Vaihingen – Der Vaihinger Bürger-Treff hat eine Erfolgsgeschichte hingelegt. Am Wochenende feiert der Verein sein zehnjähriges Bestehen – da will am Freitag zum Festakt in der Stadthalle sogar Ministerpräsident Günther Oettinger gratulieren. Getrübt werden die Feierlichkeiten durch den überraschenden Tod des Vorsitzenden Stefan Faltum, bei dem die Fäden für den Geburtstag zusammengelaufen waren.
Montagnachmittag. Im Raum Vaihingen sitzen rund 15 Frauen und Männer und spielen. Skat, Binokel und Rommé sind heute angesagt. Das ist nur eines der Angebote aus dem Programm des Bürger-Treffs in der Grabenstraße. Drei Dutzend Gruppen haben hier eine Heimat gefunden. An im Durchschnitt 22 Tagen im Monat werden zwischen 29 und 37 unterschiedliche Veranstaltungen angeboten – vom geselligen Tanzen bis zum PC-Kurs, vom Spaziertreff bis zum Kochclub für Männer und zum Gehirnjogging. Der Bürger-Treff ist zu einem Ort der Begegnung geworden – nicht nur für Ruheständler, die mit ihrer Freizeit noch etwas Sinnvolles anstellen wollen.
Wie ist der Bürger-Treff entstanden? Da muss man bis ins Jahr 1988 zurückblicken. Damals rief Marianne Fischer, Leiterin der Familien-Bildung, einen Kreis von Frauen zusammen. Ihre Fragestellung: Wie kann man die zunehmende Zahl älterer Menschen besser am Gemeinleben teilnehmen lassen? Aus dem Treffen entstand der Arbeitskreis „Das neue Alter“. Eine Gruppe von Frauen betrieb fortan im Dachgeschoss der Familien-Bildung, damals noch im Andreähaus ansässig, ein Informationstelefon. In Fortbildungskursen lernten die Damen den Umgang mit älteren Menschen und holten sich neue Ideen.
Ab 1992 gab es das Kontakt-Café. Einmal im Monat war zunächst im Andreähaus der Treffpunkt, bald reichte dort der Platz nicht mehr aus, man musste in den Löwensaal der Stadthalle ausweichen. Zeitweise kamen nämlich bis zu 100 Besucher – vorwiegend Frauen. 1993 startete Gertrud Bauer einen monatlichen Spaziertreff, zu dessen Abschluss es Kaffee und Kuchen gab. Im Rahmen einer Weiterbildungsveranstaltung wurde von einer Gruppe ein Konzept für einen Treffpunkt für ältere Menschen konzipiert.
Bei der Stadtverwaltung Vaihingen wurden die Aktivitäten mit Interesse verfolgt. Klar war jedoch von Anfang an, dass die Stadt nicht selbst als Träger eines Treffpunktes für ihre älteren Bürger auftreten wollte. Als 1996 die Gebäude Grabenstraße 18 und 20 gekauft wurden, war die Zielsetzung klar: Hier sollten neben dem Bürger-Treff (den Namen gab es damals noch nicht) auch die Familien-Bildung und Vaihinger Vereine eine Heimat finden.
Es wurden dann tatsächlich erfahrene Senioren gefunden, die sich mit viel Engagement an die Aufgabe machten und den Innenausbau des heruntergewirtschafteten Gebäudes Grabenstraße 20 in die Hände nahmen. Mehr als 3000 freiwillige Arbeitsstunden wurden geleistet.
Parallel zu den Ausbauaktivitäten ergriff die Stadtverwaltung die Initiative zur Gründung eines neuen Vereins. Im Juli 1997 fand eine erste Sitzung statt. Es wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe mit der Vorbereitung einer Vereinsgründung zu beauftragen. Als Vorsitzenden hatte Oberbürgermeister Heinz Kälberer wohl Stadtrat Horst Laier im Blick, doch der hatte damals noch zu viel am Hut. Laier brachte Stefan Faltum ins Gespräch, der am 20. März 1998 an die Spitze des Vereins gewählt wurde. Schon bei der Gründungsversammlung traten 111 Personen dem neuen Verein bei. Ideen wurden eingebracht, erste Gruppen gebildet. Bis heute arbeitet der Verein nach diesem Muster: Wenn jemand sein Wissen an andere weitergeben will und sich bereiterklärt, eine entsprechende Gruppe zu leiten, dann bekommt er vom Vorstand grünes Licht und kann den Start der Gruppe vorbereiten. Im Juni 1998 wurden die Gebäude Grabenstraße 18 und 20 offiziell zur Nutzung übergeben.
„Der Bürger-Treff wurde zu einem Ort der Begegnung für junge und ältere Menschen“, freut man sich im Vorstand, der nach dem plötzlichen Tod von Stefan Faltum von Lothar Knapp geleitet wird. Ziele sind das gemeinsame Tun, das Lernen voneinander und die persönliche gegenseitige Hilfe. Hier kann man sich zwanglos treffen, Erfahrungen austauschen und Freundschaften schließen. Alle Aktiven arbeiten unentgeltlich. Soweit dem Bürger-Treff keine Kosten anfallen, werden auch alle Aktivitäten unentgeltlich angeboten.
Neun Räume stehen dem Verein, der inzwischen 836 Mitglieder hat (Stand April 2008) auf einer Ebene zur Verfügung – alle tragen jeweils den Namen eines Vaihinger Teilortes. Der Verein hat die Räume von der Stadt Vaihingen unentgeltlich überlassen bekommen, muss jedoch für die Unterhaltskosten aufkommen.
Sehr beliebt im Angebot sind der Spaziertreff an jedem zweiten Sonntag und das Sonntags-Café am vierten Sonntag im Monat. Stark entwickelt hat sich die Gruppe 60 plus/minus, die vorwiegend kleine Ausflüge durchführt. Dazu gibt's unter anderem sportliche Gruppen (Walking, Radfahren, Wandern), Kulturangebote, jeden Menge PC-Gruppen, Sprachkurse, Patchwork-Runden oder – wie zum Beispiel gestern Nachmittag – lockere Spieletreffen.
