Donnerstag, 17. Mai 2012

Pferde weichen dem Futtermais


Hier fand früher das Vaihinger Jugendreitturnier statt. Foto: Schmid

Vaihingen – Eigentlich wollte die Reitabteilung des TV Vaihingen Ende August die Wiesen neben dem alten Badplatz an der Enz wieder für ihr Jugendreitturnier nutzen. Daraus wird aber nichts: Die Reiter müssen mit ihren Tieren dem Futtermais weichen.

Das Vaihinger Jugendreitturnier hat rund zehn Jahre auch auf den Hochwasserwiesen an der Enz stattgefunden. Der Hochdorfer Landwirt Rüdiger Beck überließ den Reitern für diesen Zweck seinen gepachteten Grund. Dafür, dass er die Flächen brachliegen gelassen und auf eine landwirtschaftliche Nutzung verzichtet hatte, bekam er von der Europäischen Union eine Vergütung.

Doch der Finanzstrom aus den Subventionskassen des Staatenverbunds ist mittlerweile versiegt. Deshalb hat sich der Landwirt dazu entschlossen, die Wiesen als Äcker zu nutzen. Den Vaihinger Reitern, die Ende August auf eben diesen Flächen wieder ihr Jugendreitturnier veranstalten wollten, gefällt das aber überhaupt nicht: „Das Turnier kann in diesem Jahr nicht durchgeführt werden“, sagt Jutta Haberer-Knodel, die auch davon spricht, dass Rüdiger Beck damit einen schlechten Stil an den Tag gelegt habe. „Mich ärgert vor allem, dass die Reiter darüber nicht informiert wurden, sie haben es erst gesehen, als es schon längst zu spät war.“

Und kaum hatte der Hochdorfer Landwirt damit begonnen, die Wiesen umzugraben, machte auch schon ein Gerücht die Runde: Manche vermuteten, dass auf dem neuen Ackerland Mais angebaut wird, der teuer an Biogasanlagenbetreiber verkauft werden könnte. Und auch die Frage, ob es im Sinne des Naturschutzes sein kann, dass aus den Hochwasserwiesen, die jahrelang verhindert hatten, dass wertvoller Boden abgeschwemmt wird, Äcker werden, erhitzte so manches Gemüt.

Doch zumindest in einem Punkt kann Entwarnung gegeben werden. „Der Mais wird getrocknet und an unsere Schweine verfüttert“, erläutert Rüdiger Beck auf Nachfrage der VKZ. An die Biogasanlagenbetreiber im Landkreis werde die Ernte nicht verkauft.

„Mit den Reitern hat unsere Entscheidung nichts zu tun“, meint Landwirt Rüdiger Beck. Normalerweise sei die Reitabteilung im Vorfeld des Turniers auf ihn zugekommen, dieses Jahr habe ihn keine Anfrage erreicht. Deshalb habe er es nicht für nötig erachtet, sie zu informieren. Ein kleines Fünkchen Hoffnung möchte er den Veranstaltern des Turniers aber dennoch lassen: „Vielleicht bauen wir irgendwann Getreide an, dann könnte das Turnier nach der Ernte veranstaltet werden.“

Die Reiter haben mit dem Thema abgeschlossen: „Ich finde es schade, aber es ist seine Entscheidung, was mit den Flächen passiert“, sagt Barbara Ott, die in den vergangenen Jahren die Turniere geleitet hatte.

Philipp-Marc Schmid


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