Donnerstag, 17. Mai 2012

Übers Pflaster rasen für den guten Zweck


Die Schüler wetzen fürs Sponsorengeld. Foto: Rücker
Die Schüler wetzen fürs Sponsorengeld. Foto: Rücker

Vaihingen (sr) – Nichts los in Vaihingen? Von wegen! Rund 1000 Schüler zogen gestern in der Vaihinger Innenstadt ihre Kreise – vom Marktplatz zum Bürgerbrunnen und zurück. Der erste Sponsorenlauf des Friedrich-Abel-Gymnasiums sorgte am Vormittag für Halligalli im Städtle. Das „errannte“ Geld kommt dem Förderverein des Gymnasiums und einer befreundeten Schule in Liberia zugute.
„Das wäre in zehn Minuten schon enorm“, sinnierte gestern Vormittag Roland Häberle, Sportlehrer am Friedrich-Abel-Gymnasium (FAG). Ist es möglich, so lautete die Frage, ob die rund 350 Meter der abgesperrten Strecke zehn Mal in zehn Minuten gelaufen werden können. Einige Schüler sollen das geschafft haben. Fast weltrekordverdächtig, staunten da die Kollegen in der Redaktion. Doch gestern ging’s nicht um Rekorde, sondern um Sport, Spaß und – nicht zuletzt – um Geld für den guten Zweck.
Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Fördervereins am FAG hat sich die Schule etwas einfallen lassen. Bei einem Sponsorenlauf in der Fußgängerzone wetzten die Schüler auf freiwilliger Basis für Geld. Die potenziellen Sponsoren wurden von den Kindern und Jugendlichen im Vorfeld an Land gezogen. Meist handelte es sich dabei Eltern, Verwandte oder Freunde, die in einer Liste einen beliebigen Betrag pro gelaufener Runde oder einen Höchstbetrag angeben konnten. Die Läufer versuchten schließlich, in der vorgegebenen Laufzeit von zehn Minuten möglichst viele Runden zu bewältigen. Die anfangs erwähnten zehn Runden waren dabei Rekord. „Der Förderverein hat in 25 Jahren viel soziales Engagement für die Schule geleistet“, erläuterte Schulleiter Hans-Joachim Sinnl die Idee hinter der Aktion. Um den Schülern zu zeigen, wie schwierig das sein kann, wurde der Sponsorenlauf ins Leben gerufen.
Unter dem Motto „FAG zieht Kreise“ gingen rund 1000 Schüler, einige Lehrer und auch Schulleiter Sinnl an den Start. Immerhin fünf Mal umrundete Sinnl den Parcours, der vom Markplatz bis zum Bürgerbrunnen führte. Für die Runden von Läufer Sinnl zahlte Sponsor Sinnl gerne, denn das Geld unterstützt gleich die Arbeit zweier Akteure: Halbe-halbe wird das gesponserte Geld an den Förderverein des Gymnasiums und an eine im Aufbau befindliche Schule in Liberia fließen. Durch einen Kollegen, der dort im Auslandsschuldienst tätig war, wurden die Kontakte zu Bischof Innis geknüpft, erläuterte Sinnl. Innis baut in Liberia eine Schule, welche „deutlich weniger kostet als unser Aufenthaltsraum“, so der Schulleiter.
Offensichtlich war gestern der Großteil der FAG’ler derart motiviert, dass gerannt wurde, bis die Backen glühten. Aber auch gegangene Runden zählten. Vom Ursprung der Idee, die im November letzten Jahres keimte, bis zur Verwirklichung des Laufs, galt es unter anderem, die Machbarkeit abzuklopfen. „Mit der Stadtverwaltung gab es eine sehr gute Zusammenarbeit“, lobte der Schulleiter. Auch die Polizei sei bei den Vorbereitungen involviert gewesen. Unter anderem mussten folgende Fragen geklärt werden: Wie ist die Streckenführung? Wie kommen die Kinder gefahrlos an den Marktplatz und zurück zur Schule? Auch die Geschäfte in der Fußgängerzone zeigten Wohlwollen und räumten den Läufern Platz ein.
Zwischen 8 und 13 Uhr hieß es also: Bahn frei! Jeweils eineinhalb Schulklassen durften zehn Minuten lang Gas geben. Danach winkten Lehrkräfte sie auf den Marktplatz in Richtung Getränkestand. Auf zu flotte Läufer wirkten Pädagogen, die an der Strecke postiert waren, bremsend ein, andere wurden lautstark angefeuert. Wenn Jugendliche sich sportlich betätigen, darf eine adäquate musikalische Untermalung nicht fehlen. Vertreter des Schülerradios drehten auf und heizten ihren Kollegen richtig ein. Bei drei Jungs der 6c hat das seine Wirkung nicht verfehlt. Mit neun Runden lagen Felix Hess, Frieder Lachenmayer und Robin Wöhr wohl klar vor dem gelaufenen Durchschnitt. Insgesamt haben die Schüler Klasse 6c beispielsweise 191 Runden gedreht. Wieviel Euro die Sponsoren dafür springen lassen, muss noch errechnet werden.
Unter die Zuschauer mischte sich auch die erste Vorsitzende des Fördervereins, Christiane Fiedler, die als Leiterin der Kinderkrippe gleich ihre „Kleinen Löwen“ mitgebracht hatte. Fiedler: „Wir freuen uns unwahrscheinlich, dass die Kinder ihre sportliche Leistung für Afrika, den Förderverein und somit für ihre Schule einsetzen.“ Dass „in diesem Jahr noch etwas passiert“ mit dem Geld stellte sie in Aussicht. Was, stehe aber noch nicht fest. Auch Sibylle Kühn aus Horrheim ließ sich das Spektakel nicht entgehen. Tochter Lisa lief mit und die Mutter „weiß schon, was ich zahlen muss“. Das Geld schmerzt die Horrheimerin nicht, denn „ich finde die Aktion ganz toll“.
Schulleiter Sinnl hat für den Klassensieger, also die Klasse mit den meisten Runden, ein besonderes Schmankerl parat. Diesen Schülern winkt ein unterrichtsfreier Tag, der allerdings gemeinschaftlich verbracht werden muss. Sinnl tiefsinnig: „Aber nur, wenn die Schüler das wollen...“ Der Klassensieger und der Erlös standen gestern noch nicht fest. Die VKZ wird berichten.


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