Donnerstag, 17. Mai 2012

Illingen wird frischer Boden gegönnt




Umweltministerin Tanja Gönner besichtigt das Luig-Areal. Foto: Rücker
Umweltministerin Tanja Gönner besichtigt das Luig-Areal. Foto: Rücker

Illingen (sr) – Zufriedene Gesichter gab es gestern in Illingen zum Thema Bodensanierung im Luig-Areal. Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner stellte Bürgermeister Harald Eiberger eine Beteiligung von 1,5 bis 1,9 Millionen Euro an den Kosten für die Sanierungsmaßnahmen in Aussicht.

„Herzlichen Dank für diese frohe Kunde“, quittierte Illingens Bürgermeister Harald Eiberger die Ausführungen von Umweltministerin Tanja Gönner. Voraussichtlich 60 bis 64 Prozent der Kosten für die Sanierung des Bodens auf dem Luig-Areal werden durch Fördermittel des Landes getragen. Das entspricht 1,5 bis 1,9 Millionen Euro. „Das Umweltministerium steht dem Projekt positiv gegenüber“, so Gönner. Die endgültige Entscheidung werde allerdings, nach weiteren Prüfungen, durch den Vergabeausschuss getroffen.
Das rund vier Hektar große Areal an der Luigstraße blickt auf eine über hundertjährige Nutzungsdauer vor allem durch den Stahlbau zurück. Die Gemeinde Illingen hat das Gelände, inzwischen eine Industriebrache, erworben. Neuer Platz für Wohnen, Handel, Handwerk und Dienstleistungen im Herzen Illingens soll dort entstehen.
In Relation zur Größe der Gemeinde handle es sich um „unser Stuttgart 21“, stellte Bürgermeister Eiberger fest. Außer mit Denkmalschutz habe man auf dieser Industriebrache mit „so ziemlich allem zu kämpfen“. Als Beispiele nannte er Bahnlärm, schlechte Bodenverhältnisse und partielle Bodenbelastungen. Aufgrund der früheren Nutzung sind unter anderem einige Bereiche mit Blei, oder im Bereich der ehemaligen Betriebstankstelle, mit Mineralölkohlenwasserstoffen belastet. „Nach unseren Erkenntnissen besteht keine Gefährdung des Grundwassers“, sagte Ministerin Gönner. Was an und für sich Grund zur Freude böte, ist in Sachen Fördermittel hinderlich. Laut Förderrichtlinien Altlasten ist die Gefährdung des Grundwassers ein Kriterium für einen positiven Bescheid. Allerdings handle es sich bei dem Luig-Areal um eine „regionalplanerische Besonderheit“, die insofern förderwürdig sei. Gönner: „Es gibt selten ein Areal in dieser Größenordnung und derart zentral gelegen, das sich so zur Entwicklung und zum Flächensparen anbietet wie dieses.“
Volle Unterstützung erhält die Gemeinde auch vom Arbeitskreis Umwelt der CDU Landtagsfraktion. Deren Vorsitzender Winfried Scheuermann kennt sich als Illinger Gemeinderat naturgemäß mit der Materie Luig-Areal aus. Er sprach beim Vor-Ort-Termin in Illingen die Begrüßungsworte und betonte bei dieser Gelegenheit das Anliegen des Arbeitskreises, dem Flächenverbrauch entgegenzuwirken. Danach erteilte er Bürgermeister Eiberger das Wort. „Das ist ganz selten. Das mag der Bürgermeister nicht, wenn ich ihm das Wort erteile“, flachste das politische Urgestein.
Von den Fraktionsvorsitzenden des Illinger Gemeinderats nutzten einige die Gunst der Stunde, um Fragen oder Kommentare loszuwerden. Peter Pförsich (Grüne) erkundigte sich bei der Umweltministerin über den Umfang der Fördergelder, die insgesamt zur Verfügung stehen. „In diesem Jahr haben wir 20 Millionen Euro im Altlastentopf“, antwortete Gönner und betonte nochmals, dass der in Aussicht gestellte Betrag für Illingen reserviert sei. Eric Schach (CDU) stellte fest, dass sich die Gemeinde mit der Sanierung des Geländes antizyklisch verhalte und eine Menge Geld in Umlauf bringe.
Bürgermeister Eiberger verkündete abschließend: „Ich hoffe, dass das kein Jahrhundertprojekt wird – zumindest was die Umsetzung betrifft.“ Der Beginn der Bodensanierung werde ab Herbst angestrebt. Zukunftsmusik klang durch den Sitzungssaal: Möglicherweise könnte Illingen mit der Sanierung des Luig-Areals ein Kandidat für den vom Land ausgelobten Flächenrecyclingpreis werden.
Nachdem sich die Vertreter der Landespolitik ins Goldene Buch der Gemeinde eingetragen hatten, wurde das Gelände besichtigt. Umweltministerin Gönner konnte in diesem Zusammenhang Bedenken des Bürgermeisters zerstreuen: „Ich war Insolvenzverwalterin. Insofern weiß ich, wie’s auf solchen Arealen aussieht. Sie brauchen mich nicht zu beschützen.“




Seitenanfang