Neues Domizil für Gnadenhof gesucht

Erstellt: 22. August 2013
Neues Domizil für Gnadenhof gesucht Felicia Ruhland, Betreiberin des Illinger Gnadenhofs, sucht für ihre 72 Tiere einen neuen Hof – möglichst zwischen Illingen und Brackenheim. Foto: Elsässer

Illingen (elf). Schon als Kind hat sich Felicia Ruhland für notleidende Tiere eingesetzt, seit nunmehr 25 Jahren gibt sie ihnen als Betreiberin eines Gnadenhofs Asyl. In diesem schwierigen Metier ist die engagierte Tierschützerin Kummer gewöhnt. Jetzt steht sie einmal mehr mit dem Rücken zur Wand: Weil zum 31. Dezember 2014 ihr Pachtvertrag für den Hof in Illingen ausläuft, sucht sie jetzt nach einem neuen Domizil.
72 Tiere sind derzeit auf dem Gnadenhof zwischen Illingen und Roßwag untergebracht. 19 Pferde und Esel, vier Ziegen, drei Schweine, 25 Hunde, etliche Katzen und viele weitere Tiere mehr. Es sind vor allem geschundene und verwahrloste Tiere, die bei Felicia Ruhland ein neues Zuhause bekommen. Tiere, die von ihren früheren Besitzern vernachlässigt, gequält oder einfach vor dem Hof abgestellt wurden. So wie der Deutsche Doggen-Mastiff-Mix, der am Dienstag an der Koppel des Gnadenhofs angebunden war. Nachdem Ruhland dem Veterinäramt mitteilte, dass sie das Tier aus Kapazitätsgründen nicht aufnehmen kann, wurde es ins Tierheim nach Pforzheim gebracht. Dort war nicht nur der Hund, sondern auch dessen Besitzer bekannt, der sofort angezeigt wurde. „Der Aufnahmestopp lässt sich aber nicht immer realisieren“, sagt die Tierschützerin. So bewahrte sie jüngst zwei Norweger Pferde, die in Heidelberg wegen schlechter Haltung vom Veterinärsamt beschlagnahmt wurden, vor dem Schlachtbeil. „Meine Tiere sind meine Familie“, sagt Ruhland. Und die brauchen offenbar bald ein neues Zuhause.
Seit 15 Jahren betreibt Ruhland den Gnadenhof in Illingen. Davor hatte sie einen Hof in Pforzheim gepachtet. Den musste sie verlassen, weil das Anwesen einer Autobahnausfahrt weichen sollte. Zehn Jahre lief danach der Pachtvertrag mit dem Besitzer des Heidehofs 1 in Illingen, ehe er um weitere fünf Jahre verlängert wurde. Für eine nochmalige Pachtverlängerung sieht sie schwarz. Sie vermutet, dass dringend anstehende Sanierungsarbeiten in der Scheune auf die Pacht umgewälzt werden. Dabei zahle sie bereits 2300 Euro monatlich an den Besitzer. Hinzu komme einmal im Jahr der gleiche Betrag für Versicherungen. Außerdem schlage die EnBW-Rechnung mit rund 700 Euro im Monat zu Buche. Für Tierarztrechnungen und Futter müsse die Gnadenhofbetreiberin jeden Monat weitere 2000 Euro aufbringen. Eine eventuell höhere Pacht zu bezahlen sei für sie daher undenkbar, zumal sie in den vergangenen Jahren immer wieder in die Immobilie investiert und auch das Wohnhaus in Schuss gehalten habe. Verpächter Hermann Schmid wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung „derzeit nicht zum Thema äußern“.
Dankbar sei Ruhland für die Unterstützung der Illinger Landwirtfamilie Creyaufmüller. Von dieser beziehe sie Heu und Stroh, das sie je nach Finanzlage mal pünktlich, mal später bezahlen könne. Die Pacht an den Hofbesitzer habe sie indes in den ganzen Jahren stets pünktlich bezahlt.
Ruhlands größtes Problem ist die zurückgehende Spendenbereitschaft. Auch zu den Festen an Ostern, im Sommer, im Herbst, zum Advent oder an Weihnachten kämen immer weniger Leute. „Jeder hat seine eigene Sorgen, dadurch rücken wir ins Abseits“, bedauert die Betreiberin des Gnadenhofs. Gut gemeinten Ratschlägen von Freunden und Bekannten, den Gnadenhof aufzugeben, kann sie nicht folgen. „Den Tieren zu helfen, zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, sagte Ruhland. Bereits mit zwölf Jahren habe sie den ersten Hund aus dem Tierheim geholt. Ohne den aktiven Einsatz für die Tiere könne sie nicht leben.
Jetzt ist die Tierschützerin auf intensiver Suche nach einem neuen Domizil – möglichst zwischen Illingen und Brackenheim, zur Not auch weiter weg. Ein Makler hat ihr geraten, einen Hof zu kaufen. Dies sei für 250 000 bis 300 000 Euro machbar. Für die Finanzierung bei der Bank benötigt Ruhland allerdings einen Bürgen. Die Kreditrate wäre womöglich sogar niedriger und damit leichter zu finanzieren als der aktuelle Pachtzins. Doch einen Bürgen kann Ruhland nicht vorweisen.
Die Kriterien für einen infrage kommenden Hof sind schnell aufgezählt: eine ausreichende Weidefläche (etwa drei Hektar), eine große Scheune sowie ein Wohnhaus. Dazu nennt Felicia Ruhland ein weiteres wichtiges Kriterium: „Ich möchte mich in der Gemeinde willkommen fühlen und hoffe mal wieder auf ein Wunder.“
Für dieses kann auch Bürgermeister Harald Eiberger nicht sorgen. „Die Gemeinde hat keinen Bauernhof zu verpachten“, sagt der Schultes. Für eine finanzielle Unterstützung des Gnadenhofs habe er keine rechtliche Grundlage – „es sei denn, der Gemeinderat möchte über eine solche Freiwilligkeitsleistung abstimmen“, so Eiberger. Für Tiere, die vom Ordnungsamt an den Gnadenhof verwiesen werden, bestehe eine finanzielle Regelung.

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