Donnerstag, 17. Mai 2012

Das Vogelhaus gibt's eigentlich nicht




Diese vier Freundinnen sind ein unschlagbares Team: Yvonne, Melanie, Bärbel und Lilli (von links) kämpfen in „Eine für alle“ um ihre Arbeitsplätze. Foto: ARD/Benk

Oberriexingen – Seit einer Woche läuft im Ersten die neue Seifenoper „Eine für alle“. Jetzt spricht die Oberriexingerin Gabriele Schwenninger über die Dreharbeiten auf ihrem Grundstück und über die Erlebnisse mit dem Filmteam. Das Haus ihrer Familie dient als Kulisse für die Produktion.

Viel los ist in der Sachsenheimer Straße in Oberriexingen nicht. Ab und an fährt ein Auto vorbei, noch seltener sind Menschen zu sehen. Schmucke Einfamilienhäuser zieren diesen Teil der kleinen Enzstadt Oberriexingen. An der Straße steht auch das Heim von Familie Schwenninger. Gemauert aus rotem Backstein. Großer Garten, Scheune, Hof. Und genau dieses Idyll teilt die Familie seit dieser Woche mit dem Rest der Republik: Für die neue ARD-Vorabendserie „Eine für alle – Frauen können’s besser“ dient der Außenbereich des Hauses als Kulisse. Im Film wohnt dort die Hauptfigur Lilli Lemke.

Gedreht wird auf dem Grundstück an der Sachsenheimer Straße seit rund zwei Monaten. Wenn das Team der Serie anrückt, ist es auch mit der Ruhe vorbei: Die Straße wird gesperrt, unzählige Kameras werden aufgebaut, Busse für die Maske und die Technik angekarrt. „Bisher waren es immer um die 30 Leute, die mit den Schauspielern kamen“, sagt Gabriele Schwenninger.

Die Schwenningers sind begeistert von den ersten Folgen

Anfang der Woche feierte die neue Seifenoper TV-Premiere – mit einer Doppelfolge. Bis heute sind sechs Episoden gelaufen. Gabriele Schwenninger und der Rest ihrer Familie ist begeistert: „Die Folgen sind richtig gut geworden“, sagt sie. Die Fernsehleute würden sehr professionell arbeiten. „Es war eine gute Entscheidung, unser Haus zur Verfügung zu stellen.“

Irgendein Familienmitglied der Schwenningers hat diese Woche immer geschaut, wenn die Serie im Ersten kam. „In jeder Folge war unser Haus“, sagt die Oberriexingerin stolz. Im Fernsehen ist es beinahe im Originalzustand zu sehen. Die Fenster und ein Briefkasten an der Backsteinwand wurden jedoch leicht verändert: Vor die Scheiben kamen Sprossen aus Holz, der Briefkasten wurde mit einer Menge Efeu dekoriert. Und: „Das Vogelhäuschen, dass in der Serie im Garten steht, gibt es in Wirklichkeit nicht“, verrät Gabriele Schwenninger.

Wenn die Frau an die vergangenen zwei Monate denkt, huscht ihr ein Lächeln übers Gesicht. „Da gab’s schon ein paar tolle Momente.“ Einmal wurde zum Beispiel eine Hofparty bis in die Nacht hinein vor dem Kulissenhaus gedreht. Auf dem Grill brutzelten Würstchen und Scampis vor sich hin. Die Schauspieler beherrschten ihren Text, das Wetter spielte am Abend mit – obwohl es mittags noch geregnet und geschneit hatte. Alles lief so, wie es laufen sollte. Bis zur Drehpause.

„Als die Kameras aus waren, musste ich den Hund mal aus dem Haus lassen, sonst wäre er noch verrückt geworden“, sagt Schwenninger. Der Vierbeiner fand Gefallen am Set, legte sich zu den Darstellern und starrte das Grillgut an. Und als das Team mit dem Dreh weitermachen wollte, lag der Hund noch immer vor dem Grill, der für die Szene im Hof aufgebaut war. „Er wollte und wollte einfach nicht mehr gehen“, erzählt Gabriele Schwenninger, die den Vierbeiner letztendlich dann aber doch noch überreden konnte. Darsteller Thorsten Nindel hat den Hund übrigens ins Herz geschlossen.

Requisiten machen’s möglich: Sommerszenen im Winter

Der Drehtag ging bis zwei Uhr in der Nacht. Nachdem die letzte Klappe gefallen war, klopfte das Team kurz ans Fenster und verabschiedete sich. Die Hausherrin hatte es sich im Wohnzimmer bequem gemacht. „Meine Hilfe wird beim Dreh nicht gebraucht“, sagt sie. Die Belastung werde für die Familie so gering wie möglich gehalten.

An einem anderen Tag sei eine Sommer-Szene mit blühenden Oleandern im Drehbuch gestanden – mitten im Winter. „Die Requisite hat die blühenden Pflanzen angekarrt“, erinnert sich Schwenninger. Nachdem alles im Kasten war, waren die Blumen erfroren.

So traumhaft wie die Erinnerungen von Gabriele Schwenninger, war der TV-Start von „Alle für eine“ nicht. Nur 1,54 Millionen Zuschauer schalteten am Montag für die Doppelfolge aufs Erste. Einen Tag später waren es nur noch 1,16 Millionen – und auch im Laufe der Woche veränderte sich an der Zuschauermenge nicht mehr viel. Gabriele Schwenninger macht dafür die Sendezeit verantwortlich. „Das ist meiner Meinung nach ein Problemsendeplatz. Ich selbst könnte um 18.50 Uhr wohl kaum jeden Tag fernsehen.“ Viele Menschen seien zu dieser Zeit entweder noch bei der Arbeit oder schon mit einem Hobby beschäftigt.

„Ich wünsche der Serie viel Glück und viele Zuschauer“, sagt sie. Schließlich wolle keiner, dass die neue Serie wieder abgesetzt wird. Gesichert scheint bisher, dass mindestens bis zum Herbst produziert wird. Bis dahin hat die Familie mit der Produktionsfirma einen Vertrag. Und der beinhaltet übrigens nicht nur das Haus als Kulisse. Auch in Schwenningers Scheune wird gedreht: Dort ist die Werkstatt von Filmfigur Lilli Lemke aufgebaut.

Philipp-Marc Schmid




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