Riet – Der Nabel der Musikwelt ist der Vaihinger Stadtteil Riet nicht. Trotzdem wird dort eines der erfolgreichsten Musikmagazine der Republik produziert. Die Zeitschrift „Good Times“ befasst sich mit der Musik der 60er, 70er und 80er Jahre – demnächst erscheint die 100. Ausgabe.
Ultravox, Rolling Stones, U2, Abba und The Sweet. Bands aus einer Zeit, die das Herz von Fabian Leibfried aus Hochdorf höher schlagen lässt. Die Musik der 60er, 70er und 80er Jahre hat es ihm angetan. Seine Leidenschaft hat der Mittvierziger zum Beruf gemacht: Fabian Leibfried ist Herausgeber und Chefredakteur der Musikzeitschrift „Good Times“, die seit Anfang 2008 in Riet produziert wird.
Vom Erfolg der Zeitschrift ist der Hochdorfer so begeistert, wie von der Musik aus seiner Jugendzeit: „Wir erscheinen alle zwei Monate mit einer Auflage von rund 30000 Exemplaren“, sagt Leibfried. Geht man nach diesen Zahlen, spielt das Produkt aus dem Rieter Tal in der obersten Liga der deutschen Musikzeitschriften. Der unscheinbare und in der breiten Öffentlichkeit noch relativ unbekannte Titel sei sogar erfolgreicher als bekanntere Magazine wie „Rolling Stone“ oder gar „Musik Express“.
In diesen Wochen steuert das Team von „Good Times“ auf eine magische Marke zu. Die 100. Ausgabe des Magazins geht in den Druck und wird ab dem 15. Mai im Zeitschriftenhandel verkauft. In den Anfängen des Projekts hätte keiner gedacht, dass diese Hürde jemals erreicht werden würde. Im Jahr 1992 wurde das Produkt zum ersten Mal an einem Kiosk verkauft. Etwa 800 Exemplare gingen damals über die Ladentische der Republik. „Für Profis lächerlich, für uns eine Sensation“, sagt Peter Seeger, der das Projekt im Jahr 1991 startete. Die erste Ausgabe erschien mit massenhaft Fehlern und verschossenem Layout. Und dennoch konnte sich „Good Times“ auf dem Markt behaupten.
Im Januar 2008 hat Gründungs-Herausgeber Peter Seeger das Handtuch geworfen. Aus Altersgründen. Der NikMa Musikbuch Verlag aus Riet hat daraufhin das Heft übernommen. Am Konzept hat Fabian Leibfried, der früher für den Motorpresse-Verlag in Stuttgart arbeitete, nicht viel verändert. „Das war auch gar nicht nötig“, sagt er. Das Team lege Wert darauf, Hintergrundgeschichten zu Musikthemen der 60er, 70er und 80er Jahre zu drucken. Im aktuellen Heft geht es zum Beispiel um das Comeback der Kult-Kapelle Ultravox und darum, warum die britische BBC in ihren Kellern zahlreiche Konzertmitschnitte aus dieser Zeit lagert. Im Jubiläumsheft werden das Ende der Beatles, die Geschichte von Abba und der größte Erfolg von U2 beleuchtet.
Neben dem zeitlichen Schwerpunkt verfolgt Leibfried seit der Übernahme aber auch noch eine andere Strategie. „Wir verschließen uns der Musik von heute nicht mehr“, sagt der Magazin-Chef. In jeder Ausgabe finden sich etwa 300 Rezensionen neuer CDs, DVDs und Bücher. Hauptsache sei, dass der Stil der Musik oder der Schriften zur Hauptzeit passt. So haben es zum Beispiel die Pet Shop Boys und Amy Winehouse in das „Good Times“-Heft geschafft. Geschichten rund ums Thema Musik runden das Angebot ab: Mal geht es um Piratensender, mal um die Technik der Pocket-Discs.
Jedes Heft hat eine Produktionszeit von acht Wochen. Fabian Leibfried feilt mit drei angestellten Helfern und rund 20 freien Mitarbeitern daran. Nur für das Jubiläumsheft gilt das mit den zwei Monaten nicht: „Daran arbeiten wir schon seit rund einem Jahr“, sagt Leibfried. In dieser Zeit hat sich das Team neben extra Geschichten noch ein besonderes Schmankerl für seine Leser ausgedacht. Der Jubiläumsausgabe wird eine CD beigelegt, die extra für diesen Zweck produziert wurde. „Andere Magazine haben ständig CDs beiliegen, bei uns ist das eine Ausnahme“, erläutert Fabian Leibfried.
Wenn die „Good Times“-Redaktion sich auf eine Ausnahme einlasse, müsse die auch richtig einschlagen. Auf der Scheibe sind sechs Songs zu finden, in denen es um „Good Times“, also gute Zeiten, geht. Zwei Titel wurden extra dafür komponiert, die vier anderen sind Cover-Versionen. Zur „Good Times“-All-Star-Band gehören keine unbekannten Gesichter: Chris Thompson, der ehemalige Sänger der Manfred Mann’s Earth Band, die Erfolge mit Blinded by the Light und Davy’s on the Road Again feierte, ist dabei. Gitarrist Geoff Whitehorn, der schon mit Roger Chapman zusammenarbeitete, ebenfalls. Und auch Schlagzeuger Pete York von der Spencer Davis Group ist mit von der Partie.
„Ich glaube, dass die CD einschlagen wird“, sagt Fabian Leibfried. Einige der Lieder seien sogar schon im Radio gelaufen. Und auch das Heft werde weiter erfolgreich sein: Mit Berichten über Ultravox, Rolling Stones, U2 und andere Bands.
Philipp-Marc Schmid
