Verlust in dieser Größenordnung erwartet. Ende 2008 gab es noch ein Polster von 1,9 Millionen Euro in der Rücklage aus dem Verkauf der EnBW-Aktien. Man muss kein großer Rechenkünstler sein, um zu ermitteln, dass 2012 das Haben aufgebraucht sein wird. Was dann? „Gibt es Positionen, bei denen namhaft gespart werden kann?“ FDP-Stadtrat Prof. Gustl Lachenmann (Vaihingen) wagt im Gemeinderat die fast schon verzweifelte Frage. Irgendwann müsse man sich schon überlegen, ob man nicht lieber die Bäder schließe. Namhaft könne man sicher nur sparen, wenn man dicht mache und die Mitarbeiter (2008 waren es vier Vollzeitkräfte, vier Teilzeitbeschäftigte, eine Azubi und drei Saisonkräfte) entlasse. So die nüchterne Antwort von Oberbürgermeister Gerd Maisch. Mit dem jetzigen Angebot sei es so gut wie unmöglich, Einsparpositionen zu finden. Die Eintrittsgelder seien letztlich fast ohne Bedeutung. Und der Verwaltungskostenbeitrag, der an die Stadtkasse fließe, wenn zum Beispiel der Bauhof im Bad tätig werde oder man den Kartenverkauf im Bürgerbüro verrechne, liege bei rund 20000 Euro. Das Enztalbad wird seit 2002 als Eigenbetrieb geführt (Eigenkapital zwei Millionen Euro). Es muss daher ein Jahresabschluss nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches erstellt werden. Das erledigt eine Steuerberatungsgesellschaft, die dafür rund 5000 Euro Honorar kassiert (abhängig von der Bilanzsumme). Das Ergebnís des Jahres 2008 stellt im Vergleich zu 2007 eine Verschlechterung von rund 102000 Euro dar. Der Grund: 2007 gab es Zuschüsse des Landes für die energetische Sanierung im Hallenbad und eine Auszahlung des Anteils am Restvermögen des Landeselektrizitätsverbandes. 2008 lagen die Einnahmen aus Badegebühren im Freibad bei 97000 Euro (2007: 92000). Es kamen 67565 Besucher (plus 6850). Die Hälfte der Gäste hatte eine Saisonkarte. Als Personalkosten sind 146675 Euro verrechnet (plus 39000 Euro). Das Jahresergebnis lag bei minus 270865 Euro und verschlechterte sich um 52 Prozent. Im Hallenbad lagen die Einnahmen aus Badegebühren bei 58000 Euro. Die Besucherzahlen sind zwar von 38997 auf 41807 gestiegen, durch eine Verlagerung der Eintritte von Einzel- zu Mehrwertkarten und einer Reduzierung bei den Schwimmkursen gab es jedoch keine Mehreinnahmen. Als Personalkosten werden 170191 Euro angegeben (31000 Euro unter dem Wert von 2007). Das Jahresergebnis liegt bei minus 243441 Euro (2007: minus 233469). Die Zahlen des vergangenen Jahres werden übrigens in der nächsten Sitzung des Sozial-  und Kulturausschusses vorgestellt.


Seitenanfang