Donnerstag, 17. Mai 2012

Granaten aus der Enz gefischt


Granatenfund aus der Enz. Foto: Elsässer
Granatenfund aus der Enz. Foto: Elsässer

Vaihingen (elf) – Schwäne auf der Wasseroberfläche, Granaten auf dem Grund – die Enz als Fluss der Gegensätze. Gestern waren einmal mehr die Wasserschutzpolizei Stuttgart und Heilbronn sowie der Kampfmittel-Beseitigungsdienst des Landes Baden-Württemberg damit beschäftigt, im Bereich des alten Badplatzes in Vaihingen Munition und Granaten aus dem 2. Weltkrieg aus der Enz zu fischen.
Es waren nicht die Zeiten von Umwelt- und Naturschutz. Nach dem 2. Weltkrieg hieß die Devise Wiederaufbau. Da kam die Enz als „Auffangbecken“ für Geschosse gerade recht. So landeten in dem Gewässer Tonnen an abgeschossener und ungebrauchter Munition, die sonst teuer und aufwändig hätte abtransportiert werden müssen. Und obwohl der Kampfmittel-Beseitigungsdienst des Landes Baden-Württemberg regelmäßig zwischen Vaihingen und der Seemühle kistenweise Munition aus der Enz holt, ist ein Ende nicht abzusehen. Auch gestern waren acht Taucher (eine Frau und sieben Männer) stundenlang damit beschäftigt, 180 Munitionsteile mit einem Durchmesser von 15 Millimeter bis 15 Zentimeter sowie Waffenteile aus der Enz zu bergen und ans Ufer zu bringen.
Der Tag bot sich deswegen für die Aktion an, weil das regnerische Wetter für einen erhöhten Wasserspiegel im Vaihinger Flüsschen sorgte. „Dann werden die Dinger freigespült“, erklärte Robert Melzer von der Wasserschutzpolizei Stuttgart. Eine zweischneidige Sache, denn aufgrund der stärkeren Strömung hatten die Taucher auch mehr Mühe, sich in der Enz fortzubewegen. Ohnehin gibt es angenehmere Arbeiten, als in der Enz nach Munition zu fischen. So beträgt die Sichtweite unter Wasser gerade Mal 20 bis 40 Zentimeter.
Deswegen benötigen die Taucher einen guten Tastsinn und viel Fingerspitzengefühl, zumal die Granaten auch mehr als 60 Jahre nach dem Krieg noch ganz schön gefährlich sein können. „Oft muss man daran rütteln und ziehen, bis man die Dinger entfernen kann“, weiß Melzer. Außerdem seien viele Munitionsteile mittlerweile ziemlich verrostet. „Da hat man schon ein mulmiges Gefühl“, gibt einer der Taucher zu. Schließlich erkenne man unter Wasser auch nicht, ob die Munition bereits abgeschossen wurde oder nicht.
Doch auch gestern wurde die Aktion ohne besondere Zwischenfälle abgeschlossen. Froh darüber dürften wohl auch die Schwäne gewesen sein, die anschließend wieder genüsslich ihre Runden auf dem Wasser drehten…


Seitenanfang