Donnerstag, 17. Mai 2012

Nahverkehrsplan verabschiedet


Das Vaihinger Gebiet Baresel wird an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Foto: Bögel
Das Vaihinger Gebiet Baresel wird an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Foto: Bögel

Ludwigsburg/Vaihingen (ub) – Gegen den Widerstand der Grünen-Fraktion verabschiedete am Freitag der Ludwigsburger Kreistag die Fortschreibung des Nahverkehrsplanes. Rund 150 Vorschläge der Kommunen und Fraktionen finden sich in dem Werk, das die Zielrichtung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) vorgibt. Trotzdem: „Der Nahverkehrsplan ist nur eine Momentaufnahme. Es muss weitere Gespräche geben“, sicherte Landrat Dr. Rainer Haas zu.
Grundsätzlich Kritik am 160 Seiten dicken Plan übte die Fraktion der Grünen – Daniel Renkonen (Ludwigsburg): „Der Nahverkehrsplan ist zu kurz gesprungen“ oder Armin Zeeb (Vaihingen): „Der westliche Landkreis hat Nachholbedarf in Sachen Nahverkehrsangebote.“ Die Grünen wollen den aktuellen ÖPNV-Anteil im Landkreis von 15 Prozent („viel zu wenig“) auf 25 Prozent erhöhen. Renkonen: „Das bedeutet, dass wir 120000 Fahrten am Tag vom Auto auf die Schiene und zu den Bussen verlegen wollen.“ Ihre Anträge, wie zum Beispiel, dass von 5 bis 24 Uhr alle Orte im Kreis an den ÖPNV angeschlossen werden oder dass am Bahnhof Vaihingen die Züge aus Richtung Karlsruhe mit Bussen „abgedient“ werden sollen, fanden keine Mehrheit.
Adolf Allmendinger (CDU, Eberdingen) betonte, dass der ÖPNV im Kreis finanzierbar bleiben müsse. Der CDU-Sprecher forderte eine Kontrolle über die Auslastung der Busse – „Busse dürfen keine heiße Luft transportieren“. Wichtig sei auch eine bessere Vernetzung mit den Nachbarkreisen.
Rainer Gessler (FW, Markgröningen) mahnte Verbesserungen beim öffentlichen Nahverkehr an den Randbereichen an. „Im Kirbachtal muss etwas geschehen.“ Die Verbundgrenzen sehen die Freien Wähler als Übergänge – Gessler: „Da müssen wir mehr Dampf machen.“ Einen Nachholbedarf für Sachsenheim und das Kirbachtal ortete auch Hans Leopold Schlobach (SPD, Bietigheim). Ansonsten sei ein vernünftiger Kompromiss zwischen dem Möglichen und dem Wünschenswerten gefunden worden.
„Bedienungslücken“ im Spätverkehr und an den Wochenenden erkannte Volker Godel (FDP, Ingersheim). „Wir müssen den Mut aufbringen, die Defizite auch einzugestehen.“
Was sagt der Nahverkehrsplan für den Verkehrsraum Vaihingen aus?
 Das südliche Eberdingen (Gebiet um die südliche Stuttgarter Straße) ist gegenwärtig nicht erschlossen. Eine verbesserte Anbindung mit Stichfahrten über die Stuttgarter Straße und einer Wende in der Straße Mönchswiesen sollte geprüft werden. Für diese Stichfahrt käme vorzugsweise eine der beiden Linien 502 oder 592 in Frage, die Eberdingen in allen Zeitbereichen bedienen.
Im nordöstlichen Hochdorf entsteht derzeit das Gewerbegebiet Pulverdinger Weg (250 zu erwartende Arbeitsplätze). Eines der Unternehmen schlägt eine Neuordnung des ÖPNV-Angebots vor, um das Gewerbegebiet andienen zu können. Was die Entfernung angeht, liegt das Gebiet gerade noch im Einzugsbereich der Haltestelle „Keltenmuseum“. Vor einer Anpassung von Buslinienverläufen sollte daher geprüft werden, ob eine direkte Fußwegverbindung zwischen dieser Haltestelle und dem neuen Gewerbegebiet hergestellt werden kann.
