Redaktionsbesuch: SPD-Bundestagskandidat Jan Mönikes

Erstellt: 17. September 2009
Redaktionsbesuch: SPD-Bundestagskandidat Jan Mönikes Mönikes surrt mit seinem Segway über den Vaihinger Marktplatz. Foto: Rücker

Vaihingen (sr) – Zum dritten Mal kämpft Jan Mönikes als SPD-Direktkandidat im Wahlkreis Ludwigsburg um Stimmen. Der 39-Jährige gibt sich beim Gespräch mit der VKZ siegessicher. Zu seinen Stärken zählt der Mann mit dem außergewöhnlichen Elektroroller vor allem viele Jahre Praxis in der Bundespolitik sowie Berufs- und Lebenserfahrung.
 Wie könnte es anders sein – natürlich flitzt SPD-Kandidat Jan Mönikes mit dem Segway, jenem außergewöhnlichen Elektroroller, durch die Vaihinger Kernstadt. Mit einem freundlichen „vertrauen Sie einem Politiker, ich weiß, das ist schwer“, lockt er Fahranfänger auf das Zweirad, das als Markenzeichen des Bundestagskandidaten gelten kann. „Eine andere Form der Mobilität“, schwärmt Mönikes. Neulich, da sei er über die Felder von Oßweil nach Schwieberdingen gefahren und habe sich verfranzt. Schlecht ausgeschildert seien diese Radwege, die Bahntrasse ein unüberwindbares Hindernis. Da habe er notgedrungen auf die B10 ausweichen müssen, eine telepathische Nachricht an die Brummi-Lenker sendend: „Ich bin nur ein kleiner SPD-Kandidat, bitte lieber Lkw-Fahrer…“
„Klein“ umschreibt dabei sicherlich nicht seine politische Erfahrung. Schon im zarten Alter von 19 Jahren begann der Ludwigsburger als Büroleiter beim Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Neckar-Zaber. „Nach einem Jahr habe ich festgestellt, dass nur arbeiten irgendwie doof ist“, erinnert sich der SPDler. So absolvierte er ein berufsbegleitendes Studium in den Fächern Politik, Jura und Psychologie. Den Abschluss hat er in Jura gemacht und arbeitet nun als Rechtsanwalt. „Witzig“ finde er, wenn CDU-Kontrahent Steffen Bilger erzählt, „dass er zwei Jahre Berufserfahrung hat.“
Überhaupt sieht der Familienvater seine „Verankerung in der Familie“, die langjährige Tätigkeit in Sachen Bundespolitik sowie seine Berufs- und Lebenserfahrung als Vorteil bei den bevorstehenden Wahlen. Während der normale, frisch gewählte Abgeordnete in der Regel eine Lehrzeit von vier Jahren benötigte, könne er sich in dieser politischen „Bundesliga“ wesentlich schneller zurechtfinden.
Seit mehr als zwei Jahren besitze der Wahlkreis Ludwigsburg nach dem Mandatsverzicht von Matthias Wissmann keinen Abgeordneten mehr im Bundestag. Diese Lücke gelte es zu schließen. „Ich erreiche das Direktmandat“, sagt Mönikes siegessicher. Die Moderatorenrolle zwischen Bund, Land, Bürger und Kommunen übernehmen, das wäre genau sein Ding: „Ich weiß, worauf ich mich einlasse und bin in der Lage, den Wahlkreis in Berlin zu vertreten.“ Zum dritten Mal tritt Mönikes für die SPD als Direktkandidat im Wahlkreis Ludwigsburg an. Die beiden vorigen Male zog CDU-Kandidat Wissmann in den Bundestag. „Der hat sich das hier erarbeitet, ein sehr verankerter Kandidat“, resümiert Mönikes. Dieses Mal will er das Rennen machen, „ein viertes Mal gibt’s nicht“, so Mönikes.
Als besonders wichtig in diesen Zeiten sei für unsere industriegeprägte Region die Stärkung der Unternehmen, des Mittelstandes, der Handwerker. Und zwar in erster Linie, um Arbeitsplätze zu sichern. Im Zusammenhang mit der B-10-Problematik in Enzweihingen sagt Mönikes, dass grundsätzlich Tunnellösungen ideal seien, soweit finanzierbar, „den Verkehr von der Oberfläche wegbringen“.
In den letzten Monaten war von Mönikes als Verteidiger des unter Kinderporno-Verdacht stehenden Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss zu hören. Wie kam es dazu? In Berlin hätten ihn Parteikollegen mit den Worten angerufen, dass in den Gängen des Bundestags lauter Polizisten stünden. „Kümmer dich um Jörg“, habe es geheißen. Ob an den Vorwürfen was dran sei, das habe der Richter zu entscheiden. Was Mönikes bei der Sache geärgert hat, war die „groß angelegte, politische Aktion“. Außerdem sei die Presse schon überall dagewesen. Eine solche mediale Inszenierung habe er noch nie erlebt. Ob ihm die Aufmerksamkeit um diesen Fall eher nützt oder schadet? „Ich glaube, die Leute erkennen an, dass ich kein Mann nur für’s schöne Wetter bin. Ich renne nicht weg, nur weil ein Thema schwierig ist.“ Wenn der Steuermann bei hohem Wellengang Angst hat, „dann saufen wir ab“, schlussfolgert Mönikes.
Beim Fernsehduell zwischen Merkel und Steinmeier kamen für den Ludwigsburger Kandidaten die Merksätze nicht von Merkel, sondern von Steinmeier. Gemeinsam mit seinem Vater Wolfgang, „aktives CDU-Mitglied“, habe er die Sendung gesehen. Mönikes: „Der hat gebruddelt.“
Im Falle seiner Wahl würde er „nicht abhauen“, sagt Mönikes. Er verbringe das halbe Jahr in Berlin, die andere Hälfte in Ludwigsburg: „Politik für den Wahlkreis mache ich hier, wo sie stattfindet.“ Mönikes spricht’s, wirft seinen Elektroroller an und surrt zum nächsten Termin.

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