Vaihingen (aa) – 61,7 Hektar Wohnbauflächen will die Stadt Vaihingen in der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes (FNP) ausweisen und sich damit Reserven bis ins Jahr 2020 schaffen. Der Gemeinderat hat den Entwurf des FNP akzeptiert. Die acht Gegenstimmen kamen vor allem aus dem Lager der Grünen.
„Der Schutz der Natur zählt nicht mehr“, wurde in den Zuschauerreihen in einer Landwirtsriege gegrummelt. Und auch die Grünen brachten einmal mehr ihre Bedenken gegen den ihrer Meinung nach überzogenen Flächenbedarf zum Ausdruck. Da waren auch die Erklärungen vomVerwaltungstisch kein Trost, wonach die Aufnahme von Flächen im FNP nicht zwangsläufig eine Bebauung nach sich ziehen würden. Bürgermeister Wilfried Nestle: „Das passiert natürlich erst mit einem Bebauungsplan.“
Vaihingen gehört zu den am stärksten wachsenden Kommunen in der Region Stuttgart. Derzeit hat die Stadt rund 29000 Einwohner, bis 2020 sollen es rund 31100 sein. Auf dieser Prognose basiert die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes. „Unsere derzeitigen Baureserven reichen nicht aus“, unterstrich im Gemeinderat Stadtplaner Ernst Loos. Er bezeichnete es als realistisch, wenn bis 2020 etwa 75 Prozent der im FNP vorgesehenen Bauflächen auch realisiert würden.
Unterschieden werden die Faktoren „natürliche Entwicklung“ sowie „Wanderungsgewinne“. Für Vaihingen ergibt sich die Besonderheit, dass der Bedarf an Wohneinheiten durch Eigenentwicklung deutlich gestiegen ist, während der Anteil aufgrund von Wanderungsgewinnen zurückging. Die Wanderungsgewinne sollen vor allem in Vaihingen und Kleinglattbach untergebracht werden; für alle anderen Teilorte ist künftig nur die Eigenentwicklung geplant (siehe Zusammenstellung unten). „Wir wollen die Entwicklung da vorantreiben, wo es auch bereits die Infrastruktur gibt“, merkte Oberbürgermeister Gerd Maisch an. Der Wohnflächenbedarf werde sich weiter verändern. In Vaihingen seien es derzeit 2,3 Personen pro Wohnung, in 15 Jahren rechne man mit dem Faktor 2,05.
Die großen Wohngebiete sollen in Vaihingen (Auweingärten/Galgenfeld) und in Kleinglattbach (Kleinglattbach Süd) realisiert werden. Die Umsetzung wird hier allerdings noch viele Jahre in Anspruch nehmen, denn fürs Galgenfeld, wo ein ausreichender Abstand zu den dort angesiedelten landwirtschaftlichen Betrieben gewahrt werden soll, ist ein Wettbewerb angedacht. Als Puffer (Ernst Loos: „Wir können in Vaihingen praktisch keine städtischen Plätze mehr anbieten“) ist das Gebiet „Leinfelder Weg“ (zwischen „Unter den Weingärten“ und ehemaliger WEG-Trasse) ins Visier genommen worden. Der Antrag der Grünen, diesen Bereich und auch die Verlängerung Gerokstraße – Kehlstraße (Rötenhard) herauszunehmen, kam nicht durch. Die Grünen wollten insgesamt auch 13,5 Hektar Gewerbe-/Sondergebiete gestrichen haben, „denn wir müssen mit unseren Ressourcen sorgsam umgehen“.
„Baugebietsausweisung
eng am Bedarf ausrichten“
Matthias Siehler (FW, Enzweihingen) mahnte in der Diskussion einen sinnvollen Umgang mit der Schöpfung an. Die Flächen würden vor allem der Landwirtschaft entzogen. Im Zeichen einer drohenden Nahrungsmittelknappheit falle es nicht leicht, hier zuzustimmen. Die Ausweisung neuer Baugebiete müsse eng am Bedarf ausgerichtet werden. Den Grünen ging der Flächenbedarf „bei einem nur unwesentlichen Wachstum von einigen hundert Einwohnern“ entschieden zu weit. Ulrike Schmidt-Hitschler (Vaihingen) befürchtete einen Verteilungskampf zwischen den Kommunen um Einwohner. Diesen Kleinkrieg dürfe man nicht auf dem Rücken der Fläche austragen. Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach) sah in der Ausweisung Rötenhard („Bloß, weil wir da mal vielleicht eine Straße bauen wollen“) und Leinfelder Weg keinen Sinn. Professor Gustl Lachenmann (FDP, Vaihingen) wollte lieber größere Flächen als einen Flickenteppich.
