Donnerstag, 17. Mai 2012

Viel Applaus für Musical


Das Musical Löwennacht in der Vaihinger Stadthalle. Foto: Bögel
Das Musical Löwennacht in der Vaihinger Stadthalle. Foto: Bögel

Vaihingen (wes) Alle Mühen haben sich gelohnt. Die Uraufführung des Musicals „Löwennacht“ von Eva Württemberger endete am Freitagabend in der Stadthalle in Vaihingen unter tosendem, nicht enden wollendem Applaus. Für die Mitwirkenden und insbesondere die Initiatorin, die zugleich auch als Texterin, Komponistin, Regisseurin ihres Stücks fungierte, bedeutete dies eine große Erleichterung. Die Inszenierung wirkte vom ersten Moment an professionell, obschon ausschließlich Laiendarsteller mitwirkten.
„Gut gebrüllt, Löwe!“, konnte man nach dieser fabelhaften und flotten Aufführung des Musicals „Löwennacht“ ausrufen. Tatsächlich ließ Hauptdarsteller Lars Keller als Vaihingens Symbolfigur, dem Löwen, gleich zu Beginn ein furchterregendes Brüllen hören. Das wiederholte er im Lauf der rund zweistündigen Vorstellung einschließlich einer Pause noch einige Male, ohne dabei seine Stimme zu schonen. Er verkörperte den Löwen, der sonst steinern auf dem Marktplatzbrunnen steht, mit herausragender Souveränität und entwickelte ein hohes Maß an schauspielerischem Talent. Auch seine Gesangsnummer, mit einem ausgewogenen, runden Bariton ausgeführt, gestaltete Lars Keller mit Bravour.
Die von Eva Württemberger aus Aurich ersonnene Geschichte erzählt von einem Zauber, der sowohl über dem Vaihinger Löwen als auch über dem Grafen Gottfried und dem Minnesänger Bernger von Horrheim seit uralten Zeiten liegt. Während der Löwe versteinert auf dem Brunnen sitzen muss, dürfen die beiden Menschen nur noch als Gespenster ein trauriges Schattendasein führen. Doch einmal in einhundert Jahren wird der Löwe wieder für eine Nacht zum Leben erweckt und steigt von seinem Sockel herunter. Er fordert seinen Freund, den Kirchturmhahn auf, wie in den zurückliegenden Jahrhunderten alle Symbolgestalten aus den umliegenden Dörfern zusammen zu rufen, damit sie ein tolles Fest, eine Löwennacht, feiern können.
 Und so kommen sie nach und nach herbei, die Auricher Schnecken, die Enzweihinger Milchsäule, das Roßwager Ross, die Rieter Hühner, im Dialekt heißen sie Heale, die Glabbicher Ratzen und der Gündelbacher Hommel. Der Kirchturmhahn übernimmt dabei die Rolle des Zeremonienmeisters und kündigt die einzelnen Teilnehmer an der Löwennacht an. Diese Figur gab Susanne Kilpper mit viel komödiantischem Können und sie löste damit große Heiterkeit im Saal aus.
Sehr ausgelassen und laut feiern der Löwe und seine Freunde das nächtliche Fest. Von dem fröhlichen Lärm gestört fühlen sich nur, wie jedes Mal, die beiden Gespenster, der Graf und der Minnesänger, weshalb sie sich heftig beim Vaihinger Löwen beschweren. Graf und Löwe bedrohen sich sogar und wollen aufeinander losgehen, was jedoch von den anderen Festteilnehmern verhindert wird. Alle gemeinsam werden sie jedoch sehr traurig, wenn sie daran denken, dass die Nacht bald wieder vergehen wird und sie von dem Fluch nur erlöst werden können, wenn sie eine gute Tat für die Stadt vollbringen.
Dazu bietet sich überraschenderweise sogleich eine Gelegenheit, denn das Sonnenwirtle von Ebersbach, der Räuber und Mörder Friedrich Schwan, wird dabei erwischt, als er aus dem Rathaus den Löwenpokal stehlen will. Die Festgesellschaft nimmt ihn gefangen und der Nachtwächter kann ihn gefesselt abführen. Da erscheint die Enznixe in grünschimmerndem Flossengewand auf dem Marktplatz und verkündet die Aufhebung des Fluchs. Der Löwe könne fortan selbst entscheiden, wohin er gehen wolle. Er entschließt sich aber nach einigem Zaudern dann doch dazu, weiterhin auf dem Marktplatzbrunnen sitzend über das Wohl und Wehe der Stadt Vaihingen zu wachen. Und das tut er bis heute noch.
In der Inszenierung des Musicals „Löwennacht“ wirkte eine immense Zahl von Darstellerinnen und Darstellern, Tänzerinnen und Tänzern, ein kleiner Chor und eine großartige Band mit. Auch vor und hinter der Bühne, im gesamten Umfeld zur Realisierung dieses ehrgeizigen aber gelungenen Projekts betätigten sich viele Mitglieder des extra dafür gegründeten Fördervereins und trugen zum großen Erfolg bei. Zu nennen wären aber einige Darstellerinnen und Darsteller wichtiger Rollen. Gerhard Bach war ein auf seine Reputation stets achtender Graf Gottfried. Seinen ständigen Begleiter, den Minnesänger Bernger von Horrheim, der sich mit einem schmachtend gesungenen Liebeslied hervortun durfte, spielte Volker Nissen. Mit heller und zarter Stimme führte Sandra Theilmann das Lied der Enztalnixe aus. Weitere beeindruckende Mitwirkende waren Markus Bopp (Sonnenwirtle), Traugott Frasch (Nachtwächter), Nico Albrecht (Hommel), Monique Ballier (Ross) und Angela Bäuerle (Ottmar Mergenthaler).
Auf der Bühne der Stadthalle wurde auch temperamentvoll getanzt. Die Choreographie dafür entwarf Cornelia Lechermann, die als Katze mitspielte. Gerade die zahlreichen großen Ensembleszenen, die ohnehin sehr lebendig und unbeschwert dargeboten wurden, konnten mit den Tanzeinlagen noch lockerer gestaltet werden. Am Rand links neben der Bühne stand der Löwennacht-Chor, den Birgit Heller leitete, auf der rechten Seite hatte die Band mit Ralf Reichert (Trompete), Jo Brecht (Keyboards), Antonio Farris (Piano), German Klaiber (Kontrabass und E-Bass) sowie Jochen Weiss (Schlagzeug) Platz genommen. Sie musizierten unter der Leitung von Eva Württemberger fabelhaft klangvoll und bereiteten in der Begleitung den singenden Mitwirkenden ein sicheres Fundament.
Das Bühnenbild bauten Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Feil-Schule, die fantastischen Kostüme, und das waren sehr, sehr viele, entwarfen und schneiderten Schülerinnen der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule Enzweihingen.
Was sich Eva Württemberger da ausgedacht hat und wofür sie originelle Texte und eine sehr schmissige, teils auch rockige, teils von eingängigen Melodien geprägte Musik komponierte, hat wahrlich das Zeug, auch künftig als Vaihinger Festspiel zu besonderen Anlässen aufgeführt zu werden. Die bodenständigen Figuren und die spannungsreiche Handlung sind Elemente, die das Musical „Löwennacht“ so sehenswert machen. Eine gewisse Portion Pathos ist ebenso darin enthalten wie ein hohes Maß an Heimatliebe. Wie erwähnt, der Löwe brüllte gut und das Musical „Löwennacht“ wurde ein großartiger Erfolg. Bravo! Rund 1500 Zuschauer konnten das Spektakel bei den drei Aufführungen am Wochenende erleben.


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