Sersheim (ev) – Trapper, Cowboys und Indianer – Sersheim hat dieser Tage wieder einige Bewohner mehr. Seit 30 Jahren findet nun schon das Internationale Schwarzpulverturnier statt und auch in diesem Jahr hat sich der Schützenverein wieder einiges Neues einfallen lassen.
Robert „Graubart“ Supper, Organisator des Internationalen Schwarzpulverturniers, spricht aufgeregt in sein Handy. Dringend würde er die kleinen Weinflaschen brauchen. Vor ihm auf den Tisch liegt ein Kalender, die Woche 18 ist aufgeschlagen. Platz ist auf der Seite keiner mehr. Die Termine nächste Woche häufen sich. Da wäre das Frühstück mit der Gemeindeverwaltung, das Mittagessen mit dem Bauhof, der Senioren-Club will vorbeischauen und ab dem 1. Mai geben sich Countrybands, Tänzerinnen sowie Feuerschlucker die Klinke in die Hand. Das ist das Programm für die Besucher. Ein fester Bestandteil der Großveranstaltung sind aber nach wie vor die Schützenwettbewerbe, wie das Internationale Vorderladerturnier und die 5. Süddeutsche SPI-Meisterschaft (SPI = Schwarzpulverinitiative).
Supper hat gerade sein Gespräch beendet, da bimmelt das Telefon erneut. „Es muss noch einiges getan und organisiert werden“, sagt er und hebt entschuldigend die Hände. Allerdings wurde auch schon kräftig gearbeitet. Zelte und Tipis entlang der Umgehungsstraße zwischen Sersheim und Bietigheim kündigen die Großveranstaltung schon seit Tagen an. Wer von der Straße aus einen Blick über den Schallschutzwall wirft, der hat auch schon den neuen Saloon gesehen. Aus dem „Shooters Saloon“ ist der „Rusty Spur Saloon“ geworden.
Gut getarnte Küche und Lautsprecherboxen
„Wir haben nun einen Holzboden und die Wände sind komplett mit Holz verkleidet“, berichtet Supper stolz. Das rot-weiße Zelt ist fast nicht mehr zu sehen. Das war den Sersheimer Schützen wichtig, denn alles soll so authentisch wie möglich sein. Stühle und Tische sind alle zwischen 70 und 80 Jahre alt, Lautsprecherboxen oder die moderne Küche sind so gut getarnt, dass sie nur zu erahnen sind. Nur die blauen Müllsäcke in alten Holzfässern stören „Graubart“ Supper. Aber diese müssten nun einmal sein. Das Flair zwischen Piano, Schaukelstuhl und Bar ist trotzdem wie im Wilden Westen.
Fast jedes Jahr haben Supper und sein Team neue Ideen verwirklicht. Diesmal gibt es neben dem neuen Saloon auch ein Feuerwerk. „Aber es geht immer noch besser“, meint der 67-Jährige. Angefangen habe vor 30 Jahren alles mit einem Zelt. „Rund zehn Jahre hat es gedauert, bis sich die Veranstaltung etabliert hat. Man muss eben mit der Geschichte wachsen“, meint Supper. Bücher und Bilder gebe es von dieser Zeit ja genug. Heute tummeln sich Hunderte Hobbyisten in Tipis sowie Zelten. Die Besucher müssen in Tausenderschritten gezählt werden.
Die meisten Zelte sind schon aufgebaut. Die ersten sind bereits am 19. April angereist. Teilweise sind sie wieder nach Hause, weil sie arbeiten müssen, aber der harte Kern trotzte am Dienstag auch Regen und Matsch und lebt schon jetzt wie einst die Trapper im Wilden Westen. Die entsprechende Kleidung – Lederhose und Fell – inklusive. Vom Saloon aus rechts haben sich die Trapper angesiedelt. Ab und zu findet sich zwischen den Trapperzelten ein Indianertipi. Links vom Saloon haben sich die Nord- und Südstaatler niedergelassen. „Das ist eher militärisch“, meint Supper. Und in der Mitte leben in den nächsten Tagen die Texas-Rangers. Sortiert haben sich die Gruppen übrigens selbst.
Mittendrin, in einem der rund 200 Zelte, lebt Georg Neidig aus Heidelberg, den man allerdings Rotbart nennt. In Heidelberg hat Rotbart zwar eine Wohnung, aber die benutzt er nur rund 60 Prozent des Jahres. Die restliche Zeit tingelt der Rentner im Trapperlook durch Deutschland. Eine Brille liegt in seinem Zelt, auch einen Kugelschreiber hat er zur Verfügung. Manch einer besitzt ein Handy – mehr aber nicht, auch wenn die Zivilisation nur wenige Meter entfernt beginnt. Anstatt E-Mails zu schreiben und in den Fernseher zu gucken, putzt Rotbart an Regentagen sein Gewehr. Auf dem Gelände gibt es zwar Duschen, aber eine Schale voll Wasser und ein Stück Seife reichen den Trappern auch. „Wir riechen ja alle gleich“, meint Rotbart. Der Geruch von Feuer und Rauch überdecke sowieso alles.
Gründungsvater Supper selbst zieht sein eigenes Bett einem Zelt vor – allerdings aus einem ganz praktischen Grund: „Irgendwann würde man doch zu lange im Saloon hängen bleiben, aber ich muss am nächsten Morgen wieder fit im Kopf sein.“ Da klingelt sein Handy schon wieder. Der Splitt für den Platz vor dem Vereinsheim sei da. Da wird auch in diesem Jahr wieder ein Zelt stehen.
Robert Supper muss los – bis das 30. Internationale Schwarzpulverturnier offiziell beginnt, gibt es noch einiges zu tun im Lager.