Im Rahmen der Gemeinderatssitzung ist auch der Vorentwurf für den Landschaftsplan auf die Reise geschickt worden (ohne inhaltliche Festlegungen). Der Plan war in zehn Vorberatungen diskutiert worden. Vor allem aus der Fraktion der CDU kam dazu Kritik (und insgesamt neun Gegenstimmen), „da die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes und des Landschaftsplanes nicht auf dem gleichen Stand sind“ (Jürgen Rapp, Vaihingen). Der Entwurf besteht aus den Plänen Ziele und Maßnahmen, Potenzial Boden, Wasser, Klima/Luft, Arten/Lebensräume/biologische Vielfalt, Landschaftsbild/Erholung, Konflikte.
Vaihingen stellt den Flächennutzungsplan in der Verwaltungsgemeinschaft mit Sersheim, Eberdingen und Oberriexingen auf. Aus den Nachbargemeinden wurden insgesamt 32 Hektar zusätzlicher Wohnbaufläche angemeldet. Dazu kommen 18 Hektar Gewerbeflächen. Die Entwürfe werden jetzt öffentlich ausgelegt.
Die geplanten Bauflächen
Vaihingen (aa) – Der Vaihinger Gemeinderat hat für die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes (FNP) diese Auswahl der Bauflächen im Stadtgebiet vorgenommen.
Vaihingen
Wohnbauflächen 15,9 ha (Eigenentwicklung und Wanderungsgewinne): Zwischen Gerok- und Kehlstraße (Rötenhard) 2,3 ha, Leinfelder Weg 3,5 ha, Auweingärten/Galgenfeld 10,1 ha (davon 3 ha bereits im FNP 1980 ausgewiesen). Gewerbliche Bauflächen: 17,8 ha, Fuchsloch III 12 ha (bereits im FNP 1980 als Sonderbaufläche ausgewiesen), Galgenfeld 5,8 ha.
Enzweihingen
Wohnbauflächen 5,9 ha (Eigenentwicklung): Hochdorfer Straße, Unteres Kreuz, Brunnenhalde 5,9 ha (davon 2,2 ha bereits im FNP 1998 ausgewiesen). Gemischte Bauflächen: 1,1 ha, Breite 1,0 ha, Kleingärten (südlich B 10) 0,1 ha (bereits im FNP 1980 als gewerbliche Baufläche ausgewiesen). Gewerbliche Bauflächen: 0,4 ha (nördlich B 10, im FNP 1980 als Grünfläche ausgewiesen).
Kleinglattbach
Wohnbauflächen 21,1 ha (Eigenentwicklung und Wanderungsgewinne): Kleinglattbach Süd 20 ha (geringfügig veränderte Ausformung der im FNP 1998 ausgewiesenen Wohnbaufläche). Gemischte Bauflächen: An der Bahnschranke 1,1 ha (Gewerbebrache, im FNP 1980 als gewerbliche Baufläche ausgewiesen, Anrechnung auf Wohnbauflächenbedarf, hinzu kommen noch ca. 0,8 ha bereits bebaute, überwiegend gewerblich genutzte Flächen).
Riet
Wohnbauflächen (Eigenentwicklung): Steinbössle I 0,8 ha, dafür Herausnahme „Östliche Raiffeisenstraße“ 0,4 ha.
Roßwag
Wohnbauflächen (Eigenentwicklung): Langäcker 2,0 ha.
Ensingen
Wohnbauflächen (Eigenentwicklung) 4,8 ha: Illinger Höhe 3,9 ha, Hinter dem Hof 0,9 ha. Gemischte Bauflächen: In der Laute 4,0 ha (im FNP 1998 als gemischte Bauflächen ausgewiesen). Gewerbliche Bauflächen: Ensingen Süd Teil II 14,9 ha (im FNP 1998 als gewerbliche Bauflächen ausgewiesen). Sonderbauflächen: Ensingen Süd Teil II 7,1 ha (im FNP 1998 als Sonderbauflächen für höherwertige Dienstleistungen ausgewiesen).
Horrheim
Wohnbauflächen 5,1 ha (Eigenentwicklung): Nördlich Maulbronner Straße 1,8 ha, Aschacher Feldle, Kalkäcker 1,6 ha (hinzu kommen noch ca. 2,3 ha bereits bebaute Flächen). Gewerbliche Bauflächen: Pfädle 5,4 ha.
Gündelbach
Wohnbauflächen 2,9 ha (Eigenentwicklung): Hildenäcker 1,1 ha, Hohe Wiesen 0,7 ha, Kästner 1,1 ha (Eigenentwicklung). Gewerbliche Bauflächen 0,4 ha, Am Kreuzweg 0,4 ha (Betriebserweiterung).
Aurich
Wohnbauflächen 2,6 ha (Eigenentwicklung): Nordöstlich Dieselstraße 1,0 ha, Südlich Hohbergstraße 0,2. Das Auricher Defizit soll durch eine Umnutzung von Gewerbebrachen ausgeglichen werden.
Die Wohnbauflächen in der Summe betragen 61,7 ha, als gemischte Bauflächen sind 6,2 ha ausgewiesen, als gewerbliche Bauflächen sind es 38,9 ha, als Sondergebiete 7,1 ha.
