Donnerstag, 17. Mai 2012

Nudel Uwe ganz nah bei Käthe Kabeljau




Auf dem Marktplatz kommt Aale Hinnerk in Fahrt. Foto: Rücker
Auf dem Marktplatz kommt Aale Hinnerk in Fahrt. Foto: Rücker

Vaihingen (sr).  „Mädels, kauft Fisch“, tönt’s vom Vaihinger Marktplatz. Das kann nur eines bedeuten: Der Original Hamburger Fischmarkt auf Tour ist da. Bis einschließlich Sonntag gehört der Platz den Marktschreiern und ihrem Tross.

 So etwas haben die drei Vaihinger Buben noch nicht erlebt. Frisch von der Schule gerieten sie gestern auf dem Nachhauseweg in die Fänge von Käse Rudi. „Lernt, lernt, lernt“, ruft er den Dreikäsehochs zu. „Sonst müsst ihr später mal Nudeln verkaufen“, setzt Käse Rudi als Seitenhieb auf seinen Nachbarn Nudel Uwe nach. „Für Käse muss man schon studieren“, beendet er seinen lautstarken Vortrag und die Jungs ziehen etwas verwirrt von dannen. Auf dem Vaihinger Marktplatz ist bis Sonntagabend der Original Hamburger Fischmarkt auf Tour zu Gast. „Mütterberatung“, heißt die Aufwärmphase der Marktschreier im Fachjargon. „Der Marktschreier an sich entfaltet sich mit Menschenmassen“, erklärt Thorsten Mey. Der Osnabrücker muss es wissen: In vierter Generation reist er mit seinem Aal Hinnerk durch die Lande. Hinnerk ist Plattdeutsch für Heinrich, den Vornamen von Meys Urgroßvater. Mit einem alten Hanomag „ist der damit angefangen“, so die für schwäbische Ohren ungewohnte Ausdrucksweise.
Thorsten Mey ist der Geschäftsführer des Veranstaltungsbüros Original Hamburger Fischmarkt auf Tour. 23 Stände drängen sich nun in Vaihingens Mitte, darunter Bananen Fred, Blumen Jak, Nudel Uwe, Wurst Herby und Aal Hinnerk. Nicht zu vergessen der Krämermarkt, der das Angebot der Marktschreier komplettiert. Die Idee, mit dem Fischmarkt auf Tour zu gehen, sei vor 17 Jahren Wurst Herby und Bananen Fred gekommen. Der harte Kern der Marktschreier kennt sich vom Hamburger Fischmarkt, wo sonntagmorgens Marktschreier aus den verschiedensten Regionen Deutschlands um die Gunst der Kunden buhlen. In den vergangenen zwei Jahren gastierte der Fischmarkt erfolgreich in Illingen. Bei dieser Gelegenheit sei man mal nach Vaihingen gefahren und war vom Marktplatz und dessen Flair gleich angetan. Wirtschaftsförderer Thorsten Leupold von der Stadtverwaltung erinnert sich: „Es gab eine Anfrage und wir haben das mit der Werbegemeinschaft Vaihingen abgeklärt.“ Referenzen, die eingeholt wurden, seien absolut gut gewesen. Leupold: „Dieser Fischmarkt kommt überall gut an.“
Einziger Wermutstropfen für Marktchef Mey und seine Truppe: „Wir mussten derbe, derbe schmälern“, sagt er über das eingeschränkte Platzangebot in der Vaihinger Innenstadt. Fast das ganze Jahr tingeln die Marktschreier durch Deutschland. Kleine Kinder können dabei noch mit auf Tour genommen werden. Mit Schuleintritt wird’s schwierig für die Familien. Dann sind die Männer häufig getrennt von Frau und Kindern. Gewohnt wird fern der Heimat in Hotels.
Marktschreier, das ist eine Lebensphilosophie, das muss einem im Blut liegen. Thorsten Mey hat zwar Innenausstatter gelernt, ist aber gleich nach der Lehre beim Aal Hinnerk eingestiegen. Und auch die 14-jährige Tochter sei schon ganz wild darauf.
Marktschreier, das sei auch anspruchsvoll. Da spiele die Psychologie eine große Rolle. Nicht jedem Kunden könne ein flotter Spruch zugemutet werden. Mey: „Die Sprüche müssen natürlich immer oberhalb der Gürtellinie bleiben.“ Im Hintergrund ruft einer seiner Kollegen: „Nehmen se doch Fisch mit. Und wenn se keinen mögen, dann nehmen se mich.“ Na, wenn das kein Angebot ist...

Der Original Hamburger Fischmarkt auf Tour ist bis Sonntag (19 Uhr) mit Krämermarkt auf dem Vaihinger Marktplatz zu Gast. Programmpunkte sind beispielsweise ein Auftritt des Duos CB in Love, Bierkrugstemmen, Nachwuchs-Marktschreien.




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