Donnerstag, 17. Mai 2012

Ein Schatz auf der Bühne


Gestern überreichten Vertreter des Männergesangvereins Vaihingen historische Unterlagen an das Stadtarchiv Vaihingen. Von links Stadtarchivar Lothar Behr, Dieter Olpp, Historiker Dr. Manfred Scheck und Konrad Zluhan vom Männergesangverein. Foto: Bögel
Gestern überreichten Vertreter des Männergesangvereins Vaihingen historische Unterlagen an das Stadtarchiv Vaihingen. Von links Stadtarchivar Lothar Behr, Dieter Olpp, Historiker Dr. Manfred Scheck und Konrad Zluhan vom Männergesangverein. Foto: Bögel

Vaihingen (ub) – Für den Vaihinger Historiker Dr. Manfred Scheck sind die Dokumente, obwohl nur einzelne Fragmente, „unglaublich wertvoll“. „Das sind einzigartige Quellen.“ Gestern überreichten Vertreter des Männergesangvereins Vaihingen Statuten, Festschriften und Urkunden aus der 175-jährigen Geschichte des Vereins an Stadtarchivar Lothar Behr.
Damit werden nicht nur die Unterlagen des Stadtarchivs ergänzt, sondern die Schriften werden auch postwendend „verwertet“. Scheck recherchiert und schreibt derzeit am zweiten Teil des Aufsatzes über Musiker und Musikerinnen in Vaihingen (nach 1848 bis 1960), der im Band 12 der Schriftenreihe (Erscheinungsdatum voraussichtlich im Dezember) veröffentlicht wird.
Und da kommen die historischen Schätze des Männergesangvereins Vaihingen gerade recht. Die Protokolle und Satzungsurkunden entdeckte Konrad Zluhan, langjähriger zweiter Vorsitzender des MGV, vor Jahren in einem Schrank auf der Bühne der früheren Gaststätte Rose, dem ehemaligen Vereinslokal. „Teilweise waren die Unterlagen zwischen alten Noten versteckt“, erzählt Zluhan. Zluhan und Dieter Olpp sichteten die Unterlagen und konnten die Quellen im Jubiläumsjahr dem Archiv übergeben.
Darunter beispielsweise die erste Satzung des damaligen Gesangvereins aus dem Jahr 1833. Insgesamt barg der Schatz auf der Bühne Bruchstücke von drei verschiedenen Archiven: dem Liederkranz, der Harmonia und dem 1919 gegründeten Sängerbund. Dokumentiert ist so beispielsweise der ausgeprägte Händel zwischen Sängerbund und Liederkranz. Oder die Vielzahl der Dirigenten und Vorsitzenden: „Da gab es keine Kontinuität“, so Scheck.
Der Vaihinger Historiker und Autor hat bereits die Entwicklung der Vaihinger Gesangvereine bis 1937 in einem Diagramm dargestellt. Die Gründung des Gesangvereins 1833, die Fortführung als Liederkranz im Jahr 1839, das Auftauchen eines gemischten Chores ab dem Jahr 1860, die Gründung der Harmonia Instrumentalmusik 1854, die Gründung des Singkranzes 1870. 1937 entstand schließlich aus dem Liederkranz und dem gemischten Chor sowie aus dem Sängerbund und dem gemischten Chor der Männergesangverein.
„Einzigartig“ in dem Fundus ist auch eine Festschrift aus dem Jahr 1907. In dem fragilen Dokument ist eine Panoramaaufnahme von Vaihingen aus dieser Zeit. Der anerkennende Respekt von Scheck: „Das habe ich noch nie gesehen.“
Eine Höhepunkt für den Männergesangverein Vaihingen steht im Juli an: Ministerpräsident Günther Oettinger wird dem 175 Jahre alten Verein in der Staatskanzlei die Zelterplakette überreichen. Allerdings mit 75 Jahren Verspätung, weil es diese Auszeichnung normalerweise zum 100-jährigen Bestehen gibt. Doch 1933 war die Rivalität zwischen dem Liederkranz und dem Sängerbund zu groß. „Die beiden Vereine haben sich gegenseitig belauert“, weiß Dieter Olpp, der das Jubiläumsjahr organisiert. „Und beim 150-jährigen Bestehen wurde die Sache wahrscheinlich vergessen.“ Olpp: „Jetzt holen wir aber die Verleihung gebührend nach.“


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