Zur Erschließung des derzeit entstehenden Wohngebiets Winterhaube/Lettenäcker (ca. 200 zusätzliche Einwohner) im östlichen Eberdingen wird die Einrichtung einer zusätzlichen Haltestelle an der Hochdorfer Straße am östlichen Ortseingang empfohlen.
Das Wohngebiet Rieter/Enzweihinger Straße im westlichen Hochdorf, das gegenwärtig gebaut wird und in dem künftig rund 200 Einwohner leben werden, liegt im unmittelbaren Einzugsbereich der bereits existierenden Haltestelle „Am Pfaffenwald“ und ist damit an das ÖPNV-Netz angebunden.
Die Gemeinde Eberdingen weist darauf hin, dass die Schülerverkehrslinie zwischen Eberdingen und Nussdorf derzeit eine von der Kommune finanzierte Sonderlinie ist. Die Kommune bittet darum, diese in den regulären Linienverkehr zu integrieren. Falls die Linie auch Fahrgäste befördert, die nicht zum Schülerverkehr zählen, sollte für die betreffenden Fahrten im Rahmen der Buskonzepte eine Lösung gefunden werden. Darüber hinaus schlägt die Kommune vor, das nördliche Hochdorf an die Linie 502 anzubinden. Eine Schleifenfahrt über Schillerstraße, Rieter Straße und Rathaus sollte untersucht werden. In diesem Zusammenhang wäre auch eine Verlegung der Haltestelle „Industriegebiet“ an die Eberdinger Straße zu prüfen.
Im nördlichen Oberriexingen entsteht derzeit das Gewerbe- und Wohngebiet Großmolten/Seite (etwa zehn Arbeitsplätze und 300 Einwohner). Das Gebiet hat bereits mit der Haltestelle „Roter Baum“ eine ÖPNV-Anbindung. Aus der Analyse der Bedienungshäufigkeiten ergibt sich auf der Relation Oberriexingen – Vaihingen am Betriebstag Montag bis Freitag vor 9 Uhr bei der Anzahl der Fahrmöglichkeiten ein Defizit. Dies ist jedoch geringfügig (sieben anstatt acht Fahrmöglichkeiten) und für die vorhandene Nachfrage nicht von Belang. Auf eine Angebotsausweitung kann verzichtet werden.
Die Kommune fordert eine Angebotsverbesserung zwischen Oberriexingen und Sachsenheim. In Zusammenhang mit der Schaffung einer ÖPNV-Anbindung für das Sachsenheimer Gewerbegebiet Eichwald sollte auch eine Angebotsausweitung der Linie 532 zwischen Oberriexingen und Sachsenheim geprüft werden, da es auf dieser Relation nach Angaben des Busunternehmens erhebliche Nachfragesteigerungen gegeben hat.
Auf der Gemarkung von Vaihingen wird in den kommenden Jahren das Gewerbegebiet „Perfekter Standort“ (bis zu 900 zusätzliche Arbeitsplätze) entstehen. Die bereits bestehende ÖPNV-Konzeption geht von einer Ansiedlung von Betrieben vom Osten des Gewerbegebiets in Richtung Westen aus. Daher soll zunächst eine zusätzliche Haltestelle im Verlauf der Buslinien 579 und 590 an der L 1106 eingerichtet werden. Durch den 500-Meter-Einzugsradius dieser Haltestelle kann ungefähr die Hälfte der Fläche des gesamten „Perfekten Standorts“ von Osten her erschlossen werden. Dadurch könnte ohne Mehraufwendungen und ohne Stich- und Umwegfahrten eine ÖPNV-Anbindung im 30-Minuten-Takt angeboten werden. Wird das Gebiet in Richtung Westen aufgesiedelt, wird vorgeschlagen, den Verlauf der Linie 578 von der L 1125 auf die K 1697 bzw. K 1698 umzulenken sowie auf Höhe der Otto-Hahn-Straße eine weitere zusätzliche Haltestelle einzurichten. Damit wäre nahezu das ganze Gewerbegebiet (mit Ausnahme des nordwestlichen Teils) im Einzugsbereich von Bushaltestellen.
