Donnerstag, 17. Mai 2012

Pläne für weitere Logistiker


Kommen neben dm noch weitere Logistiker auf den Perfekten Standort? Foto: Bögel
Kommen neben dm noch weitere Logistiker auf den Perfekten Standort? Foto: Bögel

Vaihingen (ub)  – „Es geht offenbar voran im Gewerbegebiet Ensingen-Süd“, hieß es in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Vaihingen. Freudig verkündigt wurde die Ansiedlung der Horrheimer Firma Metzger im „Perfekten Standort“. Ob dagegen die Ansiedlung von weiteren Logistikern ungeteilte Freude auslöst, scheint fraglich. Dabei stehen weitere Speditionen Gewehr bei Fuß.
Im Mai wird der Aufsichtsrat der interkommunalen Grundstücks- und Projektgesellschaft „perfekter Standort“ mbH (darin sitzen Vertreter der Kommunen Vaihingen und Illingen sowie dem Mannheimer Energieversorger MVV) über den Verkauf von weiteren Grundstücken auf der 47 Hektar großen Fläche im ersten Erschließungsabschnitt entscheiden. Und nach Informationen der Vaihinger Kreiszeitung interessieren sich zwei weitere Logistiker für Flächen auf dem Gewerbegebiet zwischen Kleinglattbach und Illingen. Bei einer nichtöffentlichen Sitzung des Vaihinger Gemeinderats am letzten Mittwoch präsentierten auf jeden Fall zwei Unternehmen aus dieser Branche ihre Pläne für eine Ansiedlung auf dem „Perfekten Standort“. Entschieden wurde aber noch nichts.
Thorsten Leupold, städtischer Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer der interkommunalen Grundstücks- und Projektgesellschaft, wollte diese Pläne weder dementieren noch bestätigen. Die offizielle Sprechart: „Wir haben derzeit einige Anfragen, darunter vier richtig konkrete Sachen.“
Dass die Gewerbeflächen – weitere 35 Hektar können noch auf der anderen Straßenseite erschlossen werden – Begehrlichkeiten von Speditionsfirmen wecken, ist ein offenes Geheimnis. Nicht umsonst hat der Verband Region Stuttgart signalisiert, dass er Potenzial für weitere Logistikfirmen auf dem „Perfekten Standort“ sehe – ohne dabei aber auf einen gesunden Branchenmix zu verzichten.
Und so hegen zwei Logistiker (einer davon will das Industriegleis als Option nutzen) Interesse an Gewerbeflächen. Dazu sind zwei produzierende Betriebe in der „Warteschlange“ der Interessenten.
Obwohl Wirtschaftsförderer Leupold abwinkt und beteuert, dass der „Perfekte Standort“ kein Schwerpunkt für Logistiker werden wird, werden die Bürger in den umliegenden Orten nicht in Freudentaumel ausbrechen. Lärm und zunehmender Verkehr sind die Konsequenzen aus den Neuansiedlungen.
Bereits beim Bauvorhaben des dänischen Unternehmens DSV, das im Auftrag der Karlsruher Drogeriekette dm auf 8,2 Hektar ein Logistikzentrum erstellt, bildete sich die Interessengemeinschaft „Wohngebiet Altes Bahnhöfle“. Die Bürger beklagten den falschen Standort im nordwestlichen Teil des Gewerbegebiets, bemängelten ein fehlendes Gesamtkonzept und forderten ein qualifiziertes Lärmgutachten. Der Petitionsausschuss des Landtags wurde angerufen (noch keine Entscheidung) und ein Eilverfahren beim Verwaltungsgerichtshof angestrengt. Die Richter lehnten aber den beantragten Baustopp ab (die VKZ berichtete). Einer der Kläger wohnt in einem Gebäude „In der Laute“. Da sich sein Haus im Außenbereich befinde, müsse er dort mit einem höheren Lärmpegel als in einem Wohngebiet rechnen. Außerdem halte der Logistiker, dem Gericht zufolge, die Richtwerte für Dorf-, Misch- und Kerngebiete ein. Den Vorwurf der Kläger, dass bei dem Lärmgutachten die Geräusche des Rückfahrwarners der Lastwagen nicht berücksichtigt worden seien, ließen die Richter nicht gelten: „Es spricht einiges dafür, dass die Geräusche einbezogen wurden.“
Der zweite Kläger aus der Panoramastraße erzielte einen kleinen Erfolg. Die Stadt Vaihingen war der Auffassung, dass auch dieses Gebäude in einem Außenbereich liege. Das Gericht vertrat jedoch die Meinung, dass die Panoramastraße als Wohngebiet zu sehen sei. Deshalb gelten dort strengere Regeln. Tagsüber seien maximal 55 Dezibel und nachts höchstens 40 zumutbar. Nachts liege der prognostizierte Lärmpegel zwar ein Dezibel über dem Höchstwert, dies sei jedoch kein Grund für einen Baustopp und lasse sich durch zusätzlichen Lärmschutz regeln.
So schreitet der Bau des Verteilzentrums für die Drogeriekette weiter voran. Ab August soll der Betrieb starten.
Doch nicht nur DSV baut rund um die Uhr, auch die Vaihinger Firma Ibek Gerüstbau hat dieser Tage mit dem Erstellen eines Lagerplatzes und einer Produktionshalle auf einer Fläche von über 5000 Quadratmetern begonnen. Direkt an der Straße zwischen Kleinglattbach und Illingen hat die TLC Consulting ein 3700 Quadratmeter großes Grundstück erworben, um hier ein „Entertainment-Center“ zu bauen. Die Baugenehmigung liegt vor, doch der Baubeginn steht noch nicht fest.
Oberbürgermeister Gerd Maisch verkündete bereits letzte Woche via Pressemitteilung: Der „Perfekte Standort“ werde noch mehr Sogwirkung entwickeln. Das freut auch Wirtschaftsförderer Leupold: „Das Vermarkten macht zurzeit richtig Spaß.“


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