Kleinglattbach (sr) – Der Leidensweg Christi ist seit Kurzem im katholischen Gemeindezentrum St. Bonifatius in Kleinglattbach dargestellt. Die Vaihinger Künstlerin Renate Leidner malte 14 Bilder für den Kreuzweg, der sich harmonisch in den Sakralraum fügt.
„Für mich war es eine sehr schöne Sache, die Dramatik darzustellen“, sagt Renate Leidner im Sakralraum des Kleinglattbacher katholischen Gemeindezentrums. Normalerweise male sie eher die schönen Dinge der Gegenwart. Der Leidensweg Christi, von der Verurteilung bis zur Grablegung, war eine besondere Herausforderung für die Vaihinger Künstlerin. „Sie hat sich hineingelebt, das ist ihr sehr gut gelungen“, lobt Anni Pascher vom Ortsausschuss des katholischen Kirchengemeinderats.
Seit vielen Jahrhunderten wird in katholischen Kirchenräumen der Leidensweg Christi in 14 Stationen bildlich dargestellt. Dieser sogenannte Kreuzweg fehlte im Sakralraum des Gemeindezentrums St. Bonifatius. „Darauf hatte die kroatische Gemeinde aufmerksam gemacht, die hier regelmäßig Gottesdienste feiert“, erinnert sich Anni Pascher. Auf der Suche nach einer passenden Darstellung wurden zunächst Kataloge gewälzt. Doch die vorgefertigten Darstellungen des Kreuzwegs fanden keinen Zuspruch. Pascher: „Da ist mir die Renate in den Sinn gekommen.“
Die Vaihinger Künstlerin habe sich gleich vorstellen können, das Thema zu bearbeiten – obwohl sie selbst evangelisch ist. Und auch die Mitglieder des Kirchengemeinderats haben die Idee ohne Zögern akzeptiert. „Bei uns lebt die Ökumene“, sagt Anni Pascher. Beispielsweise feierte die evangelische Kirchengemeinde ihre Passionsandacht am neuen Kreuzweg.
Renate Leidner hat sich zu Beginn des Schaffens in die Thematik eingelesen und sich mit der Farbsymbolik in der Religion befasst. Blau ist die Farbe des Himmels und der Treue, Rot die des Herzens und des Heiligen Geistes. Weiß steht für die Reinheit, Unschuld und für Gott. Mit Braun drückt sich die Demut und Traurigkeit aus, es ist die Farbe der Erde und ein Symbol für die Zugehörigkeit zum Irdischen und Vergänglichen. Außerdem nahm die Künstlerin den Sakralraum in Augenschein, denn der Kreuzweg sollte mit dem Vorhandenen eine Einheit bilden.
Diskussionen darum, ob die Personen Gesichter bekommen sollen oder nicht, waren schnell geklärt. Keine Gesichter für die Menschen, lautete das Ergebnis. Leidner: „Sonst hätte ich ja fast jedem meine Vorstellung aufgezwungen.“ Ein wenig Kopfzerbrechen verursachte schließlich, dass alle 14 Bilder an einer Wand angebracht werden sollten. Was für ein Format böte sich dafür an? Die Idee, den Kreuzweg in unterschiedlichen Bildgrößen darzustellen, kam Leidner und Pascher nahezu zur gleichen Zeit.
Das Ergebnis der Schaffenskraft fand beim festlichen Gottesdienst Ende März große Zustimmung. In den 14 Acrylbildern sorgte Leidner mit Spachtelmasse an manchen Stellen für Struktur, beispielsweise um das Kreuz plastisch darzustellen. Von 30 x 30 Zentimeter bis 20 x 100 Zentimeter Größe variieren die sechs unterschiedlichen Formate. Insgesamt wirken die Bilder, trotz der dargestellten Trauer und des Schmerzes, modern und „leicht“. „Ich mag das ganz Schwermütige nicht so gerne“, sagt Leidner. Das Malen mit düsteren Farben hätte ihr wohl den Spaß an der Arbeit verleidet.
In Kreuzwegandachten wird besonders in der Passionszeit der Leidensweg Jesu betend nachvollzogen. Der in den Evangelien beschriebene Weg wurde schon früh erweitert, beispielsweise durch die Begegnung mit Veronika. Die 14 Stationen des Kreuzwegs stellen gemäß der Tradition folgende Situationen dar:
I: Jesus wird zum Tode verurteilt.
II:Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.
III: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.
IV: Jesus begegnet seiner Mutter.
V: Simon hilft Jesus, das Kreuz tragen.
VI: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.
VII: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.
VIII: Jesus begegnet den weinenden Frauen.
IX: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.
X: Jesus wird seiner Kleider beraubt.
XI: Jesus wird ans Kreuz genagelt.
XII: Jesus stirbt am Kreuz.
XIII: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.
XIV: Jesu Leichnam wird in das Grab gelegt.
