Montag, 06. September 2010

Konkurrenzkampf um Erdaushub


Brach liegt die Erweiterungsfläche der Kreismülldeponie bei Maulbronn. Foto: Kollros
Brach liegt die Erweiterungsfläche der Kreismülldeponie bei Maulbronn. Foto: Kollros

Pforzheim/Enzkreis (os) – Derzeit lässt das Abfallwirtschaftsamt des Enzkreises ein Gutachten erarbeiten, ob sich die Investitionen in den fünften Abschnitt der Mülldeponie zwischen Maulbronn und Zaisersweiher noch irgendwann halbwegs amortisieren lassen. Im Juni sollen Fakten auf dem Tisch liegen.
Es geht um jene 450000 Kubikmeter Deponievolumen, die in den 1990er Jahren auf einer Fläche von vier bis fünf Hektar in Richtung Zaisersweiher angelegt wurden. Damals hatte der Enzkreis noch das Problem, vorausschauend ausreichend Flächen bereitzustellen, um nie einen Müllnotstand im Landkreis entstehen zu lassen. Und es war auch jene Zeit, als bereits eifrig planerisch an einer Nachfolgedeponie im Wald am Hochberg zwischen Mühlacker und Illingen gearbeitet wurde. Diese hätte dann auch den Müll aus der Stadt Pforzheim aufnehmen sollen.
Doch nicht heftige Proteste aus der Illinger und Mühlacker Bevölkerung stoppte die Müllhalde im Senderstädter Erholungswald, vielmehr kam der Gesetzgeber mit der so genannten TASi, der Technischen Anleitung Siedlungsabfälle, den Deponieplanern in die Quere: Gesetzeslage war fortan, dass auf Deponien spätestens ab 2005 keine unbehandelten Stoffe mehr abgelagert werden dürfen, die noch organisch reagieren.
Somit waren die Planungen im Hochberg bei Mühlacker hinfällig und der Enzkreis hat bei Maulbronn seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts knapp eine halbe Million Kubikmeter Deponievolumen brach liegen, für die er bis dato keine Verwendung hat.
Derzeit sei ein Gutachter dabei, mittels Marktanalysen zu erforschen, ob irgendwo in weiterer Umgebung größerer Bedarf an Ablagerungsbedarf besteht, wie der Leiter des Abfallwirtschaftsamts, Ewald Buck, auf Anfrage bestätigte. Wobei es sich bei den abzulagernden Materialien nur um so genannte inerte Stoffe handeln darf, die weder organisch noch chemisch reagieren und deshalb nicht in eine Verbrennungsanlage müssen. Dazu gehören beispielsweise Gießereisand, verschmutzte Baureststoffe und -materialien. Angeliefert werden dürfen diese Stoffe auch aus der Stadt Pforzheim und dem Landkreis Karlsruhe, mit denen entsprechende Entsorgungsverträge bestehen. Diese Mengen sind freilich nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.
Wie man aus dem Landratsamt jedoch hört, hat die Verwaltungsspitze bereits in Sachen „Stuttgart 21“ ihre Fühler ausgestreckt. Wenn dort in großem Umfang Aushubarbeiten für den Tiefbahnhof starten, könnte der Hamberg als Ablagerungsstätte dienen, so zumindest die Vision von Landrat Karl Röckinger und Umweltdezernent Karlheinz Zeller. Aber zwischen Stuttgart und Maulbronn gibt es bekanntlich noch zwei weitere Deponien - „Burghof“ bei Horrheim und „Froschgraben“ bei Schwieberdingen, so dass gewissermaßen ein Konkurrenzkampf unter den Entsorgungseinrichtungen besteht.
Voraussichtlich am 16. Juni sollen dem Umwelt- und Verkehrsausschuss die Ergebnisse des in Arbeit befindlichen Gutachtens vorgelegt werden. Ob da dann bereits Weichenstellungen seitens der Kommunalpolitik erfolgen oder weiterhin das Prinzip Abwarten gilt, werden die Aussagen des Gutachtens zeigen.


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