Wie steht es in Vaihingen mit der Kriminalität?
Vaihingen (aa) – 1029 Straftaten gab es im vergangenen Jahr in Vaihingen. „Im Vergleich zu Städten ähnlicher Größe fällt das nicht aus dem Rahmen“, ordnete Günther Jungmann, Leiter der Kriminalaußenstelle Vaihingen, dies vor dem Verwaltungs- und Finanzausschuss des Gemeinderates ein. Die Rubrik Straßenkriminalität steht mit 297 Fällen an erster Stelle.
Bei der Polizei wird nach sogenannten Häufigkeitskennziffern eingeteilt (berechnet auf 100000 Einwohner). Diese Kennziffer liegt in Vaihingen bei 3568. In Kornwestheim wird sie zum Beispiel mit 4866 ausgewiesen, in Ditzingen mit 3176.
661 Tatorte sind der Kernstadt Vaihingen zugeordnet worden, wobei sich der Bahnhof zu einer Art Schwerpunkt entwickelt hat (57 Fälle, 2006: 39). Im Industriegebiet Flosch waren es 36 Fälle (2006: 21). Für Aurich werden 21 genannt (17). Ensingen 44 (63), Enzweihingen 116 (126), Gündelbach 11 (12), Horrheim 40 (37), Kleinglattbach 103 (82), Riet 10 (9), Roßwag 12 (10). Insgesamt lag die Aufklärungsquote bei 49,8 Prozent. Gesunken ist zum Beispiel der Betrug an den Zapfsäulen der Tankstellen (von 54 auf 39 Fälle), was angesichts der hohen Spritpreise nicht erwartet worden war, doch greift hier offensichtlich die Überwachung. Auch das Thema Gewalt an der Schule ist nach Lage der Dinge nicht mehr ganz so brennend. Der Polizei wurde im letzten Jahr ein Fall angezeigt (2006: 4). Hier werden erste Erfolge in der Arbeit der Schulsozialarbeiter gesehen.
395 Tatverdächtige (2006: 477) sind von der Polizei ermittelt worden: unter anderem 279 Erwachsene. Unter 21 Jahre alt waren insgesamt 116 Personen, darunter 14 Kinder. Und der Anteil der Nichtdeutschen? 262 deutschen Tatverdächtigen stehen 133 nichtdeutsche gegenüber. Der Erste Polizeihauptkommissar Gerd Esenwein bei der Vorstellung des Berichts zur Kriminalitätsentwicklung: „Die Quote kann jeder selbst ausrechnen. Wir müssen hier unbedingt auf Integration setzen.“ Natürlich hatte Esenwein die Fakten in der Statistik ausgedruckt: Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt bei 33,7 Prozent (bei einem Bevölkerungsanteil von 12,7 Prozent). Kommentar Eduard Aldinger (FW, Enzweihingen): „Das ist erschreckend.“
Von der Kriminalpolizei, deren Organisationseinheit in Vaihingen acht Beamte umfasst (in der Realität sind es allerdings derzeit nur sechs), sind im vergangenen Jahr exakt 100 Fälle, die die Stadt Vaihingen betreffen, in die Statistik eingeflossen (2006: 79). Die Zahl der Sexualdelikte ist in etwa gleich geblieben (11). Hier ist die Aufklärungsquote 100 Prozent. Günther Jungmann: „Je kapitaler die Fälle, umso höher sind die Aufklärungschancen.“ Insgesamt mussten die Kripobeamten in 36 Fällen bei Todesermittlungen aktiv werden (13 davon in Vaihingen), denn bei einer unklaren Todesursache wird vom Arzt auch die Polizei gerufen. Jungmann: „Wir müssen dann einen natürlichen Tod draus machen. Aber ernsthaft: Es war kein Kapitalfall darunter.“
Zum Marktplatz wurde die Polizei im letzten Jahr elf Mal gerufen (2006: 29). Dafür ist die Zahl der Einsätze am Bahnhof gestiegen. „Der Bahnhof gehört zwar zum Bereich der Bundespolizei“, erklärte Gerd Esenwein, „doch wenn die in Crailsheim ist, dauert es, bis sie in Vaihingen ankommt. Da fühlen wir uns schon verantwortlich. Und wir werden auch künftig ein Auge auf den Bahnhof haben.“ Im Februar 2007 gab es dort übrigens eine Serie von 19 Autoaufbrüchen. Drei Personen konnten am Tatort festgenommen werden. Im Mai wurden im Bereich Aschmannstraße 25 Autos geknackt. Hier handelte es sich um überregional agierende Täter. Im September wurde in 13 Firmen und Gaststätten eingebrochen. Drei polizeibekannte Männer sind geschnappt worden. Ziel von Einbrechern waren wiederholt auch Spielhallen, in denen blitzschnell Automaten geplündert wurden. Aktiv waren hier vor allem durchreisende Gruppen.
Einen Verdacht äußerte in der Ausschusssitzung Armin Zeeb (Grüne, Vaihingen): „Das Delikt Ruhestörung wird wohl nicht mehr so ernst genommen.“ Der Hintergrund: Die Zahl der Fälle war von 199 auf 50 gesunken. Den Spekulationen wurde heftig widersprochen. „Es wird sehr wohl erfasst und natürlich auch kontrolliert“, verteidigte Esenwein seine Kollegen.
