Schützingen (ub) – Der Ort Schützingen mit seinen 893 Einwohnern gilt als schmuckes Fachwerkdorf, als dörfliche Idylle. Viele der Gebäude im alten Ortskern sind historisch – so stammt beispielsweise das Gebäude Hauptstraße 34 aus dem Jahr 1558. Aber viele Gebäude haben eine Renovierung dringend notwendig. Das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung: Für insgesamt über 71 Prozent aller Gebäude sind Modernisierungsmaßnahmen erforderlich.
Heute Abend (19 Uhr im Vereinsheim des TV Schützingen) wird bei der Sitzung des Illinger Gemeinderats ein Konzept für die integrierte und nachhaltige Entwicklung von Schützingen vorgelegt. Das Karlsruher Planungsbüro von Michael Nickel hat die Gebäudeleerstände erhoben und ein innerörtliches Nutzungskonzept vorgelegt. Diese Konzeption soll als Grundlage für einen Antrag zur Aufnahme Schützingens ins Förderprogramm des Landes „Entwicklung Ländlicher Raum“ (ELR) dienen.
Insbesonde sollen mit dem Entwicklungsprogramm des Landes Maßnahmen gefördert werden, die zu einer Strukturverbesserung des Ortes in seiner Gesamtheit führen. Dabei liegt das Schwergewicht auf der Innenentwicklung, also die Umnutzung von bestehenden Gebäuden, die Schließung von Baulücken, die Entflechtung von unverträglichen Gemengelagen.
Das Planungsbüro, das 112 Eigentümer im Bereich der Hauptstraße, der Illinger Straße sowie in einem Teil der Großen Gasse befragte sowie eine Begehung durchführte, eruierte im alten Ortskern von Schützingen vier besondere Plätze: den Kirchplatz, das Rathaus, das kleine Plätzchen an der Einmündung der Großen Gasse und die Biegung der Hauptstraße beim Friedhof und westlichen Ortsausgang. Stadtplaner Michael Nickel: „Viele der Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Eine große Anzahl der Wohnhäuser, weniger die Scheunen, wurde bereits liebevoll restauriert. Trotzdem bestehen noch zahlreiche Gebäude, die modernisiert und gestalterisch verbessert werden müssen. Störend sind in einigen Fällen der schlechte Zustand der Gebäude oder vernachlässigte Fassaden. Dies gilt insbesondere für unbewohnte Anwesen, die teilweise in nicht mehr bewohnbarem Zustand sind.“
Dabei eigne sich die Ortslage von Schützingen besonders als Wohn-, Fremdenverkehrs- und Versorgungsstandort. Dazu könnten die bestehenden Reserven an bislang untergenutzter Bausubstanz und brachliegenden innerörtlichen Flächen genutzt werden, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Dies gelte insbesondere für die zahlreichen Scheunen. Im Konzept heißt es weiter: Auf einigen Grundstücken muss durch Abbruch abgängiger Bausubstanz und Neubau von angepassten Wohnhäusern eine städtebauliche Neuordnung erreicht werden.
Bei der „Grundversorgung“ wurde von den Schützingern in einer Umfrage das Fehlen einer Bäckerei bemängelt. Geplant ist von einem Bauherren jetzt aber die Ansiedlung einer Bäckerei mit Café sowie eine Praxis für Homöopathie. Die Gemeinde plant die Sanierung des Backhauses hinter dem alten Rathaus. Es wurde 1839 erbaut und befindet sich in einem „dringend sanierungsbedürftigen Zustand“. So hat die nördliche Giebelwand erhebliche Schäden, die zwei eingebauten Öfen drohen einzustürzen. Da das Gebäude im kulturellen Leben eine wichtige Funktion habe, sei die Erhaltung von besonderer Bedeutung.
Für die Nutzungskonzeption, die heute dem Gemeinderat vorgelegt wird, wurde von den Karlsruher Architekten auch der Gebäudezustand im alten Ortskern erfasst. Schwerwiegende Mängel, was einen Abbruch zur Folge hat, hat keines des 115 Hauptgebäude. Allerdings weisen 34,8 Prozent der Gebäude leichte Mängel auf, 52,2 Prozent deutliche Mängel und 10,4 Prozent erhebliche Mängel. Bei den Nebengebäuden haben 71,7 Prozent deutliche Mängel.
Von den 47 Eigentümern, die die Frage nach geplanten Maßnahmen an Gebäuden beantworteten, wollen 22 etwas tun. Weitere 13 Eigentümer haben sich noch nicht entschieden. Nur elf Privatleute sind sicher, keine Sanierungen durchführen zu wollen. 19 Eigentümer gehen von Kosten von zum Teil weit über 25000 Euro für die Modernisierung aus.
