Vaihingen (aa) – Die Entscheidung im Gemeinderat war eindeutig: Der Bau der umstrittenen Hochwasser-Rückhaltebecken bei Riet wird nicht verschoben. Nur zwei Stadträte sprachen sich am Mittwoch für eine Veränderung der Planung aus. Die beiden Becken sollen im Dialog mit den Betroffenen und unter Anhörung der kommunalen Gremien optimiert werden.
Die „Hängepartie“ (Bürgermeister Wilfried Nestle) ist beendet. „Es hat keine neuen Erkenntnisse gegeben, die zu einer Veränderung des Konzeptes führen“, betonte Nestle im überfüllten Sitzungssaal des Vaihinger Rathauses. Die Verwaltung wollte ursprünglich die umstrittenen Rieter Becken R3 und R3.1 zurückstellen und die Möglichkeit bieten, die Planung bis Mitte 2009 zu optimieren. Jetzt soll das, so die Empfehlung aus dem Technischen Ausschuss und nach dem Willen des Enzweihinger Ortschaftsrates, kurzfristig geschehen. Im Gemeinderat fand der einzige Rieter Vertreter, Helmut Raichle (FW), nur in FDP-Mann Friedrich Wahl (Vaihingen) einen Mitstreiter für die Ablehnung der „schnellen“ Planung. Wahl wollte zuerst das Wasser von den Seiten aufhalten.
Vor dem Gemeinderat begründete Dr. Andreas Hutarew vehement die Notwendigkeit des Hochwasserschutzes (Verpflichtung laut Gesetz) und warnte vor den Starkregen-Ereignissen, die er mit der Klimaveränderung in Verbindung brachte. Leider sei der Dialog in den letzten Monaten nicht rational, sondern emotional geführt worden: „Wir mussten viel Unnötiges über uns ergehen lassen.“ Hochwasserschutz sei nun einmal mit Veränderungen verbunden. Und: In Riet sei in den letzten 60 Jahren eine 25-fache Versiegelung der Flächen betrieben und damit dem Strudelbach der Platz genommen worden. Das habe natürlich auch Auswirkungen.
Der vom Zweckverband Hochwasserschutz Strudelbachtal beauftragte Planer aus Pforzheim will künftig durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit aufklärend wirken. Aus den aus seiner Sicht „kleinen“ Becken (je 43000 Kubikmeter) soll das Wasser dosiert abgeführt werden. Es sei eine Minimierung der Normen erreicht worden, machte Hutarew den Rietern, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengefunden haben und vor allem gegen hohe Mauern beim Sportplatz-Becken sind, Hoffnung. Der Damm und die neue Kreisstraße könnten zum Beispiel als ein Bauwerk geplant werden. Der Sportplatz könne in den DFB-Maßen ausgeführt werden.
Von Helmut Raichle wurden unter anderem die Risiken einer Vertiefung des Baches in der Ortslage angesprochen („Keller laufen voll“) und beklagt, dass „Beschlüsse von Leuten gefasst werden, die geografisch weit weg wohnen“. Zur Vertiefung die Antwort Hutarew: „Hier dreht es sich um maximal 50 Zentimeter, eine Sohlmodulation darf zu keinen Nebenwirkungen führen.“ Und zur Geografie-Anmerkung die Meinung des Enzweihinger Ortsvorstehers Eduard Aldinger (FW): „Wenn damit wir gemeint sein sollten: Wir Enzweihinger wissen, was ein Hochwasser ist.“
„Wir vertrauen der ingenieurfachlichen Kompetenz des Herrn Hutarew und sind von den Argumenten der Rieter nicht überzeugt“, war die Aussage von Susanne Schwarz-Zeeb (Grüne, Vaihingen). Sie witterte eher das Sankt-Florians-Prinzip. Auch Professor Gustl Lachenmann (FDP, Vaihingen) sah keinen Grund, seinem Kollegen Hutarew nicht zu vertrauen.
„Uns geht es um den praktischen Hochwasserschutz“, unterstrich Thomas Fritz (CDU, Ensingen). Es habe in Riet lange gegärt, der Druck sei nun abgelassen worden. Die Planungen im „Nutzen-Verschandelungsverhältnis“ seien durchaus zu rechtfertigen. „Wir müssen in den Gremien über die Ausgestaltung der Bauwerke reden“, war die Forderung von Eberhard Berg (SPD, Kleinglattbach) für den Beschlussvorschlag. Eduard Aldinger warb eindringlich für einen zeitnahen Schutz und die alte Reihenfolge der Maßnahmen.
„Ich höre gerne, dass wir in Riet mehr gehört werden sollen“, freute sich Ortsvorsteherin Roswitha Haid. Man wehre sich nicht gegen den Hochwasserschutz, aber 3,20 Meter hohe Mauern seien nicht zu begründen: „Wir wollen eine vernünftige Lösung haben und uns nicht als Blockierer und Verhinderer darstellen lassen. Wenn die Planungen optimiert werden, können wir sicher damit leben.“ Auf die neuen Beckenentwürfe darf man gespannt sein.
