Klärschlamm muss in der "Müse" Wasser lassen
Enzweihingen (sr) – Viel Hirnschmalz sei getropft, bis die „Müse“ ihre Arbeit aufnehmen kann, sagt Wolfgang Lieb, Abteilungsleiter Abwasserbeseitigung in Vaihingen. Die Maschinelle-Überschuss-Schlamm-Entwässerung (Müse) wird in der Kläranlage Strudelbach das Volumen des Klärschlamms reduzieren. Dies wird durch die Entlastung des Vaihinger Klärwerks (Enzgasse) nötig.
Dafür, dass die Abwassertechnik Spaß machen kann, sind Wolfgang Lieb und Jörg Esenwein der lebende Beweis. Abteilungsleiter Lieb und der Betriebsleiter Kläranlagen Esenwein sind vor Enthusiasmus beim Gang durch die Kläranlage Strudelbach kaum zu bremsen. Grund für zusätzliche Freude bietet die Maschinelle-Überschuss-Schlamm-Entwässerung (Müse). Die neue Errungenschaft dickt Klärschlamm ein. Die Müse wurde nötig, weil die Kläranlage in Vaihingen weiter entlastet werden soll. „Die Kläranlage in Vaihingen ist von 1980 und die Schlammbehandlung dort in die Jahre gekommen“, sagt Wolfgang Lieb. Laut der ursprünglichen Zielsetzung einer Studie aus dem Jahr 1991 soll die Kläranlage Vaihingen zugunsten des Standorts Strudelbach aufgegeben werden. Eine nochmalige Studie wird prüfen, unter welchen Bedingungen die Kläranlage Vaihingen stillgelegt werden kann.
In der Enzgasse in Vaihingen wird zunächst deutlich reduziert. Der Grad der Auslastung einer Kläranlage lässt sich am sogenannten Einwohnerwert ablesen. Er ist ein Maß für die Belastung des Abwassers mit organisch abbaubaren Stoffen. In der Kläranlage Vaihingen wird der derzeitige Stand von 20000 Einwohnerwerten (EW) auf 10000 EW heruntergefahren. Die Kläranlage Strudelbach wurde für 38000 EW konzipiert und bewältigt momentan 25000 EW.
Die Schlammbehandlung in Vaihingen soll aufgegeben werden. Das wiederum beschert dem Standort Strudelbach mehr Klärschlamm. Die Masse, die dann mit speziellen Dickschlammpumpen in den Faulturm gefördert wird, ist durchaus anspruchsvoll. Damit die Fäulnisprozesse optimal ablaufen, muss der Schlamm 20 Tage im Faulturm verbleiben. Um nun die von Vaihingen kommende Masse unterzubringen, muss das Volumen des Klärschlamms verringert werden. Hierzu wird das Gemisch mit einem Polymer versetzt und in der Müse auf einer Art löchrigem Förderband transportiert. Schikanen drehen und wenden die Masse für eine gleichmäßige Eindickung. Rund 25 Kubikmeter Masse pro Stunde können die neue Maschine durchlaufen. Der Arbeit der Mikroorganismen im Faulturm schadet der Flüssigkeitsentzug im Vorfeld nicht.
„Das Charmante an der Lösung ist, dass leerstehende Becken der Kläranlage reaktiviert werden konnten“, sagt Abteilungsleiter Lieb. Auf rund 500000 Euro belaufen sich die Gesamtkosten der Neuerung. Die im Standort Vaihingen getätigten Investitionen fließen in eine Anlagetechnik, die weiterhin genutzt werden kann. Denn das Rohabwasser muss von dort aus auch zukünftig zum Standort Strudelbach gepumpt werden. Rechen und Sandfang sind dann ebenfalls weiterhin nötig.
Anfang November 2008 starteten die Baumaßnahmen. Im tief liegenden Rohrkanal konnten selbst bei beißend kalten Außentemperaturen Leitungen verlegt werden. Sobald die Müse Ende Mai läuft, sind die Abwasserspezialisten noch mehr im Glück, als sie es jetzt schon sind.