Das am westlichen Stadtrand von Vaihingen entstehende Wohngebiet Baresel, in dem künftig 440 Einwohner leben werden, soll mit einer Änderung des Verlaufs der Buslinie 576 an den ÖPNV angebunden werden. Kommune, bedienendes Verkehrsunternehmen und VVS haben sich auf die Einrichtung zweier neuer Haltestellen verständigt.
Aus der Angebotsanalyse ergibt sich außerdem im östlichen Vaihingen (im Gebiet um die östliche Eichendorffstraße) ein Erschließungsdefizit. Hier empfiehlt sich die Einrichtung einer Haltestelle im Verlauf der Linie 579 auf Höhe der Kehlstraße.
Das bedienende Unternehmen weist darauf hin, dass das westliche Enzweihingen (Bereich um die Haltestelle „Klaiberstraße“) nur relativ selten bedient wird und dass für diesen Bereich eine Neukonzeption sinnvoll wäre. Eine Schleifenfahrt der Linie 595 über Karl-Blessing-Straße – Steinestraße – Klaiberstraße wurde bereits geprüft. Für Fahrgäste aus Riet und Hochdorf verlängert sich durch eine solche Linienverlaufsänderung die Fahrzeit aus/in Richtung Vaihingen-City und Bahnhof Vaihingen um drei Minuten. Diese Verlängerung der Beförderungszeit erscheint vertretbar. Vor einer Änderung der Buslinienführung muss jedoch der ruhende Verkehr in diesem Bereich neu geordnet werden.
Aus der Analyse der Bedienungshäufigkeit ergeben sich für die Vaihinger Teilorte Roßwag und Kleinglattbach Untersuchungsbedarfe: Auf der Relation Stuttgart/Vaihingen – Roßwag fehlt nach 21 Uhr eine Fahrmöglichkeit; eine Angebotsverbesserung (eine zusätzliche Fahrt auf der Linie 576 in diesem Bereich) am Betriebstag Montag bis Freitag erscheint wegen der geringen Nachfrage jedoch nicht zwingend erforderlich. An Samstagen werden in der Analyse nach 15 Uhr keine Verbindungen nach Stuttgart ausgewiesen; sonn- und feiertags existiert laut elektronischer Fahrplanauskunft in Richtung Stuttgart generell kein Angebot. De facto gibt es aber Verbindungen von/nach Stuttgart. Das Defizit entsteht dadurch, dass die notwendigen Umsteigezeiten am Bahnhof Vaihingen vier Minuten betragen, was für einen Umstieg zwischen Bus und Bahn zu kurz ist. Der Fahrplan der Linie 576 sollte im Zusammenhang mit der oben dargestellten Linienverlaufsänderung über das Wohngebiet Baresel entsprechend angepasst werden. Nach den Ergebnissen der Übersichtlichkeitsanalyse sollte die Linie 576 darüber hinaus zwischen Roßwag und Vaihingen grundsätzlich einen regelmäßigeren und damit übersichtlicheren Fahrplan erhalten.
Auf der Relation Kleinglattbach – Stuttgart fehlen am Betriebstag Montag bis Freitag vor 9 Uhr und in der Gegenrichtung nachmittags zwischen 15 und 18 Uhr je eine Fahrmöglichkeit; an Sonn- und Feiertagen wird vor 12 Uhr nur eine anstatt zwei Fahrmöglichkeiten nach Stuttgart angeboten. Der Bahnhof Vaihingen liegt am südwestlichen Ende von Kleinglattbach, wodurch ein relativ großer Teil Kleinglattbachs im Einzugsbereich des Bahnhofs liegt und damit optimal an den ÖPNV angebunden ist. Aus den geforderten Fahrmöglichkeiten ergibt sich für Kleinglattbach zudem jeweils nur eine fehlende Verbindung pro Zeitbereich. Eine Verbesserung des Angebots erscheint daher nicht zwingend notwendig.
Die Kommune hat vor, an zentralen Haltestellen wie zum Beispiel am Bahnhof Vaihingen oder an der Haltestelle Grabenstraße zusätzlich bzw. neue Ticket-Automaten zu installieren. Insbesondere die Neueinrichtung von Automaten an der Haltestelle Grabenstraße ist zu begrüßen.


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